Parc fermé (Archivversion)

GP1 und Superbike-WMRosige Zukunft?Durch das ab 2002 gültige 990-cm3-Viertakt-Reglement für die Grand-Prix-Top-Klasse entsteht möglicherweise eine bedrohliche Nähe zur Superbike-WM. Über dieses Thema sind allerdings die Superbike-Teamchefs einerseits und die Offiziellen des Weltverbandes FIM oder Superbike-WM-Promoter Flammini andererseits nicht einer Meinung. »Die neu formierte Viertakt-Grand-Prix-Welt und die Superbike-WM werden beide mindestens so gut weiter existieren wie bisher. Ein Hersteller, der Benefit aus dem Rennsport ziehen will, muss in beiden Kategorien antreten – im GP, um seine technische und innovative Kompetenz zu zeigen, und bei den Superbikes wegen des erfolgreichen Marketings seiner Serienmaschinen«, formuliert FIM-Präsident Francesco Zerbi reichlich idealistisch und prognostiziert auch künftig in beiden WM-Serien volle Startfelder.Paolo Flammini, Geschäftsführer der Superbike-WM-Agentur SBK International, zeigt etwas mehr Realitätssinn, gibt sich aber ebenfalls optimistisch: »Das Produkt Superbike-WM ist derzeit sehr gut, ebenso die 500er-GP. Und das wird auch künftig so bleiben. Wir werden ab 2003 das Hubraumlimit für alle Superbikes auf 1000 cm³ anheben, weil die 750er-Klasse am Markt der Serienmaschinen keine Rolle mehr spielt. Damit bleibt die Attraktivität für die großen Hersteller erhalten.« Zum Thema aufkommende Konkurrenz durch die Viertakt-GP-Serie hält sich der Italiener bedeckt: »Wir müssen uns in erster Linie um unsere eigenen Angelegenheiten kümmern. Deshalb nur so viel: Ich sehe momentan nicht genügend neue GP1-Viertakter, damit wir auch dort spannenden Rennsport sehen werden.«Die Teamchefs sehen dagegen die Superbike-Zukunft problematischer. »Yamaha ist schon weg, und der Vertrag zwischen Suzuki und meinem Alstare-Team läuft Ende des Jahres auch aus«, so der Belgier Francis C. Batta, im Superbike-Fahrerlager nicht nur wegen seiner Statur ein Schwergewicht, »und wenn nicht schnell etwas passiert, das die Vierzylinder wieder konkurrenzfähig macht, können die ruckzuck auch verschwunden sein.« Harald Eckl, der deutsche Teamchef des Kawasaki-Werksteams, versprüht ebenfalls nicht den allergrößten Optimismus: »Flammini war sich seiner Sache zu lange zu sicher, und reagierte mit Dingen wie etwa der Hubraumangleichung viel zu spät. Es sieht so aus, also ob ihm die Hersteller weglaufen. Was bei Kawasaki nach 2002 passiert, ist noch nicht entschieden. Ob es dort ein GP1-Projekt gibt, weiß noch nicht mal ich.«Aus den Reihen der Teammanager kommt immerhin der bemerkenswerte Vorschlag, der Superbike-WM ein komplett neues Format zu geben und sie damit vom GP-Sport schärfer abzugrenzen: Längere Rennen im Stile der 200 Meilen von Daytona mit Tank- und Reifenwechselstopps sowie zur Spannungserhaltung Pace-car-Einsätze schon bei der geringsten Störung, wie etwa im US-Automobilsport. Paolo Flammini lehnt dies ab, während FIM-Chef Zerbi sich die Möglichkeit sehr wohl vorstellen könnte.

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