Parc fermé (Archivversion)

Mick DoohanTritt in denHinternMick Doohan hatte das Niveau der Halbliterklasse in Jerez dadurch beschrieben, daß Wayne Rainey und Kevin Schwantz »Tritte in den Hintern« bekämen, wenn sie derzeit noch fahren würden. »Son of a bitch«, entfuhr es Rainey am Monitor. »Warum hat er es nötig, einen solchen Blödsinn zu verzapfen? Wer die Wahrheit wissen will, braucht nur die alten Ergebnislisten bis 1993 zu studieren. War er dreimal Weltmeister oder ich?« Auch Schwantz nahm kein Blatt vor den Mund. »Doohan ist kindisch und denkt, auf der ganzen weiten Welt gebe es nur ihn allein. Schon sein Assen-Unfall 1992 war pure Blödheit: Auch damals wollte er der Welt ohne jede Not seine Überlegenheit demonstrieren!«Wayne RaineyHaga wie AbeJean-Michel Bayle, seit Saisonbeginn verletzter Star des Yamaha-Werksteams von Wayne Rainey, trat in der Woche nach dem Mugello-Grand Prix abermals zu Testfahrten an, weil er beim Heim-Grand Prix in Frankreich am 2. Juni unbedingt sein Comeback feiern will. Gleichzeitig wurde auch Mugello-Zaungast Luca Cadalora aufgefordert, sich für einen eventuellen Einsatz bereitzuhalten. Weil Yamaha-Renndirektor Shuji Sakurada unbedingt verhindern will, daß Honda alle 15 Rennen gewinnt, änderte er nach Jerez seine Meinung und mustert den in Europa erfolglosen Bayle-Vertreter Kohji Nanba nun doch aus. An dem neuen Yamaha-Superbike-Star Noriyuki Haga hat Rainey allerdings kein Interesse. »Haga ist wie Norifumi Abe vor drei Jahren. In Monza bretterte er hirnlos in die Schikane, wußte nicht, ob es links oder rechts weitergeht - und stürzte!«Waffen, DrogenGarrigaam EndeJuan Garriga, 250er Vizeweltmeister 1986 und 1993 vom GP-Sport zurückgetreten, ist am Tiefpunkt angelangt. Im Belüftungsschacht eines Pubs, den er mit einem Partner in Barcelona betrieb, fand die Polizei ein halbes Kilogramm Kokain, in Garrigas Wohnung wurden falsche Papiere, Schmuck und ein Schußwaffenarsenal entdeckt. Garriga wurde verhaftet und nach vier Tagen vorläufig auf freien Fuß gesetzt, weil sein Partner die Verantwortung für alle dunklen Geschäfte übernahm. Trotzdem steht es schlecht um den drogenkranken Garriga: Schon vor einigen Monaten wollten ihm die spanischen Stars Angel Nieto, Alex Crivillé und Jorge Martínez einen Drogenentzug finanzieren, Garriga lehnte jedoch ab.Dreifach-SaltoSutersElchtestSpätabends nach den Testfahrten in Jarama wollte MuZ-Pilot Eskil Suter dem 125 cm³-Piloten Jaroslav Hules noch mal eben seine Bremspunkte und Ideallinien mit dem Auto vorführen. An einer Reihe von Airfences, die die Monteure beim Abbau bereits halb über die Strecke gezerrt hatten, endete die fröhliche Ausfahrt mit einem dreifachen Salto mortale. Trotz zerknüllter Karrosserie und verbogener Achsen schaffte Suter am nächsten Morgen noch den Weg zum Flughafen. »Leider hat das Auto einen kleinen Kratzer«, entschuldigte er sich bei der Mietfirma - und verschwand eiligst in der wartenden Maschine.60000 KartenSachsenringausverkauftDie Begeisterung für den Sachsenring-Grand Prix am 19. Juli kennt keine Grenzen: Fürs Abschlußtraining am Samstag wurden bereits 40000, für das Rennen am Sonntag sogar 60000 Tickets im Vorverkauf abgesetzt. Damit ist der Große Preis von Deutschland praktisch ausverkauft. »Wir hätten auch 100000 Karten verkaufen können«, erklärte Pressesprecher Wolfgang Wirth. Für MOTORRAD-Leser gibt es allerdings noch ein kleines Kontingent an Tribünenkarten (siehe Coupon auf Seite acht). Um auch für die Abnahme durch Fahrervertreter Franco Uncini gerüstet zu sein, wurden 100000 Tonnen Erde und 32000 Tonnen Kies für großzügige Sturzräume aufgeschüttet. Außerdem wurde eine 240 Meter lange transportable Boxenanlage installiert und eine neue Start- und Ziel-Tribüne sowie ein 17 Meter hoher Race Tower mit fünf Etagen gebaut.Repsol-SpritSkandalvertuschtDer Skandal um den spanischen Repsol-Sprit von Tadayuki Okada und John Kocinski, der sich bei einer Benzinprobe nach dem Malaysia-Grand Prix als illegal herausgestellt hatte, wird von Oriol Bulto, spanischer Präsident der Technischen Kommission der FIM, vertuscht. Ohne das strittige Benzin überhaupt analysiert zu haben, lieferte der englischer Spezialist Dr. Jim Laxton ein willkommenes Gegengutachten, in dem die Ergebnisse der Eidgenössischen Materialprüfanstalt EMPA uminterpretiert und das Verfahren bei der Benzinentnahme angezweifelt werden. Damit wird der gewissenhafte Jack Findlay, Abnahmechef und technischer Regelhüter bei den Grand Prix, unschuldig zum Sündenbock gemacht.

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