Parc fermé (Archivversion)

Ui und FuchsDas dicke EndeJürgen Fuchs kam nach seinem sechsten Platz in Rio trotz einer Magen-Darm-Infektion in Hochstimmung nach England, doch die gute Laune begann schon am Freitag zu verfliegen. Wegen eines durchgescheuerten Kabelbaums spielte die Elektrik verrückt; Fuchs schob seine elf 500 im ersten Zeittraining bei sengender Hitze ins Fahrerlager zurück, nur um wenig später erneut liegenzubleiben. Am Samstag stürzte er zweimal, am Vormittag wegen eines Kolbenklemmers, am Nachmittag, weil er wegen einer fast halbstündigen Kupplungsreparatur zu ungeduldig am Gas drehte. Beim Rennstart schliff dann die Kupplung, weil Fuchs seinen demolierten kleinen Finger unter dem Hebel hatte. Zentimeterweise ruckelte seine Maschine vorwärts, was als Frühstart gewertet und mit einer Stop and Go-Strafe geahndet wurde. Am Ende wurde er 15. Bei Youichi Ui hielt die Euphorie länger. Nach einer sensationellen Trainingsbestzeit an beiden Tagen führte der Yamaha-Kurz-Pilot auch im Rennen souverän, rollte aber schon nach drei Runden wegen eines gebrochenen Kolbenrings aus.Raudies auf DunlopLetzte ChanceMichelin-Vertragspartner Dirk Raudies probierte am Samstag Dunlop-Reifen aus. »Zu mir kommt sowieso kein Michelin-Service, deshalb merkt das keiner«, vermutete der Weltmeister von 1993. Seine auffälligen pinkfarbenen Felgen stachen im gelben Dunlop-Zelt aber doch aus der Masse, so daß Michelin-Mann Jacques Morelli unerwartet schnell einen Vertreter in das Raudies-Zelt schickte und die restlichen Michelin-Reifen einsammeln ließ. »Die Dunlop-Reifen sind meine letzte Chance. Wenn die Resultate gleichbleiben, kann ich ans Abdanken denken«, seufzte der 125er Ex-Weltmeister. Eine Trendwende im Rennen bedeutete der Wechsel nicht: Raudies rollte wegen einer abgebrannten Zündkerze aus.Leon Haslam gewinntPocket RocketLeon Haslam, Sohn des früheren Halbliter-Stars »Rocket Ron« Haslam, driftet bereits auf den Spuren seines berühmten Vaters. Mit einer Sonderlizenz trat der 14jährige Knirps zu seinem ersten Straßenrennen im Honda CB 500 Newcomer´s Cup an und gewann auf Anhieb. Der 16jährige Grand Prix-Neuling Chris Burns, auf Empfehlung des britischen Journalisten Chris Carter als Nachfolger des verletzten Benny Jerzenbeck vom Team UGT 3000 engagiert, hatte bei seinem Heimrennen in der 125er Klasse weniger Glück: Nach etlichen Eingewöhnungsproblemen im Training baute er im Rennen einen Sturz. Vielversprechender dürfte die Premiere des 15jährigen Italieners Marco Melandrini ausfallen: Der jüngste italienische Meister aller Zeiten, eine Entdeckung von Loris Reggiani, hat bei Benetton-Honda einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben und fährt in Brünn seinen ersten GP.Setes PechZwei StrafenSete Gibernau, Pilot der zweiten Werks-Yamaha im Team von Wayne Rainey, hatte im Halbliterrennen doppeltes Pech. Erst mußte er wegen eines Frühstarts zu einem zehnsekündigen Stop and Go an die Box. »Das war spannender als alles andere, was wir in diesem Jahr erlebt haben«, brummte Rainey. Weil Gibernau beim Antritt seiner Penalty zu schnell durch die Boxengasse brauste, wurde die gleiche Strafe unmittelbar darauf zum zweiten Mal verhängt. »Holt ihn ganz rein. Andernfalls rastet er aus und fällt runter«, befahl Rainey. Er hatte das spanische Temperament richtig eingeschätzt: Gibernau lief verzweifelt gestikulierend aus der Boxengasse und brach am Team-Truck in Tränen aus.

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