Parc fermé (Archivversion)

Ärger bei SuzukiGoddardstatt GobertBei letzten Vorsaisontests in Malaysia stürzte Anthony Gobert, demolierte die Schrauben in seinem bereits mehrfach gebrochenen rechten Schlüsselbein und mußte sich eine noch größere Platte einbauen lassen. »Ich will meine Karriere nicht wegen eines Rennens aufs Spiel setzen. Ich bin erst 22 und habe noch viele gute Jahre vor mir«, sagte Anthony spontan auf einer Pressekonferenz, ohne sich vorher mit dem 500er Suzuki-Team über den Wortlaut abzustimmen. Der lebenslustige Australier, bei seinen konservativen Arbeitgebern schon zuvor wegen seiner lockeren Lebensart und kleinerer Entgleisungen in Ungnade gefallen, brachte damit das Faß zum Überlaufen und wurde statt nach Japan von Malaysia direkt nach Hause geschickt. Während Teammanager Garry Taylor die Presse in die Irre führen wollte und von einer Genesungspause sprach, klopfte Gobert bereits bei Ducati wegen einer Rückkehr in die Superbike-WM an - denn wahrscheinlich wird er von Suzuki in der Woche nach dem Japan-GP fristlos entlassen und durch Peter Goddard ersetzt.Baldiger Rücktritt?BeattielustlosSuzuki könnte auch seinen mühsam gesund gepflegten Star Daryl Beattie verlieren. Denn der Vizeweltmeister von 1995 hat keine Lust mehr, auf der seit den Zeiten von Kevin Schwantz ständig rückwärts entwickelten Suzuki RGV 500 hinterherzufahren und kam sowohl in Malaysia als auch in Japan vorzeitig an die Box. »Das neue Motorrad ist kleiner und kompakter, läßt sich aber immer noch nicht besser in die Kurven einlenken. Wegen der ständigen Motorschäden wurde die Leistung zurückgenommen. Jetzt hält der Motor, zieht dafür aber nicht«, kritisierte Beattie unverblümt und drohte, dem Beispiel seines Freunds Schwantz zu folgen, der den Bettel kurz nach Saisonbeginn 1995 hingeworfen hatte. Teammanager Garry Taylor versuchte gleichzeitig schon mal, Superbike-Weltmeister Troy Corser zu ködern.Akute GeldsorgenPower HorsekraftlosDem »Power Horse« des österreichischen Promotor-Teams scheint finanziell die Puste auszugehen. Weder Corser noch Luca Cadalora haben bislang ihre zugesagten Gagen erhalten, selbst vom letzten Jahr stehen noch Zahlungen an Corser, Superbike-As Mike Hale und an Ducati aus. »Nur Gerüchte. Alles ist in bester Ordnung«, wehrte sich Teambesitzer Alfred Inzinger, obwohl die Mineralölfirma elf Rennbenzin nur noch gegen prompte Barzahlung herausrückte, und Cadalora mit einer Yamaha- statt mit einer Power Horse-Jacke herumlief, seinen Chef mit Verachtung strafte sowie drohte, beim nächsten GP in Jerez nicht mehr anzutreten. Die wahrscheinlichste der möglichen Lösungen des Problems ist ein Verkauf: Der millionenschwere Amerikaner Bob MacLean, Besitzer eines ROC-Yamaha-Teams mit dem australischen Ex-Superbike-Piloten Kirk McCarthy, möchte das 500er Yamaha-Team komplett übernehmen und war bereits zu Verhandlungen in Wien und Japan.Horrorsturz für Fuchs Debüt mitSchmerzenElf 500-Pilot Jürgen Fuchs stellte im freien Training von Malaysia bei vollem Speed den Motor ab, geriet in einen falschen Leerlauf zwischen dem zweiten und dritten Gang und wurde bei Tempo 250 in hohem Bogen abgeworfen, als die Zahnräder plötzlich wieder einhakten. »Mir war in der Luft schon schlecht«, konstatierte Fuchs, der bei seiner unsanften Landung Prellungen und ein verstauchtes linkes Handgelenk davontrug, im Rennen wegen der Schmerzen aufgab und auch in Suzuka wegen eines gebrochenen Auspuffs das Ziel verpaßte.Wegen seiner Motorsorgen hatte er ohnehin keine Hoffnung auf WM-Punkte. »Am Kurvenausgang beim Beschleunigen gibst du zunächst Vollgas. Ab 11000 Umdrehungen setzt der Motor dann aber derart viel Leistung frei, daß du das Gas wieder zurückdrehen mußt, um nicht abgeworfen zu werden. Wir haben vergeblich versucht, das in den Griff zu bekommen«, erklärte Fuchs. Für den Jerez-Grand Prix liefert Urs Wenger, der Konstrukteur von elf-Motorenpartner Swissauto, deshalb neue Zylinder.GehirnerschütterungPeters PechNoch mehr Pech hatte UGT 3000-Pilot Peter Öttl. Wegen eines Kolbenklemmers stürzte er im ersten Malaysia-Training, fiel auf den Hinterkopf und zog sich wie bereits viermal in der Saison 1996 eine Gehirnerschütterung zu. Ein weiterer Crash im Abschlußtraining verschlimmerte seine Kopfschmerzen, ein ständig ausgehender Motor zwang ihn dann im Rennen zur Aufgabe. Zeigte sich Öttl eine Woche später in Japan wieder halbwegs erholt, so krankte sein Aprilia-Werksmotor weiter. »Ich hinke den Top-Leuten um gut zehn km/h hinterher und bin auf der Geraden nicht schneller als die Wild Card-Fahrer. Wir sind deutlich langsamer als vor einem Jahr. Es ist demoralisierend«, seufzte Öttl - und rollte im Suzuka-Rennen abermals mit totem Motor an die Box.

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