Parc fermè (Archivversion)

Absage von HondaBiaggifür BeggioMit seinem Talent, auf gute Angebote mit völlig überzogenen Forderungen zu reagieren, verspielte Max Biaggi seinen letzten großen Joker und setzte sich bei Benetton-Honda und der Honda Racing Corporation mit der Forderung nach einer exklusiv für ihn gebauten Werksmaschine für die 250er Klasse in die Nesseln. Nach dem Australien-Grand Prix flog er Hals über Kopf nach Hause, um bei Aprilia-Firmenbesitzer Ivano Beggio zu retten, was zu retten war. Denn erstens wollte er nicht mitansehen, wie Tetsuya Harada auf seiner Weltmeistermaschine und mit seinen Mechanikern zu Testfahrten in Eastern Creek antrat. Zweitens war das eine gute Gelegenheit, ohne die Störenfriede Carlo Pernat und Jan Witteveen mit dem Firmenchef zu reden. Denn während der Teamdirektor und der Cheftechniker erklärte Biaggi-Gegner sind, hält Beggio seinem Star neuerdings fest die Treue. Beggio will nämlich unbedingt einen berühmten Italiener im offiziellen Aprilia-Team haben, scheiterte aber im Werben um Luca Cadalora (Power Horse-Yamaha) und Loris Capirossi (Marlboro-Yamaha).Preins neueste IdeeAgent fürStappert?Docshop-Teammanager Stefan Prein, als selbstbewußter HB-Honda-Star einst erbitterter Gegner des autoritären Teamchefs Dieter Stappert, wird als Agent bei der Sponsorsuche womöglich zu dessen Verbündeten. Nachdem Prein vergeblich versuchte, Vizeweltmeister Ralf Waldmann von Stappert loszueisen, versucht er den in Sachen Sponsorsuche bislang ohne große Fortune agierenden Stappert in seine Planungen zu integrieren. »Ich habe ihm ein Budget quasi auf dem Silbertablett angeboten. Unter anderem hat eine indische Brauerei Interesse«, erklärte der umtriebige Prein. Der leicht gedemütigte Stappert bat sich aus, darüber zu schlafen, was bei Prein Verständnislosigkeit hinterließ. »Dieses Team hat ein seriöses Problem, denn Stappert ist nicht der Typ Aufreißer, der die Leute dafür begeistert, Geld auszugeben. Wenn nichts Entscheidendes passiert, wird es diesem Team ergehen wie dem von Carlos Cardús«. Und das ging 1992 bekanntlich pleite.Projekt gestopptTZM statt YZRNach dem Weggang von Tetsuya Harada und den wenig tröstlichen Ergebnissen seines in Australien gestürzten Nachfolgers Sete Gibernau im Yamaha 250-Team wird das Projekt der im Winter exklusiv für Harada gebauten Werksmaschine YZR 250 nun offiziell eingestellt. Der werksseitig aufgepäppelte Production Racer TZM 250 war alles in allem erfolgreicher und führt derzeit die japanische Meisterschaft an. 1997 sollen 250-cm3-Privatfahrer Regis Laconi und Thunderbike-As Eric Mahé in den Farben von Yamaha Motor France für ein Grand Prix-Comeback der TZM 250 sorgen.Rennen in SugoGo fürGobertSuzuki-Star Daryl Beattie, überstürzt vom Brasilien-Grand Prix abgereist, um die Komplikationen in seinem verletzten linken Handgelenk beheben zu lassen, hielt sich während des Australien-Wochenendes in Melbourne versteckt. Sein Vertreter Peter Goddard, der die Suzuki RGV 500 schon im Vorjahr bewegte und auf einer Suzuki 750 Topfavorit für die australische Superbike-Meisterschaft ist, eroberte Platz zehn, Scott Russell gab wegen eklatanter Fahrwerksprobleme auf. Derweil hat Lucky Strike-Suzuki mit Superbike-As Anthony Gobert bereits einen Neuzugang für 1997 verpflichtet. Aprilia 400?Ruggia aufJobsucheJean-Philippe Ruggia, der im Schatten von Senkrechtstarter Olivier Jacque keine Zukunft im elf-Chesterfield-Team von Hervé Poncharral mehr hat, diente sich bei Aprilia als Fahrer der 500-cm3-V 2-Maschine an, mit der Doriano Romboni seit seiner Verletzung vom Nürburgring nichts als Pleiten, Pech und Pannen erlebt hatte. Cheftechniker Jan Witteveen ist nicht begeistert, weil er noch in unguter Erinnerung hat, wie Ruggia seine Motoren als Aprilia 250-Pilot beim Herunterschalten zu Tode drehte. Neben Ruggia ist der italienische Ex-125-Weltmeister Alessandro Gramigni als Entwicklungsfahrer der RSV 500 abseits der GP-Strecken im Gespräch. Ob die Maschine 1997 überhaupt bei Rennen eingesetzt wird, ist allerdings völlig unklar: Witteveen will den Motor von 410 auf 480 oder 490 cm3 vergrößern und vor den nächsten Blamagen erst einmal die Standfestigkeit überprüfen.Rainey wird operiertPlatte rausYamaha-Teamchef Wayne Rainey, seit 1993 querschnittsgelähmt, muß sich erneut einer Operation unterziehen. Eine Platte, die ihm vor drei Jahren eingebaut wurde, um seinen gebrochenen Rückenwirbel zu stabilisieren, wird entfernt. Die fünfstündige Operation von Alberto Puig nach dem Rio-GP, bei dem dem Spanier sämtliche Platten und Schrauben aus dem linken Unterschenkel geholt wurden, war ein Erfolg. Nächstes Projekt ist, einen Nerv zu verpflanzen, um sein gefühlloses Bein wiederzubeleben.Aprilia für Fuchs?Justs IdeeErhard Just, von Aprilia und der Importfirma a & g geschiedener Manager, will dem GP-Sport erhalten bleiben und hatte eine glänzende Idee. Vom Mobiltelefon in Australien verhandelte er fieberhaft, um neben dem bereits für Ralf Waldmann in Aussicht gestellten Marlboro-Geld ein weiteres Marlboro-Budget für Jürgen Fuchs auf die Beine zu stellen. »Fuchs auf einer dritten Aprilia-Werksmaschine neben Biaggi und Harada, das wäre was. Und zwei deutsche Fahrer in Marlboro-Farben auf verschiedenen Fabrikaten, das würde in jedem einzelnen Rennen Schlagzeilen machen«, meinte Just.

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