Parc fermé (Archivversion)

OrganisationschaosKatastrophenohne EndeDas Chaos im Fahrerlager von Jacarepaguá war perfekt. Am Mittwoch überbrückten Elektriker leichtfertig eine durchgebrannte Hauptsicherung, worauf etliche Kabelstränge in den Boxen in sich zusammenschmolzen. 48 Stunden später schnitt der Chef der zuständigen Firma die Versorgungskabel für Fernsehen und Zeitnahme durch, worauf das erste Zeittraining der 125er nach einer Runde mit der roten Flagge unterbrochen wurde.Der Sabotageakt hatte finanzielle Gründe: Die Stadt Rio als Co-Sponsor, die die Installationskosten schon im letzten Jahr schuldig geblieben war, zahlte abermals nicht. Erst als DORNA-Chef Carmelo Ezpeleta mit einer Garantie für 400000 Mark einsprang, flammten die Monitore wieder auf. Ab Samstagnachmittag bis Sonntagmorgen waren dafür sämtliche Telefon- und Faxleitungen tot.Kurz vor Trainingsbeginn war das aus Stangen und Holzbrettern zusammengeschusterte Podium von einem Windstoß umgeblasen worden und hatte ein Ambulanzfahrzeug zertrümmert, dessen Insassen gerade eine Kaffeepause machten. Die IRTA-Leute Mike Trimby, Neill Bird und ihre Frauen Eilleen und Fiona waren schon bei der Anfahrt zur Strecke mit voller Wucht von hinten gerammt worden, weil sie den Fehler begingen, vor einer roten Ampel stehenzubleiben.Wenig später bekam Sicherheitschef Bird Arbeit mit einem jugendlichen Dieb, der die Geldbeutel im Zeitnahmebüro geplündert hatte. Weil die Polizei das gestohlene Geld nicht finden konnte, steckten sie den Kopf des Übeltäters kurzerhand in eine Kloschlüssel. Unmittelbar vor dem Ertrinken wurde der Ganove geständig: Er hatte die Scheine in Plastik aufgerollt und in den Darm geschoben.Abschreckende Wirkung hatten die Polizeimethoden nicht: In der Nacht zum Samstag wurden insgesamt sechs Computer aus vergitterten Boxen geklaut, zwei davon vom Ditter Plastic-Team.Daryl BeattieComebackgeplatztSuzuki-Star Daryl Beattie, dessen Comebackversuch schon drei Wochen zuvor in Barcelona scheiterte, gab nach dem 18. Platz im ersten Zeittraining von Rio endgültig auf und jettete am Samstagabend nach Australien, um sich von jenem Arzt operieren zu lassen, der auch seine offenen Wunden der am linken Fuß abgescherten Zehen zum Heilen gebracht hatte. Beim Röntgen hatten die Streckenärzte nämlich die Ursache der seit seinem Frankreich-Sturz andauernden Schmerzen im genagelten linken Handgelenk entdeckt: Ein abgesplittertes Stück Knochen, das orientierungslos im Gelenk umherwanderte. »Natürlich bin ich enttäuscht. Doch jetzt weiß ich wenigstens, was den Heilungsprozeß verzögert hat«, meinte Beattie und versprach erneut, 1997 topfit zurückzukehren.Gobert, RGV 250Suzuki-SensationenDer holländische Teamchef Arie Molenaar, der Haruchika Aoki vom Nobody zum Weltmeister machte und nun an Francesco Pileri verlor, plant die nächste Sensation. Zweieinhalb Jahre nach John Kocinskis unrühmlichem Abgang von Lucky Strike Suzuki will er die RGV 250 in den GP-Sport zurückbringen. Neben dem Japaner Noriyasu Numata, der mit der RGV 250 1995 japanischer Meister wurde, ist der Holländer Jürgen van den Goorbergh als Fahrer im Gespräch.Gleichzeitig sickerte ein Sensationstransfer durch, den Suzuki 500-Teamchef Garry Taylor vergebens zu dementieren versucht. Superbike-As Anthony Gobert, wie Scott Russell vor seinem Einstieg ins GP-Geschäft in Rob Muzzy´s Kawasaki-World Superbike-Team angestellt, hat einen GP-Halblitervertrag für 1996 in der Tasche. Der frustrierte Russell verhandelt weiterhin mit dem elf 500-Team von Michel Métraux, wo 500000 Dollar Gage zur Debatte stehen. Nach dem Australien-GP tritt er ebenso wie der von der Zusammenarbeit mit Honda enttäuschte Alexandre Barros in Eastern Creek zu Tests auf der elf 500 an.Alberto PuigDie nächsteOperationAlberto Puig, seit seinem Frankreich-Crash 1995 schwer angeschlagener Star im spanischen Team Fortuna Honda Pons, quälte sich in Rio durch sein letztes Rennen der Saison. Weil sein genagelter und verschraubter linker Unterschenkel seit Jahresbeginn entzündet ist und Puig mit zwei Gramm Antibiotika täglich mittlerweile auch seinen Magen ruinierte, begab er sich in die berühmte Mayo-Klinik in Rochester, New York, um nach bislang bereits zehn Eingriffen zur nächsten Operation anzutreten und sämtliches Metall aus den Knochen entfernen zu lassen. Wenn die Entzündung abgeklungen ist, soll ein Nerventransplantat wieder für Empfindungen in dem gefühllosen Unterschenkel sorgen, außerdem soll eine Fehlstellung im Knöchel korrigiert werden.Team PowerhorseCorser undCadaloraLuca Cadalora, erst zu Saisonbeginn auf Honda umgestiegen, kehrt als Teamkollege des GP-Einsteigers Troy Corser im Powerhorse-Team des Österreichers Alfred Inzinger zu Yamaha zurück. Cadalora selbst hält sich zwar noch bedeckt, doch erhielt das Gerücht Nahrung von Dunlop-Sprecher Jeremy Ferguson: Er ließ verlauten, die Rückkehr von Dunlop zu den V 4-Maschinen der Halbliterklasse sei mit einem Neueinsteigerteam in greifbarer Nähe gewesen, durch einen als Dunlop-Gegner wohlbekannten, kurzfristig ins Team gerückten italienischen Superstar aber wieder in weite Ferne gerückt.

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