Pazifik-Grand Prix in Motegi/J (Archivversion)

Schwarzes Gold

Bei seinem allerersten Grand Prix auf der Viertakt-Honda RC 211 V entzauberte Alex Barros sogar Weltmeister Valentino Rossi. Jetzt ist der West-Honda-Star ein gefragter Mann – vor allem im neuen Kawasaki-Team von Harald Eckl.

Alex Barros kam, sah und siegte. Dabei fasste er die einzige Fünfzylinder-RC 211 V, die sein West-Honda-Pons-Team für die letzten vier Rennen der Grand-Prix-Saison 2002 bekommt, in Motegi mit Samthandschuhen an. Wohl wissend um seine Verantwortung für das kostbare Unikat, steuerte er umsichtig auf den fünften Startplatz und fand dabei heraus, dass die 220-PS-Maschine nicht nur besonders schnell ist, sondern auch besonders gefräßig mit den Reifen umgeht. Im Rennen spielte der 31-jährige brasilianische GP-Veteran dann die ganze Erfahrung von 207 WM-Läufen und etlichen erfolgreichen Viertakt-Einsätzen bei den Acht Stunden von Suzuka aus. Barros lenkte gefühlvoller als alle Rivalen in die Spitzkehren der Stop-and-go-Piste und hatte am Schluss noch solche Reserven, dass er in der letzten Runde die schnellste Zeit auf den Asphalt zaubern konnte. Valentino Rossi hatte keine Chance. Nur für kurze zwei Runden konnte er sich an Barros vorbeischieben, machte dann aber schon wieder versehentlich die nächste Lücke auf. Probleme mit der Rutschkupplung fürs Hinterrad, hieß es später, hätten dem Weltmeister den Spaß verdorben – so wie seinem Markenkollegen Daijiro Kato, der wegen eines Kupplungsdefekts an der bisher unfehlbaren Fünfzylindermaschine gar an die Box steuerte. Bei West-Honda brach dagegen ein Taumel der Begeisterung los. Teamkollege Loris Capirossi hatte sich auf der Zweitakt-NSR 500 voll grimmigem Ehrgeiz im Windschatten der beiden Viertakt-Stars festgebissen und den dritten Platz erkämpft.Doch die Freude des Augenblicks konnte kaum übertünchen, dass Loris Capirossi nur aus Zorn so viel Gas gegeben hatte. Er und sein Manager Carlo Pernat sehen es weiterhin als verfehlte Honda-Politik, dem Team nur eine Viertakt-Maschine überlassen zu haben, und empfinden es als schreiende Ungerechtigkeit, dass Barros den Viertakter steuern darf. Denn nach dem Stand der Dinge ist es nicht nur der künftige Ducati-Pilot Capirossi, sondern auch Barros selbst, der in der nächsten Saison auf einer anderen Marke Gas geben wird. Falls sich der drohende Rückzug von Hauptsponsor West bestätigt, bleibt von dem schwarzen Gold des schlagkräftigen MotoGP-Teams nur ein Scherbenhaufen übrig.Teamchef Sito Pons braucht dringend neue Geldquellen, um die bereits georderten Viertaktmaschinen in der nächsten Saison bezahlen zu können. Eines der Teams, in dem Barros bessere Perspektiven hätte, ist der Kawasaki-Rennstall, der nach 20 Jahren Pause sein Grand-Prix-Comeback gab. Testpilot Akira Yanagawa holte mit der brandneuen, drei Wochen alten Ninja ZX-RR bei der Feuertaufe in Motegi den 14. Platz im ersten Training und war dabei auf Anhieb drei Zehntelsekunden schneller als Sete Gibernau, der schon ein halbes Jahr an seinem Suzuki-Prototyp herumexperimentiert. Im Abschlusstraining rutschte Yanagawa wegen eines Fahrwerkdefekts in einer schnellen Rechtskurve das Vorderrad weg, worauf der unerschrockene Japaner auf die Ersatzmaschine kletterte und noch den 18. Trainingsrang sicherstellte. Erst im Rennen wurde Yanagawas Tatendrang eine frühzeitige Grenze gesetzt: Beim Einbiegen in eine Kurve blockierte das Hinterrad und löste einen weiteren Sturz aus. Hinterherfahrende Kollegen wie Jürgen van den Goorbergh hatten das Desaster schon zwei Runden lang vorausgesehen, weil der Kawasaki-Motor sie mit einem feinen Ölnebel eingesprüht hatte. Trotzdem reisten die Kawasaki-Techniker erhobenen Hauptes zum nächsten Grand Prix nach Malaysia weiter. »Nach allem, was wir hier gesehen haben, türmen sich keine unüberwindlichen Berge vor uns auf. Die Konkurrenz kocht auch nur mit Wasser«, meinte der künftige Teamchef Harald Eckl, der sich bei dem von Japan aus gesteuerten ersten Einsatz vornehm als Beobachter im Hintergrund aufhielt. Einige der offenkundigsten Probleme des neuen Motorrads konnten bereits an Ort und Stelle gelöst werden. So klagte Yanagawa zunächst über den abrupten, harten Leistungseinsatz. Bis zum Rennsonntag wurde die neue Einspitzanlage mit zwei Einspritzdüsen pro Zylinder und Flachschiebern anstelle der klassischen Drosselklappen durch Programmierungstricks bereits weitgehend besänftigt. Auch das lästige Rattern des Vorderrads, das Yanagawa am zweiten Trainingstag genervt hatte, wurde mit einigen Drehs am Fahrwerk abgestellt.Der Instabilität beim Anbremsen – Yanagawa rutschte immer wieder mit spektakulär querstehender Maschine auf die Spitzkehren zu – will Kawasaki bereits in Sepang mit verstärkten Rahmen zu Leibe rücken. Der Mangel an schierem Speed – Yanagawa war um rund 12 km/h langsamer als die schnellsten Honda – beschert den Technikern ebenfalls kein Kopfzerbrechen. Denn noch war die Höchstdrehzahl des Reihenvierzylinders aus Sicherheitsgründen auf 14 000/min begrenzt. »Über den Winter werden wir das Motorrad so weit verbessern, dass wir in der nächsten Saison im Feld mitkämpfen können. Zum Saisonende peilen wir Podestplätze an«, kündigt Harald Eckl an. Die Zuversicht hat Gründe. Anders als bei vielen Kundenteams der anderen japanischen Werke ist Eckls Teambasis im bayerischen Vohenstrauß keine leere Lagerhalle, in der die Motorräder zwischen den Rennen geparkt werden, sondern ein vollwertiges Technologiezentrum, dessen Personal die Erfahrung von sieben Superbike-Jahren in die Waagschale werfen kann. Das Kawasaki-Management gab bereits grünes Licht, das Projekt um jeden Preis zum Erfolg zu führen. »Deshalb haben wir uns auch kein festes Budget gesetzt, um unser Ziel von Grand-Prix-Siegen und dem Kampf um den Titel zu erreichen. Wir werden einsetzen, was immer es braucht«, erklärte Kawasaki-Präsident Shinichi Morita.
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GP Journal (Archivversion)

Sieg für EliasMelandrizu YamahaNach dem Rio-Grand-Prix verbrachte Aprilia-Star Marco Melandri einige Urlaubstage auf Hawaii und scheiterte dort beim Versuch, das Surfen zu lernen. Dafür reitet der 20-jährige Italiener im Fahrerlager auf der Welle des Erfolgs: Sein Vorsprung in der 250er-WM schwoll trotz der Niederlage gegen den fulminanten Toni Elias weiter an, außerdem soll Melandri die Nachfolge für Max Biaggi im Yamaha-MotoGP-Werksteam antreten. Jenkner holt aufDrittertrotz GrippeSteve Jenkner holte sich auf dem Flug nach Japan eine Erkältung, die sich bis zum Rennsonntag zur handfesten Grippe auswuchs. Trotzdem erbeutete der Sachse nach einem packenden Duell mit Weltmeister Manuel Poggiali im 125er-Rennen den dritten Platz. Weil Lucio Cecchinello stürzte, katapultierte sich Jenkner mit dem fünften Podestplatz des Jahres gar auf den vierten WM-Rang. Einen unerwarteten Schub neuer Spannung gibt es auch im Kampf um den Titel: WM-Leader Arnaud Vincent rollte mit Motorschaden aus, Titelverteidiger Manuel Poggiali und Honda-Star Dani Pedrosa wittern wieder Morgenluft. Honda-PläneBaldmit V6Suguru Kanazawa, Präsident der Honda Racing Corporation HRC, gab in Motegi seine Visionen preis: »Möglicherweise verfügen wir schon im nächsten Jahr über einen V6-Motor für die MotoGP-WM, um das Potential dieser Formel auszuloten.« Das zweite große Experimentierfeld für Honda ist die Aerodynamik. »Honda und Yamaha gehen zwei grundverschiedene Wege. Yamaha arbeitet an der Verringerung des Luftwiderstands, wir an einer möglichst kleinen Stirnfläche. Theoretisch führt das am Ende zum gleichen Ergebnis. Mit einem Unterschied: Voluminös verkleidete Motorräder lassen sich schlechter einlenken. Wir arbeiten an Konzepten, bei denen die Aerodynamik die Handlichkeit verbessert.“

Ergebnisse (Archivversion)

Rennen 125 cm3 Fahrer (Nation) Maschine Zeit (Min) WM-Stand1. Daniel Pedrosa (E) Honda 41:43,377 Vincent 2152. Manuel Poggiali (RSM) Gilera - 8,071 Poggiali 2073. Steve Jenkner (D) Aprilia - 8,701 Pedrosa 1914. Pablo Nieto (E) Aprilia - 15,425 Jenkner 1385. Hector Barbera (E) Aprilia - 24,565 Cecchinello 1326. Mika Kallio (FIN) Honda - 29,584 Nieto 1027. Gino Borsoi (I) Aprilia - 33,107 Sanna 898. Joan Olive (E) Honda - 34,920 Azuma 869. Jorge Lorenzo (E) Derbi - 36,050 Borsoi 7610. Hideyuki Nakajoh (J) Honda - 36,447 Kallio 6911. Shuhei Aoyama (J) Honda - 40,056 De Angelis 6812. Youchi Ui (J) Derbi - 44,663 Olive 5913. Michel Fabrizio (I) Gilera - 49,699 Ui 5814. Simone Sanna (I) Honda - 50,072 Giansanti 4115. Arnaud Vincent (F) Aprilia - 52,708 Dovizioso 35Trainingsbestzeit: Pedrosa in 1:58,026 = 146,438 km/hSchnellste Rennrunde: Pedrosa in 1:58,354 = 146,033 km/h Schnitt des Siegers: 144,986 km/hRennen 250 cm3:Fahrer (Nation) Maschine Zeit (Min) WM-Stand1. Toni Elias (E) Aprilia 43:52.991 Melandri 2482. Marco Melandri (I) Aprilia - 0,175 Nieto 1963. Yuki Takahashi (J) Honda - 4,431 Rolfo 1704. Fonsi Nieto (E) Aprilia - 8,200 Porto 1435. Emilio Alzamora (E) Honda - 8,812 Elias 1416. Roberto Rolfo (I) Honda - 9,826 Battaini 1137. Franco Battaini (I) Aprilia - 11,828 Locatelli 1058. Sebastian Porto (RA) Yamaha - 12,726 Alzamora 939. Roberto Locatelli (I) Aprilia - 26,167 De Puniet 8610. Alex Debon (E) Aprilia - 32,236 Matsudo 7311. Hiroshi Aoyama (J) Honda - 32,378 Debon 5812. Katsuyuki Nakasuga (J) Yamaha - 39,383 Stoner 5413. Haruchika Aoki (J) Honda - 39,647 Aoki 4514. Ryuji Yokoe (J) Yamaha - 41,386 Yuzy 4515. Jaroslav Hules (CZ) Yamaha - 46,952 Checa 36Trainingsbestzeit: Nieto in 1:52,389 = 153,783 km/hSchnellste Rennrunde: Elias in 1:53,392 = 152,423 km/h Schnitt des Siegers: 150,977 km/hRennen MotoGP:Fahrer (Nation) Maschine Zeit (Min) WM-Stand1. Alex Barros (BR) Honda 44:18,913 Rossi 2902. Valentino Rossi (I) Honda - 1,641 Ukawa 1693. Loris Capirossi (I) Honda - 7,672 Biaggi 1644. Tohru Ukawa (J) Honda - 18,120 Barros 1435. Carlos Checa (E) Yamaha - 25,036 Checa 1276. Kenny Roberts (USA) Suzuki - 29,201 Abe 1177. Olivier Jacque (F) Yamaha - 32,902 Capirossi 1028. Norick Abe (J) Yamaha - 33,287 Roberts 849. Nobuatsu Aoki (J) Proton - 35,949 Kato 8010. Jeremy McWilliams (GBR) Proton - 37,355 Jacque 6611. Regis Laconi (F) Aprilia - 49.039 Aoki 5412. Wataru Yoshikawa (J) Yamaha - 49,181 Hopkins 5313. Jurgen vd Goorbergh (NL) Honda - 49,589 Nakano 4514. John Hopkins (USA) Yamaha - 52,071 Harada 4315. Tetsuya Harada (J) Honda - 52,180 Gibernau 42Trainingsbestzeit: Daijiro in 1:49,052 = 158,489 km/hSchnellste Rennrunde: Barros in 1:49.947 = 157,199 km/hSchnitt des Siegers: 156,006 km/h

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