Pazifik-Grand-Prix in Motegi/J (Archivversion) Max der Bruchpilot

Honda-Star Valentino Rossi fehlt nur noch ein achter Platz zum Titelgewinn in der Halbliterklasse. Denn sein Rivale Max Biaggi baute den dritten Sturz im vierten Rennen.

Über fünf Runden fuhr Valentino Rossi an zweiter Stelle hinterher, hatte seinen Erzrivalen aber trotzdem in der Tasche. »Ich habe am Startplatz gesehen, dass Max einen 17-Zoll-Hinterreifen montieren ließ. Im Training hatten wir herausgefunden, dass dieser Reifen frühzeitig nachlässt. Weil ich vom Start weg mit Biaggi mithalten konnte, musste ich mir nicht die geringsten Sorgen machen. Ich wusste, dass ich nur abzuwarten brauchte«, verriet der Beinahe-Weltmeister nach dem achten 500er-Sieg der Saison.Biaggi wusste um seine Nachteile, dennoch verhielt er sich wie ein Spieler am Roulettetisch, der den Einsatz auf Rot mit jeder Runde rücksichtslos verdoppelt. Am Schluss hatte der Römer total verzockt: Sein dritter Sturz im vierten Rennen hintereinander setzte nicht nur der Spannung beim Pazifik-Grand-Prix im japanischen Motegi, sondern auch dem Kampf um die Weltmeisterschaft ein vorzeitiges Ende.Dass es Valentino Rossi bei drei ausstehenden Rennen missglücken könnte, die fehlenden acht Punkte zusammenzukratzen, hält nicht einmal er selbst für möglich. »Ich gratuliere Rossi: Er war gut, intelligent und hat das, was ihm zur Verfügung steht, geschickt genutzt«, nahm der geschlagene Biaggi den Titelgewinn vorweg.Dann setzte er zu einer Generalabrechnung an mit dem, was ihm selbst für den Titelkampf zur Verfügung stand. »Mir ist heute wie schon in Brünn und Estoril schlagartig das Vorderrad weggerutscht. Für mich ist das unerklärlich, auch wenn die Risiken ansteigen, wenn man auf einer Position fährt, an die man nicht hingehört. Doch so bin ich halt: Solange ich eine Chance habe zu kämpfen, kämpfe ich, sonst ist nicht einmal das Podium in Reichweite, wie das Beispiel meiner Yamaha-Markengefährten zeigt«, deklamierte er. »Abe hat 14 Sekunden, Nakano 21, Checa 27 Sekunden verloren, und das sind alles keine Nasenbohrer, sondern Siegfahrer. Die Topmanager des Yamaha Racing Departments haben mich in ein Meeting bestellt, um mir zu sagen, dass ihr Motorrad ein strukturelles Limit hat, über das man mit fahrerischem Einsatz nicht hinauskommt. Sie dachten, man könne den Problemen mit dem Set-up beikommen, doch der Verlust der Weltmeisterschaft hat sie eines Besseren belehrt.« Freilich lag die Schuld für die Niederlagen nicht beim Hersteller allein. Alle drei Rennstürze Max Biaggis passierten im Scheitelpunkt der Kurve, bei maximaler Schräglage und maximaler Vorderradlast. »Max fährt immer noch rund und schräg wie mit einer 250er. Für die ersten zwei, drei Runden ist dieser Stil unschlagbar. Doch dann lassen die Reifen nach, und der ohnehin schon schmale Grenzbereich bei dieser Fahrweise wird noch enger – wenn es rutscht, fängst du es nicht mehr ab. Hast du Biaggi jemals driften sehen?« wusste Beobachter Randy Mamola. Spektakuläre Stürze mit spektakulärem Ausgang für die Weltmeisterschaft waren auch das beherrschende Thema der kleineren Klassen. Kurioserweise bescherte der Unfall von Marco Melandri seinem Aprilia-Markengefährten Tetsuya Harada neue Hoffnung im Titelkampf. Denn während Harada zu einem ungefährdeten Sieg davonstürmte, konnte Daijiro Katoh der havarierten Maschine Melandris nicht mehr ausweichen und setzte selbst zum Abflug an. Schrumpfte Katohs WM-Vorsprung auf 24 Punkte, so kam es bei den 125ern gar zu einem Wechsel an der Tabellenspitze. Weil er wusste, dass in den Schachteln der Honda-Ingenieure »sicher kein Christbaumschmuck« steckte, legte auch Derbi-Konstrukteur Harald Bartol nach und zauberte dank neuer Zylinderköpfe und einer verbesserten Zündung mehr PS in die Werksmaschinen von Youichi Ui und Manuel Poggiali. Ein klarer Doppelsieg war das Ergebnis, und der große Verlierer hieß diesmal Toni Elias, der spektakulär abflog. »Ich habe noch gedacht: Hoffentlich versucht der nicht mit Gewalt, am Hinterrad zu bleiben – und bumm, schon lag er da«, beobachtete Bartol.

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