Perfekt fahren mit MOTORRAD Teil 1: Richtig bremsen (Archivversion) Perfekt fahren mit MOTORRAD

MOTORRAD startet eine Serie »Perfekt Motorrad fahren«. Fahrtips vom richtigen Bremsen über ideales Kurvenfahren bis hin zum Fahren bei Nässe sollen helfen, unfallfrei durch die Saison zu kommen. Den psychologischen Background liefert dazu Professor Bernt Spiegel, Teilnehmern am Perfektionstraining als Senior-Instruktor seit langem bekannt.

Wer bremst, ist feige, lautet ein schlauer Spruch unter Rennfahrern. Eigentlich müßte es heißen: Wer falsch bremst, lebt gefährlich. Natürlich kann jeder Motorradfahrer irgenwie bremsen, schließlich hat er es in der Fahrschule zumindest ansatzweise gelernt. Den Rest hat er sich selbst im Laufe seiner Fahrpraxis beigebracht. Doch beim Selberbeibringen fängt das Problem an. Denn wer sich falsch programmiert hat, wird diese falschen Handlungsabläufe nur ganz schwer wieder los. Der Anthropologe und langjährige Senior-Instruktor bei den MOTORRAD-Perfektionstrainings Professor Spiegel spricht hier von »handlungsgesteuerten Programmen«, die nicht mehr »bewußtseinspflichtig« sind (siehe Kasten).Wie bremst der Motorradfahrer nun richtig? Ganz eindeutig nimmt die vordere Bremse die Hauptarbeit auf sich, weil sich die Achslasten während des Bremsvorgangs nach vorn verlagern; im Extremfall - besonders bei Sportmaschinen mit kurzem Radstand - kann sogar das Hinterrad abheben. Doch wie vorn bremsen? Progressiv, das heißt - von weniger zu mehr - sich langsam an den Punkt herantasten, bei dem die Haftreibung abreißt, das Vorderrad also blockiert. Auf keinen Fall den Hebel plötzlich bis zum Anschlag ziehen und dann wieder nachlassen, da man sonst mit blockierendem Rad auf die Nase fällt. Trotzdem: Ein kurzes Blockieren schadet nicht, besonders bei hoher Geschwindigkeit, wenn die Kreiselkräfte des Vorderrads groß sind. Thema Hinterradbremse: ganz einfach sanft mitbremsen. Bei Motorrädern mit langem Radstand und niedrigem Schwerpunkt, etwa bei Choppern, oder mit Sozius kann die Hinterbremse wesentlich kräftiger betätigt werden. Bei einer Notbremsung das Kupplungziehen nicht vergessen, damit das Stempeln des Hinterrads vermieden wird.Nach der Winterpause tut es besonders not, das erlernte Bremsprogramm aufzufrischen. Also auf freier Strecke immer mal wieder die Bremse anreißen, ruhig bis zur Blockiergrenze, um die Scheu davor zu verlieren. Oder mal das Hinterrad zum Blockieren bringen und ein paar Meter mit stehendem Hinterrad balancieren.

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