Perfekt fahren mit MOTORRAD Teil 10: Fahrwerksabstimmung (Archivversion)

Perfekt fahren mit MOTORRAD

Die Fahrwerksabstimmung beginnt mit der Überprüfung von Funktion und Zustand aller Fahrwerksteile. Die folgenden Punkte beeinflussen die Straßenlage maßgeblich:· Räder: Auf ausreichende Profiltiefe, sorgfältige Auswuchtung und korrekten Luftdruck der Reifen achten. Reifen und Felgen auf Seiten- oder Höhenschlag checken. Die Radlager auf Seitenspiel überprüfen, gegebenenfalls austauschen.· Gabel: Spiel und Leichtgängigkeit des Lenkkopflagers kontrollieren. Gabelölpegel und -viskosität prüfen. Undichte Gabeldichtringe austauschen.· Federbein: Undichte Federbeine (Öl an der Kolbenstange) revidieren lassen oder austauschen. Sämtliche Schwingen und Umlenkungslager auf Höhen- und Seitenspiel prüfen. Verschlissene Lager wechseln.· Kette: Die Kette immer korrekt spannen und ausreichend schmieren. Beim Durchdrehen auf gleichmäßige Spannung und feste Glieder achten.Jeder gewissenhafte Fahrer sollte alle aufgezählten Punkte regelmäßig kontrollieren.Die eigentliche Fahrwerksabstimmung beginnt mit der Federvorspannung. Dieser etwas mißverständliche Begriff bezeichnet die Einstellung der Federbasis an Gabel und Federbein, die das Verhältnis von Positiv- und Negativfederweg bestimmt (siehe Kasten rechts).Es hat sich bewährt, den Negativfederweg am Federbein auf zirka 30 Prozent des Gesamtfederweges einzustellen. Bei der hier als Beispiel gewählten GSX-R 750 stehen dem Hinterrad 133 Millimeter Federweg zur Verfügung. Also: 40 Millimeter Negativfederweg einstellen.Und so wird´s gemacht: Zunächst einen Bezugspunkt oberhalb der Hinterradachse markieren (siehe Abbildung). Dann das Motorrad am Heck bis zur völligen Entlastung des Hinterrads aus der Federung heben. Den Weg zwischen Radachse und Markierung messen. Anschließend auf das Motorrad setzen. Nochmals den Weg zwischen Achse und Markierung messen. Die Differenz zwischen den beiden Messungen entspricht dem nutzbaren Negativ-Federweg. Jetzt am Federbein die Federbasis verstellen, bis die Differenz den berechneten 30 Prozent entspricht. Bleibt der Negativ-Federweg trotz Einstellung zu groß, ist die Feder zu weich. Bleibt er immer zu klein, ist sie zu hart. In solchen Fällen helfen Tauschfedern.An der Gabel wie folgt vorgehen: Zunächst das Vorderrad entlasten, dann den gesamten Federweg abmessen und markieren. Anschließend einen Kabelbinder direkt am Gabeldichtring um eines der Gleitrohre ziehen. Der Positivfederweg ist dann richtig eingestellt, wenn sich der Kabelbinder im Fahrbetrieb bis fast an die Markierung schiebt, ohne daß die Gabel beim scharfen Bremsen auf Block geht. Die Federbasis erhöhen, bis auch bei harten Bremsmanövern zumindest etwas Restfederweg bleibt. Notfalls helfen auch hier andere Gabelfedern oder die Erhöhung des Gabelölstandes.Zu wenig »Vorspannung« läßt das Motorrad tief in der Federung hängen. Das Federbein gerät zu schnell in die Progression, die Gabel zu schnell auf Block. Die Maschine schlingert, reagiert unsensibel und büßt Bodenfreiheit ein. Bei zuviel Vorspannung heben die Reifen bei Straßenunebenheiten zu schnell ab, die Haftunggeht verloren.Die Dämpfung wirkt dem Nachschwingen der Federung entgegen. Fürs Einfedern ist die Druckstufe, fürs Ausfedern die Zugstufe zuständig. Die Druckstufe verlangsamt das Einfedern und verhindert so ein Durchschlagen der Gabel oder ein zu tiefes Einsacken des Hecks bei hohen Belastungen. Die Zugstufe dagegen bremst das Ausschwingen von Gabel und Federbein nach einer Kompression. Die Abbildung unten enthält die grundsätzlichen Einstellungstips.Anhaltspunkte über die gelungenen Dämpfungsabstimmung liefert der Drucktest am stehenden Motorrad: Die Gabel am Lenker ruckartig zusammendrücken. Sie darf nicht bis zum Anschlag eintauchen und nur einmal kurz und leicht nachschwingen. Das Heck ebenfalls mit einem Ruck zusammendrücken. Der Ausfedervorgang muß deutlich langsamer ablaufen. Das Heck darf auf keinen Fall nachschwingen.
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Perfekt fahren mit MOTORRAD Teil 10: Fahrwerksabstimmung (Archivversion) - Die Federbasis

Federbasis, Federrate und Vorspannung - was ist eigentlich was?Vor allem »Vorspannen« ist mißverständlich. Gemeint ist eigentlich das Anheben der Federbasis (mittels Nutmutter, Stufenverstellung oder Hydraulik am Federbein). Die Federrate, also die Härte der Feder, ist bauartbedingt und durch Drahtstärke, Windungszahl und Federdurchmesser festgelegt. Sie läßt sich nur durch Austauschen der Feder verändern. Vorgespannt wird die Feder nur durch das Fahrzeuggewicht.Die Zeichnung veranschaulicht den Zusammenhang am Federbein. Das Verändern der Federbasis beeinflußt lediglich die statische Nullage des Motorrads und damit das Verhältnis von Positiv- und Negativfederweg (Positivfederweg = Einfederweg; Negativfederweg = Ausfederweg).Durch Anheben der Federbasis wächst die Länge des Federbeins. Das Heck wird höher und die Stellung der Umlenkhebel verändert, wodurch der Federweg bis zum Einsetzen der Progression länger wird. Somit kann eine stark »vorgespannte« Feder durchaus komfortabler ansprechen als eine wenig »vorgespannte«.

Perfekt fahren mit MOTORRAD Teil 10: Fahrwerksabstimmung (Archivversion)

Die Zugstufenstellschraube sitzt in der Regel am oberen Gabelende (exotische Gabeln verfügen hier über eine nach Gabelholmen getrennte, gesondert gekennzeichnete Druck- und Zugstufeneinstellung). Die Zugstufendämpfung verhindert das Nachschwingen der Gabel beim Ausfedern. Ist die Zugstufe zu weich, beginnt die Gabel zu springen, die Frontpartie »schwimmt«.Bei zu harter Einstellung bleibt die Gabel nach dem Einfedern »stecken«, das Vorderrad kann Bodenwellen nicht schnell genug folgen, das Motorrad reagiert mit Lenkerschlagen und bockiger Radführung.

Perfekt fahren mit MOTORRAD Teil 10: Fahrwerksabstimmung (Archivversion)

Die Gabelfederbasis wird an der »Vorspannschraube« oben an der Gabel eingestellt. Durch »Vorspannen« wird die Fahrzeugfront angehoben, die Gabel gewinnt größere Reserven bei hohen Belastungen (z. B. harte Bremsmanöver). Das Luftpolster in den Gabelholmen wirkt unter Kompression wie eine progressive Zusatzfeder. Deshalb kann das Anheben des Gabelölniveaus die Federung zusätzlich unterstützen.

Perfekt fahren mit MOTORRAD Teil 10: Fahrwerksabstimmung (Archivversion)

Die Druckstufen-Stellschraube befindet sich unten an der Gabel. Die Druckstufe reguliert die Einfedergeschwindigkeit. Bei zu harter Druckstufe springt das Vorderrad bockig über Unebenheiten, die Gabel reagiert unsensibel. Bei zu weicher Druckstufe taucht die Gabel zu schnell und zu tief ein. Unter Umständen geht sie trotz korrekt eingestellter Federbasis auf Block oder schwingt unkontrolliert nach.

Perfekt fahren mit MOTORRAD Teil 10: Fahrwerksabstimmung (Archivversion)

Die Druckstufenverstellung befindet sich oben am Federbein, und zwar entweder (wie im Bild) an einem »Huckepackbehälter« oder an einem extern angeschlossenen Behälter. Wie an der Gabel bremst sie auch am Federbein die Einfedergeschwindigkeit. Ist die Druckstufe zu hart, springt der Hinterreifen bockig über Wellen, das Fahrzeugheck reagiert unsensibel, der Reifen neigt zum Rutschen. Bei zu weicher Druckstufe sackt das Fahrzeugheck bei harter Belastung zu weit ein, das Motorrad neigt zum Aufsetzen und reagiert ebenfalls unsensibel.

Perfekt fahren mit MOTORRAD Teil 10: Fahrwerksabstimmung (Archivversion)

Die Federbasis läßt sich über eine mehrstufige Rasterung, durch Nutmuttern oder mittels einer Hydraulik verstellen. »Vorspannen« verändert die wirksame Länge des eingebauten Federbeins. Das Fahrzeugheck wird angehoben, die Stellung der Umlenkhebel ändert sich. Das Federbein ist korrekt vorgespannt, wenn bei Belastung durch einen sitzenden Fahrer etwa 30 Prozent des Gesamtfederwegs verbraucht werden.

Perfekt fahren mit MOTORRAD Teil 10: Fahrwerksabstimmung (Archivversion)

Die Verstellung der Zugstufendämpfung sitzt unten am Federbein. Wie an der Gabel bremst sie die Ausfedergeschwindigkeit. Bei zu weicher Zugstufe schwingt das Fahrzeugheck nach und ist ständig unruhig. Bei zu harter Zugstufe dagegen bleibt die Federung stecken, das Heck taucht bei mehreren, hintereinander folgenden Schlägen immer tiefer ein, gerät in die Progression und beginnt zu bocken.

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