Perfekt fahren mit MOTORRAD Teil 3: Kurvenfahren (Archivversion)

Kurven 1

Kurven sind das Salz in der Suppe des Motorradfahrens. Damit der Swing gelingt, hier ein paar Tips mit vertiefenden Betrachtungen von Professor Bernt Spiegel.

Die Ideallinie, was ist das eigentlich, und kann man sie auf öffentlichen Straßen überhaupt gebrauchen? Durchaus, wenn man sich strikt mit der rechten Fahrbahnhälfte begnügt und den Mittelstreifen oder - falls keiner vorhanden - die Fahrbahnmitte niemals überfährt. Grundsätzlich gilt: Ideal verläuft die Kurvenlinie, wenn der Radius möglichst groß ausfällt. Das heißt: in Rechtskurven diese von der Mittellinie anfahren und im Kurvenscheitelpunkt ganz an den rechten Fahrbahnrand gehen. Beim Herausbeschleunigen sich maximal bis zur Straßenmitte raustragen lassen. Ein häufiger Fehler: Die Kurve wird zu früh eingelenkt, wodurch am Kurvenende der Platz knapp und die Gegenfahrbahn benötigt wird. Linkskurven am rechten Fahrbahnrand beginnen und - falls die Kurve einsehbar ist - abwinkeln und sie bis zur Mittellinie ausnutzen. Aber Vorsicht: In Schräglage braucht ein Motorrad so viel Raum wie ein Pkw, der Kopf des Fahrers darf niemals über die Fahrbahnmitte hinausragen. Beim MOTORRAD-Perfektionstraining ist zu beobachten, daß selbst routinierte Fahrer häufig den Fehler machen, in Kurvenkombinationen viel zu häufig hoch- oder runterzuschalten. Leichter fällt es und dient auch dem besseren Fluß, wenn Links-Rechts-Kombinationen in ein und demselben nicht zu niedrigen Gang durchfahren werden. Ebenso auffällig: Vor der Kurve muß bekanntlich runtergeschaltet werden, doch häufig wird kein oder nicht genügend Zwischengas gegeben. Die Folge: Das Hinterrad wird abrupt abgebremst, fängt sogar an zu stempeln. Der Bremsvorgang sollte vor der Kurve beendet sein, denn In-die-Kurve-Hineinbremsen bei großer Schräglage kann zum Wegrutschen vor allem des Vorderrads führen. Wer sich im Kurven überfordert, spürt Verkrampfungen. Deshalb eher etwas langsamer tun und sich immer wieder vornehmen, locker zu werden, die Muskeln zu entspannen, sich nicht am Lenker festzubeißen. Mit mehr Übung kommt die Schnelligkeit von allein.In der nächsten Folge geht es um die richtige Blickführung, 180-Grad-Kehren, sich zuziehende Kurven, Bremsen in Kurven.
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Perfekt fahren mit MOTORRAD Teil 3: Kurvenfahren (Archivversion) - Der Spiegel

Wer schräglagenscheu fährt, lebt gefährlich. Wirklich? Wir alle kennen den wackeren Tourenfahrer, besonnen, mit vieljähriger Praxis, der lieber mit zuviel als zuwenig Reserve fährt und daher extreme Schräglagen vermeidet - und der soll plötzlich gefährdet sein? Nicht unbedingt, nur wenn er Schräglagen scheut. Denn irgendwann kommt auch der vorsichtigste Fahrer in eine Situation, in der er plötzlich eine Kurve viel enger fahren muß, als er es angenommen hatte. Sei es, daß er die Kurve weiter eingeschätzt hatte oder daß er nach innen ausweichen muß. Vielleicht hat er sich auch einfach im Tempo verschätzt und kommt mit zuviel Dampf in die Kurve rein. Jedenfalls ist die Konsequenz immer dieselbe: Er braucht mehr Schräglage. Wenn dieses Mehr aber zu einem Schräglagenwinkel führt, mit dem er nicht vertraut ist, wird es brenzlig. Denn der Mensch ist von Natur nicht auf Schräglagen von mehr als 20 Grad ausgelegt. Diese natürliche Grenze, die uns die Herkunft setzt, erreicht jeder Zweiradfahrer rasch, darüber hinauszugehen bedarf jedoch intensiver Übung. Unser routinierter Tourenfahrer stößt nun an seine individuelle imaginäre Schräglagengrenze, die er - vom Unterbewußtsein gesteuert - nicht mehr steigern kann. Wie auf Schienen rollt das Motorrad auf einem viel zu großen Kurvenradius und mit einer noch lange nicht bedrohlichen Schräglage auf den Entgegenkommenden zu, wo die Fahrt schlimm endet. Es hilft nur eins: Die Schräglagenscheu muß abgebaut werden. Am besten und sichersten geht das durch langsames Steigern auf einer Kreisbahn. Das Vertrautmachen mit größeren Schräglagen kann aber bis zu einem gewissen Grad auch durch häufige Vergegenwärtigung im mentalen Training geschehen - vor allem durch die Vorsatzbildung »Legen! Legen! Legen!«. In den allermeisten Fällen wird dabei die Haftgrenze der Reifen gar nicht erreicht. Moderne Motorräder lassen sich mit den heutigen Reifen bei griffigem Asphalt so weit abwinkeln, bis Fußraste, Hauptständer odet Auspuff aufsetzt. Wird die Haftgrenze dennoch einmal überschritten, dann passiert wenigstens das beste, was unter den gegebenen Umständen passieren kann: Der Fahrer steigt nach innen ab. Diese Form des Sturzes verläuft vergleichsweise harmlos. Es ist nicht sehr weit bis zum Boden und vor allem: Das Motorrad rutscht voraus, der Fahrer geringfügig langsamer hinterher, die Verzögerung dabei ist beträchtlich und entspricht in etwa einer sehr guten Bremsung. Kein Vergleich zum schräglagenscheuen Fahrer, der starr vor Entsetzen auf dem Motorrad sitzenbleibend blitzschnell den Fahrbahnrand überschreitet, wo erst der eigentliche Sturz beginnt, im schlimmsten Fall abrupt vor der Leitplanke endet. Fast immer gilt: Er steigt nach außen ab, das schwere Motorrad fliegt hinterher. Hoffentlich ist dann kein Hindernis im Weg!

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