Perfekt fahren mit MOTORRAD (Archivversion) Bremsen und ausweichen

Die Serie »Perfekt fahren« geht in die zweite Runde. Schwieriger als eine reine Notbremsung (Folge 1) ist das Manöver bremsen und ausweichen. Wer diese Handlungskette drauf halt, lebt sicherer.

Sobald der Motorradfahrer das komplexe Handlungsprogramm optimales Bremsen verinnerlicht hat, das heißt, wenn es bei Bedarf automatisch abläuft, hat sein persönliches Risiko schon stark abgenommen. Leider reicht strammes Bremsen manchmal nicht, um eine Kollision - etwa mit einem vorfahrtnehmenden Auto - zu verhindern. Besonders bei Geschwindigkeiten oberhalb von 100 km/h macht es Sinn, bei auftauchenden Hindernissen erst möglichst viel Geschwindigkeit wegzubremsen, um dann ein Ausweichmanöver zu fahren. Obwohl dieser Handlungsablauf sehr komplex ist und MOTORRAD daher empfiehlt, unbedingt ein Sicherheitstraining zu besuchen, sei`s hier beschrieben. Entscheidend ist, den Vorgang Bremsen und den Vorgang Ausweichen streng voneinander zu trennen. Die Bremsphase läuft ab wie in Folge eins beschrieben: progressives Bremsen bis an den Blockierpunkt mit der Vorderbremse, dazu sanftes Mitbremsen hinten, Kupplung von vornherein ziehen. Beim folgenden Ausweichen ist es immens wichtig, daß die Bremsen gelöst werden, da es nun gilt, rasch Schräglage aufzubauen. Das gelingt am Schnellsten, wenn kräftig am Lenker gezogen wird. Beim Ausweichen nach links etwa muß der Lenker nach rechts verdreht werden. Das hört sich kompliziert an, doch jeder Biker macht das beim Einleiten von Kurven von selbst und unbewußt. Weil wenig Zeit verbleibt, verharrt der Oberkörper des Fahrers in der Senkrechten, während das Motorrad zur kurveninneren Seite hin gedrückt wird. Ein bißchen Fahrphysik an dieser Stelle hilft, den Sinn dieses zweistufigen Manövers zu erhellen. Der Bremsweg aus 50 km/h beträgt bereits bei einer Verzögerung von 8 m/sec², die nur ein Geübter Fahrer schafft, über zwölf Meter und steigt quadratisch mit der Gerschwindigkeit an, beträgt bei 100 km/h also bereits 48 Meter. Dabei ist die Reaktionszeit, bei der das Motorrad ungebremst weitere kostbare Meter auf das Hindernis zustrebt, noch gar nicht miteinberechnet. Ganz klar, so viel Platz ist oft nicht vorhanden, bremsen und dann ungebremst ausweichen bleibt oft die letzte Chance.In der nächsten Folge geht`s um das richtige Kurvenfahren.

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