Pitlane-Reportage: Stadt-Grand Prix Macau Der Stadt-Grand Prix Macau

Der Osten macht das Tempo. Es geht was ab in Macau. PS begleitete den Sachsen Didier Grams bei seinem ersten Leitplanken-GP in der chinesischen Sonderverwaltungszone.

Foto: Archiv

Die Reisegruppe Grams nimmt das erste große Team-Übersee-Abenteuer als sechsköpfige Mannschaft in Angriff. Mutti und Vati Grams sind mit von der Partie. Kann in Macau nie schaden. Vom sächsischen Limbach-Oberfrohna geht es über Berlin nach London, dann Hongkong. Wer im November in Deutschland in den Flieger steigt, später von Hongkong per Schnellboot nach Macau übersetzt, katapultiert sich innerhalb eines Tages in eine komplett andere Welt. Riesentanker, Hochhäuser, Casinos, Gewusel - eine Stadt als Lichterwand, die den Sternenhimmel schrumpfen lässt. "Gänsehaut, einfach nur Gänsehaut", meint Didier. Dabei macht er in diesem Moment nicht nur als Tourist einen großen Sprung. In seiner Rennfahrerkarriere steht jetzt etwas Neues an. 2010 gewann er mit Maximalpunktzahl die "International Road Racing Championship", die auf Straßenkursen wie Hengelo (NL) und Schleiz gastiert. Jetzt sitzt er mit Isle of Man-Legenden wie John McGuinness im selben Boot und düst auf das Ereignis Macau-GP zu.

Überseekisten auspacken, das IDM-Superbike vorbereiten, mit großen Augen die Casinostadt durchwandern. Das normale Programm der ersten Tage. Donnerstag 7:30 steht das erste Training auf dem knapp über sechs Kilometer langen Stadtkurs an, der dann vom sonst chaotischen Alltagsverkehr seine Ruhe hat.

Für Didier Grams kam die Einladung zu diesem weltweit populären Rennen kurzfristig. In Macau können Rennfahrer nicht einfach eine Nennung abgeben. Man benötigt einen Fürsprecher. Bei Didier zog PS-Street Triple-Cup-Sieger Frank Heidger die Fäden im Hintergrund. Viele Jahre war Heidger hier im chinesischen Wahnsinn selbst aktiv, ist bestens bekannt und vernetzt.

Darum gönnt er sich auch den größten Spaß eines altgedienten "Macau-Straßenkämpfers": Einweisung von Novizen bei einer gemeinsamen Fahrt im Mietwagen. Da erklärt man ganz nebenbei die Kratzer an den Betonwänden, wertet den nicht vorhandenen Sturzraum oder wedelt wie ein Star-Dirigent mit der rechten Hand, um die flüssige Linie in der Bergsektion zu verdeutlichen.

Didier schluckt und zeigt sich schwer beeindruckt. "Ich habe ja schon Videos von Macau gesehen, aber in echt ist das alles noch viel brutaler." Zweiter Rat von Heidger: "Locker sein, immer schneller werden und ja nicht stürzen!"

Konzentriert, ernsthaft und clever zieht Didier die Sache durch. 23. im ersten Training, 22. im zweiten Training und schließlich Platz 18. im Rennen. Vergessen wir nicht Rico Penzkofer. Schwerst verletzt nach seinem Sturz beim diesjährigen Straßenrennen in Halle/Saale, biss sich der unverwüstliche Penz bis auf Platz 11. Mit Penzkofer und Grams gleich zwei flotte Sachsen in der wilden Welt des Straßenrennsports - vergesst Vegas!

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