Poensgen, Katja: Reportage (Archivversion) Das Phänomen Katja P.

Schnellster Zopf der Welt« titelte »Bild« zu Beginn der Saison über Katja Poensgens Grand-Prix-Einstieg. Und wenn Kritiker für die GP-Karriere der Quereinsteigerin aus der qualitativ nur mäßigen Superstock-EM keinen Pfifferling gegeben hätten, sorgte der Auftritt der Blondine im Motorradsport-Oberhaus für ein noch nie dagewesenes Medien-Interesse. Denn die gebürtige Allgäuerin weiß über ihre Vorzüge. Als Frau, als Sportlerin und als Frau in einem Männersport. Und sie weiß diese Kombination zu nutzen. Auch wenn das Gespann Vater/Tochter Poensgen heute zugibt, »zu Beginn noch ein bisschen an der PR-Schraube gedreht zu haben«, rollt die mediale Lawine mittlerweile längst selbständig und in ungeahnten Dimensionen. Ob das aktuelle Sportstudio, die Harald-Schmidt-Show oder das Morgenmagazin – an Katja Poensgen wagt sich derzeit kein Programmdirektor vorbei. Erst recht kein Printmedium. »Bild« und »Der Spiegel« widmeten ihr fette Slogans, der Boulevard-Blätterwald sowieso, die italienische Sportbibel Gazetta dello Sport ließ Studio-Fotos schießen, und die spanische Tageszeitung Marca verfasste einen Kommentar. Denn Katja lässt sich glänzend präsentieren – und modellieren. Je nach Bedarf und Zielpublikum. Die Allein-gegen-alle-Powerfrau, das romantische Speedy-Girl oder die Ich-war-mal-eine-Punkerin-Diva. Einfluss auf die Stories hat sie mittlerweile wenig. Dafür einen Manager, der ihre Termine koordiniert und der Menschen kennt, mit denen man im Gespräch bleiben sollte. Beim Laureus-Award, einer Sportler-Ehrung in Monaco, stößt man schon mal mit dem Barden Marius Müller-Westernhagen an oder lässt sich auf ein Pläuschchen mit Tennisstar Martina Hingis ein. Selbst Schumi steht seit dem deutschen Formel-1-GP in Hockenheim in Katjas Telefonbuch – nach einem kollegialen Benefiz-Kick in Mannheim. Doch wenn die Karriere der fixen Heppenheimerin seit ihren beiden WM-Punkten aus Mugello derzeit auch über Plan liegt, ist sie schlau genug, um Realistin zu bleiben. Denn spätestens in der kommenden Saison schlägt der Zopf-Bonus weniger zu Buche. Dabei sein wird nicht mehr alles sein – auch nicht als Frau.

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