Porträt Albert Weber (Archivversion) w.w.weber.de

Weltweit aktiv ist Albert Weber. Feinere Teile wie die Rennmotoren oder neuen Zweizylinder für MuZ produziert der Selfmade-Man aber im Stammwerk Markdorf.

An klaren Tagen ist vom Besprechungszimmer in der obersten Etage des durchgestylten Verwaltungsgebäudes der Albert Weber GmbH der Bodensee zu sehen. In entgegengesetzter Richtung findet der kundige Beobachter oberhalb der Kleinstadt Markdorf auf halber Höhe zum Gehrenberg das Elternhaus des Chefs, ein nicht gerade unscheinbarer Bauernhof.Dies ist wie fast alles in der Albert Weber GmbH - Technologiezentrum für Antriebskomponenten und Industrieprodukte, wie der Betrieb mit vollem Namen heißt - kein Zufall. Es soll die Heimatverbundenheit des 49-jährigen Firmengründers widerspiegeln, ebenso aber Weitblick und Vertrauen in den vielgescholtenen Wirtschaftsstandort Deutschland.»Teile wie unseren neuen Motor MPE 750, der zunächst von MuZ in einem Motorrad verwendet wird, oder auch die Motoren für die MuZ 500er Grand Prix-Maschinen«, erklärt Weber, »können wir in Deutschland am besten und kostengünstigsten herstellen. Die Präzision und Produktivität hier ist bedeutend höher.« Der Chef von 320 Mitarbeitern weiß, wovon er redet, schließlich gehören zu seinem Firmenverbund mit gut 220 Millionen Mark Umsatz pro Jahr auch Betriebe in Ungarn und den USA.Neben der Vielzweckwaffe MPE 750, die außer in einem zukünftigen MuZ-Motorrad auch in Snowmobilen und Jet-Skis namhafter US-Hersteller sowie als Stationärmotor oder in Ultraleichtflugzeugen eingesetzt werden wird - ein Triebwerk läuft derzeit sogar in einem Ford Ka als Versuchsträger -, liegt der Produktionsschwerpunkt der Weber GmbH auf Motorenblöcken für die Automobilindustrie. VW, Audi, Chrysler, Opel sowie die Nutzfahrzeug-Giganten Caterpillar und Mack-Renault beziehen die Herzstücke ihrer Fahrzeuge in wesentlichen Stückzahlen vom Bodensee.Wie kommt nun Albert Weber in Kontakt mit der Motorradbranche und speziell mit MuZ? »Wir produzieren Motorenblöcke, Zylinderköpfe und weitere komplexe kubische Teile«, erläutert der gelernte Werkzeugmacher, »da entstand vor vier Jahren die Idee, auch einen kompletten Motor in Angriff zu nehmen.« Auf der Suche nach Entwicklugspartnern stieß Weber auf die Schweizer Firma Wenco-Swissauto von Urs Wenger, die im Motorrad-Rennsport schon länger bekannt ist.Und als Wenger, der seine V4-Rennmotorenblöcke ebenfalls in Markdorf produzieren lässt, sein 500er-Grand Prix-Priojekt mit MuZ zusammenspannte, war der Kontakt vom Bodensee nach Sachsen geknüpft. Inzwischen ist die Albert Weber GmbH aber längst mehr als nur MuZ-Lieferant und Entwicklungspartner des GP-Teams. Die Rennmaschinen hören auf den Namen MuZ-Weber, der Chef selber sieht »das Rennmotorrad als sehr geeigneten Werbe- und Imageträger für den MPE 750«. Der Technologe vom schwäbischen Meer gibt sich zwar, gemäß dem Gesamtauftritt seiner Firma, ebenso selbstbewusst wie zurückhaltend. Aber es ist kaum zu verbergen, dass Albert Weber im GP-Team der entscheidende Mann im Hintergrund ist.Ohne großes Aufsehen, aber dafür umso gradliniger verlief auch die Firmengeschichte. Weber, bereits mit 15 als Veranstalter von Beat-Konzerten aktiv, machte sich 1969 als 19-jähriger frisch gebackener Werkzeugmacher-Geselle selbständig und belieferte Unternehmen wie MTU und ZF mit industriellen Drehteilen. 1976 übernahm er zusätzlich seinen Ausbildungsbetrieb, die Kyburz KG, und baute diese zu der heutigen Firmengruppe auf. Entscheidende Eckpunkte der Firmengeschichte waren 1980 der Beginn der Produktion von Motorenblöcken, zunächst für die Ersatzteilversorgung des VW Käfers und ab 1988 die exklusive Herstellung von Audi V8-Blöcken. Damit begann die Zusammenarbeit mit der Industrie in großem Stil. Von der Kooperation mit Weber können auch MuZ selbst, derzeit mit Verkaufszahlen am Rande der Bedeutungslosigkeit herumdümpelnd, und das extrem ambitionierte, aber noch nicht richtig erfolgreiche Grand Prix-Team langfristig nur profititeren. Vor allem, wenn sie den Slogan verinnerlichen, der über allen Aktivitäten der Albert Weber GmbH steht: »Qualität setzt sich durch.«

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