Porträt Doug Lampkin (Archivversion) Onkel Dougobert

Weil der Trialsport bei den Lampkins Familiensache ist, fühlte sich auch Doug ins Balance-Metier berufen - und holte 1997 seinen ersten Trial-WM-Titel.

Die Entscheidung fiel im stickigen Dunst der Asphaltmaschine. Nach sieben Monaten mußte mit der Drecksarbeit im Straßenbau Schluß sein. Eigentlich hatte der damals 16jährige Doug Lampkin davor kaum ernsthaft daran gedacht, sein Hobby, den Trialsport, in einen Beruf zu verwandeln. Verwunderlich, denn Papa Martin durfte - kaum ein halbes Jahr vor der Geburt von Klein-Dougie - 1975 den allerersten WM-Titel der Trial-Geschichte ins heimische Silsden nahe Manchester entführen. Babybrei und Windeln des Sprößlings wurden durch die Schecks von Arbeitgeber Bultaco finanziert.In der Tat entwickelte sich Doug ganz im Sinne der Familientradition - neben Martin räumten dessen Brüder Alan und Arthur bei den britischen Trialern beziehungsweise Moto Crossern kräftig ab. Dougs Startschuß traf denn auch gleich ins Schwarze. Erstes Trial, erster Sieg - mit neun Jahren. Für die Karriere des Filius war allerdings Frau Mama zuständig. Papi Lampkin bestritt nach dem Ende seiner aktiven Zeit den Lebensunterhalt inklusive Dougs Hobby zunächst mit einem Pub, später mittels eines gutgehenden Zeitschriftenladens. Die spärliche Freizeit verbrachte er lieber beim Golfen als mit dem Sohnemann zwischen Stock und Stein.Was Herrn Junior jedoch nicht von weiteren Erfolgen, aber auch nicht von besagtem beruflichen Fehltritt abhielt. Und mit der Entscheidung, alles auf eine Karte zu setzen, lag Doug goldrichtig. Bereits in der kommenden Saison, 1993, holte sich der Neu-Profi den Trial-EM-Titel - was auch Daddy wieder auf den Plan rief. Ein Werks-Vertrag mit dem italienischen Hersteller Beta - deren Trialer sinnigerweise von Dougs Couisin John nach England importiert werden - ermöglicht es, daß sich Martin seitdem hauptamtlich um das berufliche Fortkommen seines Sohnes kümmert. Was bei Dougs legendärem Trainingsfleiß zur schweißtreibenden Arbeit ausartet. Viermal pro Woche werden die haarsträubendsten Steilhänge der Wälder rund um Silsden in Trial-Sektionen verwandelt.Doch dem Fleiß folgte der Preis. Nach dem Vize-WM-Titel 1996 trat Doug in diesem Jahr die Nachfolge von Weltmeister Marc Colomer an. Wobei sich das Verhältnis der beiden, unfaßbar für die restliche zweirädrige Vollgasbranche aller Couleur, durchaus freundschaftlich gestaltet. Zu Beginn jeder Saison zieht Lampkin von seinem regnerischen Eiland für einige Wochen zu Konkurrent Colomer ins sonnige Spanien zum gemeinsamen Training. Zudem die Gegend um Barcelona zu dieser Zeit ohnehin auf dem Arbeitsweg liegt. Sage und schreibe 24 Indoor-Trials - beinahe die Hälfte davon in Spanien - hat der 21jährige letzten Winter zusätzlich zu den knapp 30 Freiluft-Trials im Sommer bestritten.Seine Arbeitswut dürfte dem Twen auch künftig allerbeste Karten bescheren. Von der ab 1998 gültigen drastischen Regeländerung im Trialsport, nach der das Motorrad in den Sektionen nicht mehr zum Stillstand kommen darf, kann der Brite nur profitieren. Denn aufgrund der feuchten heimischen Sektionen ist er den flüssigen eher gewohnt als Colomer. Und daß Bewegung besser ist als rumstehen, hat ihm damals auch der Schichtführer beim Straßenbau schon des öfteren gesagt.

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