Porträt Harald Eckl (Archivversion) Grüne Eminenz

Harald Eckl ist nicht nur Chef des Kawasaki Werksteams in der Superbike-WM, sondern auch eine zentrale Figur hinter den Kulissen des deutschen Motorradsports.

In nur einer Saison hat Harald Eckl das offizielle Kawasaki Racing Team zurück an die Spitze der Superbike-WM geführt. Aber der 42jährige Ex-Rennfahrer aus der Oberpfalz engagiert sich weit über die Aufgaben als Chef einer Werks-Mannschaft auf höchstem Niveau hinaus in der deutschen Rennsport-Szene.So hat er auf kleinerer Flamme sein 125er Aprilia-Team, bis 1996 ja Berufsmittelpunkt, weiterleben lassen. Nachwuchsfahrer Steve Jenkner aus Sachsen fährt in seinem zweiten GP-Jahr schon auf einer Werksmaschine und wird vor Ort von Chefmechaniker Stefan Kirsch betreut. Eckl selbst aber bleibt der Chef: »Steve Jenkner ist in die Organisation mit eingebunden und kümmert sich vor Ort um vieles selbst. Ich will einen jungen Fahrer fördern, aber nicht verhäschteln.« Grundsätzliche Dinge wie Maschinenwahl, Reifen- und Personalfragen entscheidet letztlich der Chef selbst.Darüber hinaus gibt es das Kawasaki Junior-Team. Der 17jährige Stefan Nebel, ADAC-Junior Cup-Sieger 1997, startet unter Teamchef Peter Rubatto auf einer Werks-ZX-6R im Supersport-Weltcup. »Die Anbindung von Stefan Nebel ist noch enger als bei Jenkner, weil ich bei den Rennen in jedem Fall dabei bin«, so der Multimanager, »auch dort bin ich in grundsätzliche Entscheidungen eingebunden, während Peter Rubatto das operative Geschäft besorgt.«Stefan Nebel sieht Eckl als Pilotprojekt, einen deutschen Superbike-WM-Fahrer aufzubauen. Wenn alles klar geht, soll 1999 gar ein zweiter Fahrer ins Team kommen. Das könnte der Anfang der vielbeschworenen deutschen Nationalmannschaft werden. »Oberhalb des ADAC-Junior Cups ist die Nachwuchs-Föderung noch verbesserungswürdig«, so Eckl, »da müssen wir vor allem fähige Leute finden, die auf der Management-Seite bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Peter Öttl wäre für eine solche Aufgabe aufgrund seiner Erfahrung und seiner Analysefähigkeiten sehr geeignet.« Mit dem in Sachen Nachwuchs oft angegriffenen ADAC sieht Eckl durchaus Möglichkeiten der fruchtbaren Zusammenarbeit. »Ich weiß, daß ADAC-Sportpräsident Tomczyk der Sache nicht abgeneigt ist.« Vielleicht also wird für die Saison 1999 die deutsche Motorrad-Rennsport-Nationalmannschaft vom »Bundestrainer«-Gespann Eckl/Öttl aufgestellt.Auch am Unterbau des deutschen Rennsports ist Harald Eckl nicht unbeteiligt. So hat er zusammen mit ADAC-Manager Erich Messner den ADAC-Junior-Cup initiiert.Bleibt nur noch die Frage, wie Eckl dies alles in einem 24-Stunden-Tag unterbringt. »Die Führung des Kawasaki Superbike-Team ist ein Fulltime-Job, der mich hundertprozentig be- und auslastet«, erläutert Eckl sein Zeitmanagement, »mit den beiden Nachwuchsteams und den generellen Überlegungen beschäftige ich mich abends und am Wochenende, was man halt so Freizeit nennt.« Doch nicht nur Superbiker und Nachwuchs profitieren von Harald Eckl, sondern auch die deutschen Top-GP-Fahrer. »Aber das darf man nicht überbewerten«, schränkt Eckl ein, »Jürgen Fuchs ist inzwischen ein guter Freund von mir geworden. Und da hilft man sich eben gegenseitig.«Und der Marlboro-Deal, der Ralf Waldmann - spät, aber nicht zu spät - erst in die Lage versetzt hat, seine Karriere beim Modenas 500-Team von Kenny Roberts überhaupt fortzusetzen? »Ja, da war ich beteiligt, aber mehr möchte ich nicht sagen«, hält sich die grüne Eminenz des deutschen Rennsports dezent zurück.

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