Porträt Kurt Stückle (Archivversion) Meisterstückle

Tunen oder lassen? Beides muss man können, meint der Kurt.

Hawoischdomusmrhaltdonolangewennsnetdaugt.« Was hat er gesagt? Was hat er gemeint? Wovon hat er geredet? Gibt´s bei dem noch Punkt und Komma?Der Allgäuer an und für sich ist schon schwer zu verstehen. Und ein großer Redner war der Kurt Stückle eh noch nie. Aber ein genialer Künstler, wenn’s darum geht, aus einen Motor mehr Leistung herauszukitzeln. Zweitaktend, viertaktend, ein, zwei, drei oder vier Zylinder – das ist dem Kurt egal. Der macht schnell, was ihm in die Werkstatt gestellt wird.Kurt Stückle, die schweigsame Größe im Fahrerlager. Hager, fast mager, aber muskulös. Besondere Kennzeichen nach durchschraubten Nächten: dunkle Ringen unter den Augen und tiefschwarze Fingernägel.Ein gelernter Landmaschinenmechaniker, der Anfang der 80er Jahre bei Reinhold Kraft, damals Honda- und Bimota-Importeur, in Lohn und Brot stand. Und für Ernst Gschwender die Suzuki für den Gewinn der Deutschen Superbike-Meisterschaft 1987 und 1988 präparierte – eines seiner wichtigen »Meisterstückle«. Bei einem Honda-Händler angestellt, aber freigestellt für den Suzuki-Importeur – geht das? Reinhold Kraft sagte damals: »Muss wohl, sonst könnte ich den Kurt nicht bei mir in der Firma halten.«Ende der 80er Jahre hatte Ernst Gschwender ein Getriebe-Problem beim Training zum Superbike-WM-Lauf in Hockenheim. Zahnrad defekt. Ersatz gab’s nicht mal beim benachbarten Team von Rob Muzzy mit Weltmeister Scott Russell, wohl aber im heimischen Leutkirch. Nachts um zwei war der Motor zerlegt, woraufhin Kurt Stückle seinen penibel gepflegten Ford Capri 2.8 RS subito ins Allgäuische trieb. Vier Stunden später stand er wieder in der Box. Und um sieben Uhr in der Frühe war Gschwenders Kawasaki wieder fit. Auf die Frage, wie und warum, kam Kurts Standardantwort: »Hawoischdomuschhalt...«Mit Jochen Schmid betreute er den nächsten deutschen Superbike-Meister. Die beiden hatten sich 1994 getroffen und sofort blind verstanden. Wenn Schmid während des Trainings in die Box kam, genügten ein paar Sätze. Aber da war in der Regel ohnehin bereits alles vorbereitet. »Woisch ...« Warum es mit den beiden so hervorragend klappte: Als Schwabe spricht Schmid ein dem Allgäuischen irgendwie verwandtes Idiom. Kurt Stückle und die Frauen. Nie. Ach ja, doch. Bei der Rückfahrt von Superbike-Tests in Südfrankreich sah man ihn 1994 Hand-in-Hand mit der Helferin eines anderen Superbike-Teams an einer Autobahn-Raststätte. Das war die Doris, die heißt heute Stückle und ist seitdem immer auf den Rennen dabei. Dort sieht man ihn immer häufiger den Kopf schütteln. Über das, was um ihn herum so vorgeht. »Ha woisch, die jonge Kerle solltet erscht sich oms Gschäft kümmere, bevor se saubere Kleider anziehen ond im Fahrerlager flaniere.«Seit Dezember kümmert er sich um sein eigenes Geschäft in Aichstetten. Zwei- und Viertakter aller Art, Hauptsache Rennmotoren.Dass er 2000 für das Docshop-Team in der Internationalen Deutschen Meisterschaft tunte, hinderte ihn nicht daran, auf einmal auch beim Kawasaki-Team von Harald Eckl in der Superbike-WM aufzutauchen. Und prompt landete Akira Yanagawa in Oschersleben auf einem Podestplatz. »Wenn’s einen deutschen Tuner gibt, der in die Superbike-WM muss, dann ist das der Kurt Stückle«, meint Herbert Schaumburg, einst auch einer der ganz Großen in der Tuning-Kaste. »Kurt, hasch du des g´richtet?« fragte ihn ein Freund nach Yanagawas Teufelsritt. »Hawoischdoihanhalt...«In der hochdeutschen Übersetzung heißt das ganz einfach: »Weißt du, man muss einfach nur da oder da hinfassen, wenn etwas nicht funktioniert!«Das ist, wenn man so will, sein Filter zur Außenwelt im Fahrerlager. Die, die ihn verstehen, bekommen Hilfe. Die anderen müssen leider draußen bleiben. Oder einen Sprachkurs belegen.Sein Spitzname: Herbertle. Wer ihn so nennt, muss schon ein guter Freund sein. Sonst gibt’s Zoff. Denn Herbertle heißt im Stückleschen Kauderwelsch einer, der sich aufbläst, viel redet und nichts weiß. Also genau so ist, wie der Kurt nicht.

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