Porträt Manfred ´Woll (Archivversion) Ich bin Wassermann

Oldtimer-Freak, TÜV-Mann, MZ-Sammler und Technik-Papst im Veteranen-Fahrzeug-Verband. Manfred Woll hat keine Zeit für übliche Freizeitbeschäftigungen. Und im Urlaub muß er für sein MZ-Buch recherchieren.

Die Motorrad-Szene kennt den Mann: Anfang der 80er Jahre nämlich machte sich Manfred Woll als TÜV-Angestellter bei vielen Bikern und Grau-Importeuren nachhaltig beliebt, weil er über 100 PS starke Big Bikes prüfte - und obendrein für gut befand. Was dann allerdings die Architekten des 100 PS-Abkommens inklusive sämtlicher TÜV-Oberen deutlich verärgerte. Noch bekannter ist der Pfälzer freilich in der Veteranenszene, wo er als ebenso gestrenger wie kundiger Wächter des Originalzustands von Oldtimern gilt und über die Fahrzeugpässe der Nachkriegsmotorräder im Veteranen-Fahrzeug-Verband waltet. Wie wird jemand so was? So ein technisches Gewissen? »Eigentlich hat alles mit Liliput angefangen«, schmunzelt Woll, der heute als Diplomingenieur die TÜV-Stelle Landau leitet. Liliput? »Das war eine Zeitschrift für Kinder, und die hatte eine Serie mit Namen Kleine Autolehre.« Ach so. Dennoch bleibt im Dunkel, woher das Interesse von Jung-Manfred für Technik überhaupt rührte. Entstammt er doch einer technisch ganz und gar unbeleckten pfälzischen Beamtenfamilie. »Mein Vater stand dem Ordnungsamt in Pirmasens vor. Außer einer Kneifzange, einem Hammer und einem Schraubendreher mit Holzgriff hatte der kein einziges Werkzeug im Haus«, erinnert sich der heute 50jährige. Doch der etwas aus der Art geschlagene Manfred blieb sich treu, sammelte schon als Gymnasiast alle ihm zugänglichen Schriften über Technik. Und an der Akribie, mit der er dies tat, hatte sicher auch der Vater helle Freude. Ein ebenfalls ordnugsliebender Onkel, der aus seinem Speicher gleich mehrere Jahresbände »auto, motor & sport« verbannte, fachte den Sammeltrieb noch weiter an. Und verschaffte Woll ein ganz eigenes Verhältnis zu Altpapier.Zwar gestählt durch seinen fundierten theoretischen Überbau, traf Woll der erste Kontakt mit echten, heißen Motorrädern dennoch wie ein Blitz. An einem langweiligen Wochenende im Sommer 1963 war es, da tönte das Radio: »Großer Preis der Saar für Motorräder in St. Wendel.« Vater und Sohn nichts wie hin. Zum Greifen nah kurvten die Weltmeister Jim Redman oder Hans-Georg Anscheidt an ihnen vorbei - Woll Junior konnte sein Glück kaum fassen. »Ich stand in irgendeinem Vorgarten und hab’ den Redman aus anderthalb Metern Entfernung fotografiert.« Noch heute blitzt es in den Augen des lebhaften Pfälzers, wenn er an den Funken zurückdenkt, der damals übersprang. Motorräder, Rennen - das bestimmte fortan das Leben des mittlerweile zum Studenten des Maschinenbaus gereiften Woll. »Ich liebe kleinvolumige Zweitakter, kleine schöne Motorräder«, sagt er und denkt an die erste dieser Liebeleien. Eine 50er Maico, nichts besonderers, aber gut genug für erste Rennerfahrungen. »1969 in Hockenheim bin ich gleich ausgefallen. Total am Boden zerstört war ich.« Eine schwierige Beziehung? So auch wieder nicht. »Ich hatte ja weder Geld für solides Tuning noch eine anständige Werkstatt.« Das Leid eines Perfektionisten. Dennoch trieb ihn sein Ehrgeiz 1975 zur Juniorenpokal-Vizemeisterschaft auf einer wassergekühlten 125er Maico. »Besonders Bergrennen hab ich oft gewonnen. Ich hab so viel trainiert, wie`s ging.« Immer auf irgendeiner Straßenmaschine, erst Horex später Zündapp. »Hauptsache fahren, fahren, üben«. Das Rennfieber hat Woll noch längst nicht losgelassen, immer wieder droht eine neue Infektion, wenn er die Bilder aus alten Tagen betrachtet. Wohlgeordnet in Fotoalben, stets griffbereit, um wieder lebendig zu werden. Liebevoll hat Woll jedes Rennen, jedes Bild kommentiert; Rundenzeiten, Ergebnisse. Sauber. Alles. Im Archiv des Pfälzers wirken nicht einmal die vielen Bücher und Zeitschriften abgestellt. Sie bewahren etwas, auch Jugend: »Das rote Auto«, das ihm erste Kontakte zum Rennfahren vermittelte, konnte er in einem Antiquariat aufstöbern. Auch Liliput findet sich heute komplett im mehrere Wände füllenden Privatarchiv des technischen Sammlers und Jägers wieder. Das Untergeschoß des Woll’schen Einfamilienhauses wurde zum Himmelreich: In sauber beschrifteten Bänden reihen sich dort »Motociclismo« ab 1945 komplett, »Das Motorrad« ab 1927 komplett, »Motor Cycle« nach 1945 fast komplett, eine Unzahl von Büchern, die sich mit Motorrädern beschäftigen. Alle Werke erfreuen sich lebhaftester Nutzung, seit Manfred Woll 1981 den Veteranen-Grand Prix in Hockenheim besuchte. »Überwältigend. Rudge, Bianchi, alles fand ich dort, was mich als Heranwachsenden begeistert hat.« Ein willkommener Anlaß, seinem sytematischen Wissensdrang zu frönen, auf seine Weise mit diesen Motorrädern umzugehen.Einem Zufall hingegegen ist zu verdanken, daß sein Augenmerk auch auf MZ fiel. »Rennfahrerkollegen verkloppten ihre alten ausgedienten Rennteile damals in die DDR an die dortigen Rennfahrer.« Im Tausch konnte man billig MZ-Teile bekommen, die wollte niemand haben. Woll witterte die Chance, eine Sammlung von MZ-Rennmaschinen aufzubauen. Das Ergebnis ist heute ebenfalls im Keller zu bewundern: sieben Ex-Werksmaschinen, drei Exemplare der MZ RE 125 und vier RE 250. Alle picobello restauriert und fahrfähig. Woll wäre aber nicht Woll, wenn er es dabei beließe. Zu den MZ-Rennern gehört ein Buch über MZ-Renner. Und weil es noch keines gibt, schreibt er es eben selber. »MZ, das war doch eine weiße Landkarte«. Also hat Woll gesammelt. Alles über MZ. Und arbeitet seit nunmehr acht Jahren an jenem Thema, das nur er bewältigen kann: die Renngeschichte von MZ nach dem zweiten Weltkrieg. Unzählige Reisen nach Sachsen zum inzwischen verstorbenen Rennleiter Walter Kaden, Recherchen in Paris, Aufkauf von Fotomaterial und so weiter. Wann das Buch fertig ist? »Das ist eine Lebensaufgabe. Da weiß man nie.“

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