Porträt Walter Helml, Ducati-Werkskoch (Archivversion)

»Er ist unser wichtigster Mann”, witzelt Silvia Frangipane von der Ducati-Pressestelle. »Wenn er einen schlechten Tag hat, überträgt sich das auf alle Angestellten.” Walter Helml, 31, in der Ducati-Küche Herr über zahlreiche Öfen und Töpfe sowie acht Mitköche und Küchenhilfen, ist sich seiner Verantwortung bewußt. Der gebürtige Österreicher, den es der Liebe wegen vor zehn Jahren nach Norditalien verschlug, verköstigt täglich 570 Leute. »Wir kochen im traditionellen Bologneser Stil”, erzählt Helml. Daran tut er gut, denn beim Essen vertragen die Italiener keine Experimente, schon gar nicht in Bologna: Schließlich gilt die hiesige Küche dank Tortellini, Lasagne, Mortadella und Parmesan als die beste Italiens und brachte der Stadt den Beinamen »la grassa«, die Fette, ein.Auf Spezialitäten aus seiner Heimat verzichtet der 31jährige Helml daher lieber und setzt den Ducati-Angestellten gewohnte Kost vor: Zuerst das primo, Nudeln, Reis oder Suppe; dann das secondo, das Hauptgericht; und schließlich das Dessert. Beispiel gefällig? Am MOTORRAD-Besuchstag gab es als primo Risotto alla Trevigiana, Pasta mit Tomatensoße, Pasta oder Reis mit Butter, als secondo gebratenes Hühnchen, Rinderschmorbraten, Rinderbraten vom Rost, Hamburger, gegrillte Kalbslende, Gemüseteller oder Salami und Käse, dazu wahlweise Pommes, Salat oder gratinierten Mangold, und zum Nachtisch noch Birnen. Alles frisch zubereitet. Hinuntergespült wird das Ganze mit einem trockenen Lambrusco oder Albana, danach nimmt der Ducati-Werker an der gut ausgestatteten Bar noch einen Espresso und einen Digestivo ein. Helml kocht seit Ostern 1996 bei Ducati, und das Fieber hat ihn inzwischen voll erwischt: »Ich habe gerade eine 600er Monster bestellt”, erzählt der sympathische Salzburger mit glänzenden Augen. »Den ganzen Tag sieht und hört man die Zweizylinder, und die Leute reden dauernd darüber, da packt’s einen einfach!” Liefertermin ist im April, und ab dann wird der Koch der Firma standesgemäß an seinem Arbeitsplatz vorfahren. Dabei hatte er zwischenzeitlich schon Bedenken, ob ihm sein Platz in der Ducati-Küche noch lange erhalten bleiben könne. Doch seit die Amerikaner an Bord sind, läuft die Produktion auf vollen Touren, und Helmls Töpfe brodeln wieder ordentlich. Hat sich die Anwesenheit der Amis auch in der Küche niedergeschlagen? »Nein, von denen merke ich wenig.« Und die Hamburger auf seinem Speisezettel? »Die gab es bei mir auch schon vorher”, sagt Helml lachend. «Hamburger sind inzwischen schließlich so international wie Pizza und Pasta.”

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