Porträt Z1-Achim: Er lebt Kawasaki 900 Z1 Liebhaber von Kawasakis erster Vierzylinder - Die Z1

Weil Kawasakis erster Vierer so populär ist, kann man viele Teile und die meisten sogar in guter Qualität als Nachfertigung erwerben. Man kann es aber auch lassen.

Foto: Fred Siemer

Achim liebt die schönste aller Kawas seit 33 Jahren, und kürzlich hat er eine Z1, Baujahr 1973, wie neu restauriert. Na und, fragen nun alle. Na und, dachte auch Achim, wenn er ähnliche Storys hörte. Achim kennt sich nämlich aus, der weiß genau, was man bei wem machen lassen kann, wer Gebrauchtes und wer welche Replika-Teile verkauft. Ist doch so: Je begehrter ein Motorrad, desto besser die Infrastruktur drumherum - eine Z1 wieder glänzen zu lassen ist einfacher als eine Z 440 fahrfertig zu halten. Beinahe jedenfalls.

Nein, Achim geht es ums Motorrad als Kulturgut. So wie Restauratoren Kirchengemälde nicht einfach überstreichen, so bemüht er sich um die Originaltreue der Z. Weil sonst irgendwann niemand mehr weiß, wie sie wirklich war. Kunststoffbeschichteter Rahmen geht also nicht, sülzen jetzt die Pseudo-Experten. Von wegen: Achim ist der Freak schlechthin, selbstverständliches Zeug wie Kunststoffbeschichtungs-Verzicht übertrumpft er mit Radnabenkranz-Gewindestopfen. Wer dann noch zuckt, kriegt ein Key Holder Rubber obendrauf. Ja, Leute, in dieser Liga wird hier gespielt.

Fast alle Z1 tragen doppelte Scheibe. Sah auch blöd aus mit der leeren Zangenaufnahme am rechten Gabelholm. Kawasaki hatte sogar schon die Gewinde zur Bremsscheiben-Verschraubung in die Radnabe geschnitten und, damit die bis zur Nachrüstung nicht vergammelten, kleine Plastikstopfen reingesteckt. Wer heute eine Z1 originalgetreu restauriert, der demontiert zweite Bremszange sowie Scheibe und hat dann ungeschützte Gewinde. Egal, winken Pragmatiker ab, die braucht er eh nie wieder. Eben nicht egal, kontert der Freak, weil Nichtsahnende angesichts ungeschützter Gewinde meinen könnten, Kawa habe schädliche Witterungseinflüsse nicht berücksichtigt. Um solch lästerliche Gedanken zu unterbinden, hat Achim sich aus Latexmilch Negativformen gebaut und gießt mit Kunstharz nach, was es sonst nirgends gibt. Nun kann er Radnabenstopfen versenken, die man zwar kaum sieht, die ihm aber zu seinem Bike ein besseres Gefühl geben.

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Foto: Siemer

Genau wie der Key Holder Rubber. Auf Deutsch: Schlüsselhaltergummi. Den hatten die allerersten Z1, und zwar aus folgendem Grund: Die Hauptzielgruppe waren Amis mit höherem Einkommen und Garage. Dort lassen unsere US-Freunde gern den Schlüssel einfach stecken, weil sie ja das Tor abschließen. Das wiederum bekommt den Federn des Zündschlosses schlecht, weshalb die rührend aufmerksamen Japaner diesen Widerspruch mit einem Stück Gummi überwinden wollten. Ihr Key Holder ruht in einem Ovalloch oberhalb des Zündschlosses und hat einen Schlitz. Darein kann der faule Amerikaner seinen Schlüssel stecken.

Was das mit Restauration zu tun hat? Alles! Bekanntlich sprödet Gummi unter dem Einfluss von Licht und Witterung aus, und irgendwann wirft jede Z1 ihren krümelig gewordenen Key Holder einfach fort. Oder er wird beim Putzen abgerissen und kugelt in den Gully. Dann hat die Kawa ein Loch in ihrer Zündschlosskonsole. Ein ewiges, denn den Key Holder Rubber gibt es nicht mehr. Aber es kommt noch schlimmer: Nämliche Konsole beherbergt auch vier Kontrollleuchten. Die sind beschriftet, und alle Replika-Teile verwenden die falsche Schrift. Eine Herausforderung für echte Freaks - Achim bastelt sich Konsolen-Cover und Rubber selbst. Wenn andere Restauratoren den linken Seitendeckel einer frühen Z1 abnehmen, wird mit viel Glück der rare Vorratsbehälter der automatischen Kettenschmierung sichtbar. Dessen Aufkleber mit den üblichen Warnhinweisen wurde natürlich - wie bei Achims Maschine - vom übergelaufenen Öl längst weggeschwemmt,. Der Text ist ein Witz, Achim kann ihn auswendig. Trotzdem reproduziert er den Aufkleber. Und alle anderen auch. Sogar jenen, der berichtet, die Kette würde während der Garantiezeit nur ersetzt, wenn ein autorisierter Händler den Wechsel vollzogen habe. Die Garantiezeit ist vor 38 Jahren abgelaufen.

Kabelbäume macht er selbst Am liebsten verwendet er dabei diesen hellbraunen Stecker, den nur Kawasaki verbaut hat, den es nirgends mehr gibt, dessen Kontaktstifte auch nicht ewig halten, die man dann ausbauen, aufbördeln, neu verzinnen und dann wieder in den Stecker pfriemeln muss und sich am Ende freut, dass man nicht in den Elektromarkt gefahren ist und einfach in drei Minuten was Anderes gekauft hat. Hallo? Mal langsam: Achim weiß selber, dass er verrückt ist. Aber er ist es mit viel Spaß und Würde. Sein Ziel war, dieses bewunderte Motorrad völlig zu durchdringen, und er staunt, dass er damit nie fertig wird.

Immerhin weiß er mittlerweile, wie man die unterschiedliche Lackstruktur von Gehäuse und Zylinder plus Kopf erzielt. Hier einen Lackfluss erzeugen, dort mehrmals übersprühen. Er kann Ventilführungen absolut fluchtend einbauen. Kopf erwärmen, Führung mit Stickstoff kühlen, dann einstecken. Er hat Zifferblätter hergestellt, restauriert Schalter und Instrumente im Schlaf, kann sämtliche Schlüssel mit sämtlichen originalfarbigen Köpfen nachbauen und den Plastikgriff des Chokehebels und die Alu-Zierblende auf dem Bremszylinder. Achim macht das nicht nur für sich, sondern auch für die Z. Deshalb heißt er überall Z1-Achim und deshalb gibt er sein Wissen gerne weiter.

Aber man muss mit ihm nicht über die Z reden. Man kann auch übers Wetter plaudern. Vorher steht er noch mal auf, holt den Schlüssel aus dem Key Holder und lässt den Vierer kurz knurren. Den hat er von Grund auf selber aufgebaut. War klar, oder?

Kontakt
Achims Z-Erfahrungen sind auf dem von ihm und seiner Lebensgefährtin gegründeten Forum für Kawasakis klassische Z-Modelle dokumentiert: www.kawasaki-z-klassiker.de

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