Portrait Aaron Slight (Archivversion)

Figaro, Figaro

liegt bereits vor

Eine Bande von wilden Reitern mit höchst spektakulären Fahrstilen garantiert eine Show, wie sie sonst im Motorradrennsport nur selten geboten wird. Kein Zweifel, die Superbike-WM ist bunter geworden. Im Wortsinne stellte dies 1996 der neue Vizeweltmeister Aaron Slight aus Neuseeland dar.Zum Saisonauftakt im italienischen Misano erntete der 30jährige Honda-Werksfahrer großes Erstaunen wegen seines über den Winter erblondeten Haarschopfs, das schon ein Rennen später mit stahlblauem Kopfschmuck in Donington Park und dann mit den kahlrasierten Schläfen von Hockenheim noch übertroffen wurde. Die Idee war klar: zu jedem Rennen eine neue Frisur.Wer jetzt in Aaron Slight einen Nachahmer des US-Basketball-Exzentrikers Denis Rodman vermutet, der seine Auftritte unter dem Korb noch zusätzlich mit exotischen Ohrringen garniert, wird enttäuscht. »Nein, nein, es fing viel harmloser an. Eine Freundin meiner Frau hat mich vor der Saison zu den blonden Haaren überredet«, erinnert sich Slight an die Anfänge der haarigen Pracht. »Als die Leute im Fahrerlager von Misano so stark darauf reagiert haben, kam mir die Idee, zu jedem Rennen etwas Neues zu machen.«Die blaue Donington-Frisur entstand in London, wieder mehr oder weniger zufällig. »Ich ging zu einem Friseur in der Innenstadt und fragte, was er denn für Farben hat. Er entschied sich für blau.« Doch die coole Couleur machte Frisuren-Model Slight noch längst nicht zum kühlen Typen: Ein akrobatischer 200 km/h-Ausflug in die Wiese und die vergebliche Suche nach den richtigen Reifenmischungen erhitzten ihn doch sehr.Dennoch wurde die haarige Idee weiter verfeinert: »Ich beschloß, immer erst im jeweiligen Land des Rennens zum Friseur zu gehen, um der Sache eine internationale Note zu geben.« Ausgerechnet in Hockenheim kam die erste Enttäuschung. »Die deutschen Friseure sind wohl nicht gerade Extremisten«, grinst Slight über die nordbadische Coiffeuse, »ich wollte wieder irgendeine schräge Farbe, aber sie hatte nichts. Da habe ich in meiner Not gesagt, sie soll die Schläfen rasieren.«Weniger improvisiert waren die Rennen. Der spektakuläre Sieg nach Kollision mit Pierfrancesco Chili in der letzten Runde im Motodrom und Platz zwei hinter Teamkollege Carl Fogarty war das beste Einzelergebnis der Saison.Nach den grünen Haaren von Monza, die der italienische Harrstylist erst nach heftigem verbalem Widerstand zubereitete, kam es, zum haarigen Saisonhöhepunkt in Brünn. »Ich war wieder bei dem Friseur in London, der mir ein ähnliches Styling wie für Donington verpaßte«, so Slight, »aber kaum war ich in Brünn, erklärte mein alter Freund Rob Phillis, daß es so nicht ginge.« Der alte Herr des australischen Rennsports griff selbst zum Rasierer und creierte ein Zielflaggenmuster auf Slights Schläfen, dazu einen Blitz am Hinterkopf und millimeterkurze Kotteletten. Mit dieser wilden Frisur konnte er trotz des Doppelsieges seines Widersachers Troy Corser die WM-Tabellenführung halten.In Brands Hatch begann dann die Zeit der Irokesen-Schnitte. Zunächst wurde der onyx-farbene Laguna Seca-Schopf an den Seiten umgearbeitet, die nur mäßig erfolgreiche Indonesien- und Japan-Tour wurde von blauen und purpurfarbenen Kämmen begleitet. »Für Assen wollte ich dann eine Feuerball.« So leitete Slight sichtbar aggresiv die Entscheidungsphase der WM ein. Knallrote und gelbe Strähnen sollten seine Gegner schon im Vorfeld blenden. Auch zum letzten Europa-Gastspiel der Superbike-WM in Albacete setzte Aaron Slight auf Angriff. Der Irokesenkamm blitzte in den Farben einer Löwenmähne, konnte aber nicht die spanische Spätsommergrippe verhindern, die zum Verlust der Tabellenspitze führte.Zum Finale in Phillip Island kam Aaron Slight völlig ohne Haare. Die Verblüffung der Gegner war aber nicht groß genug. Troy Corser fuhr seinen ersten Superbike-WM-Titel nach Hause, Slight wurde Vize und hatte Nachahmer gefunden. Oben auf dem Siegerpodest stand der junge Anthony Gobert mit knallroter Mähne.
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Aaron Slight (Archivversion)

Aaron Slight, 30 Jahre alt, Hobbies: Frisuren, Moto CrossAutogrammadresse: c/o Honda Racing Corporation, Wijngardeveld 1, B-9300 Aalst1978 erste Moto Cross-Rennen1985 - 1987 Dreimal Neuseeländischer Meister Serienmaschinen 250 cm³ auf Yamaha1988 42. der Superbike-WM auf Kawasaki1989 14. der Superbike-WM auf Kawasaki1990 19. der Superbike-WM auf Kawasaki1991 Australischer Superbike-Meister, Pan Pacific-Superbike-Meister und 13. der Superbike-WM auf Kawasaki1992 Sechster der Superbike-WM auf Kawasaki1993 Dritter der Superbike-WM auf Kawasaki1994 Dritter der Superbike-WM und Sieger der Acht Stunden Suzuka auf Honda1995 Dritter der Superbike-WM auf Honda1996 Zweiter der Superbike-WM auf Honda

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