Portrait Klaus Nöhles (Archivversion) Feuervogel

Mit feuerrotem Haarschopf auf dem Weg zum deutschen Grand Prix-Überflieger? Der 23-jährige Klaus Nöhles vom Niederrhein.

Im formidablen Hotel Granollers, ganz in der Nähe des Circuito Catalunya bei Barcelona, brannte im Herbst 1996 die Luft. Gerade mal dem ADAC-Junior-Cup entwachsene, höchst nervöse Jung-Rennfahrer konnten den Beginn des Ausscheidungslehrgangs um die begehrten Plätze im Hein Gericke-Junior-Team für die 125er DM kaum erwarten. Nur einer blieb cool. »Ich bin ja nur 19. im ADAC-Junior-Cup und war sehr überrascht, dass ich eingeladen wurde«, stellte sich der damals 19-jährige Klaus Nöhles ebenso bescheiden wie fröhlich vor. Kein Wort davon, dass mit seiner Suzuki RG 125 gegenüber den im Junior-Cup dominierenden Aprilia echte Heldentaten nötig waren, um überhaupt ein paar Pünktchen zu ergattern.So genoss der Junge vom Niederrhein, immer mit einem fröhlichen Lächeln im Gesicht, völlig ohne Erwartungen die fünf Tage auf der Kenny Roberts Ranch und der spanischen Grand Prix-Strecke. Und als er am Ende nach Hause flog mit einem Vertrag für die 125er DM 1997 im HG-Junior-Team unter Stefan Kurfiss in der Tasche, war da wieder diese Mischung in seinem Blick aus Überraschung, Fröhlichkeit und dennoch ehrgeiziger Entschlossenheit.Der Motorrad-Mechaniker-Azubi, im früheren Leben erfolgreicher BMX-Fahrrad-Artist, war plötzlich und unerwartet zum richtigen Rennfahrer geworden, noch dazu im Team, das gerade die deutsche 125er Meisterschaft gewonnen hatte.Und nicht weniger erwarteten nun mittelfristig alle Beteiligten auch von ihm. Aber Jung-Nöhles, der sich inzwischen mit seiner Freundin, einer Katze und einer beachtlichen Sammlung an Alien-Monster-Figuren in einer kleinen, aber feinen Dachstockwohnung im Krefeld Vorort Wittlich eingerichtet hatte, fand die richtige Mischung aus Spaß an der Freud’ und dem Druck ernsthafter Karriereplanung. »Bei Kurfiss habe ich sehr viel gelernt«, erinnert sich der GP-Jungstar an seine Anfänge als Profi, »dort habe ich großem Druck erlebt und gleichzeitig gute Stimmung und Begeisterung. Das hilft mir bis heute.«Das Aufbaustudium zum Profirennfahrer war dennoch schneller vorbei als vorgesehen. Trotz des dritten Platzes in der 125er DM 1997 wurde Klaus Nöhles von Sponsor Hein Gericke nicht weiter beschäftigt. Wieder auf sich selbst gestellt, färbte sich der eingebremste Shooting-Star seine stoppeligen Haare leuchtend rot, vielleicht auch als äußeres Zeichen seiner fröhlichen Angriffslust. Mit seinem schrägen Outfit passte Nöhles bestens ins United Grey-Team von Grauimporteur Ralf Schindler, den ja immer ein piratenähnliches Image umwehte. Zusammen mit Techniker Jörg Seel wurde Nöhles 1998 Vize-Europameister und wegen Terminkollisionen wieder »nur« DM-Dritter.Der Aufstieg in die GP-Abteilung des damaligen 125er Weltmeister-Teams UGT 3000 war beschlossene Sache, »bis Ralf Schindler im Streit mit den GP-Organisatoren plötzlich alle Rennaktivitäten gestoppt hat«, schildert der Rotschopf den schwärzesten Moment seiner noch jungen Karriere.Aber da war ja noch Vater Klaus Nöhles sen., bekennender Computerfreak, und ganz früher im Team mit dem Junior bei Moto aktiv-Rennen auf einer Honda CBR 900 unterwegs. Der Senior surfte auf der Webpage von MOTORRAD, www.motorradonline.de, in den Beitrag eines gewissen Rainer Hoppe, seines Zeichens Chef der Spedition Ivetra aus Wuppertal und leichtsinnig genug, seine Dienste und sein Geld als Sponsor anzubieten.Wie der Junior auf der Strecke war der Vater im Netz schneller als alle anderen. Und am Ende des Tunnels nach dem UGT-Ausstieg gab es nicht nur Licht, sondern den Europameister-Titel 1999 mit sechs Siegen und einem zweiten Platz in sieben Rennen. »Von einem verlorenen Jahr 1999, wie wir zu Beginn befürchtet hatten, war da natürlich nicht mehr die Rede«, resümierte der rote Klaus, »und dann passierte wieder ein Sensation, ähnlich wie die damals die Gericke-Einladung.« GP-Teamchef Dieter Stappert holte den Jung-Star als erklärten Nachfolger und zusätzliche Motivationsspritze für Deutschlands Nummer eins, Ralf Waldmann, in sein 250er Aprilia-Werks-Team.Und der massive Druck, gegen Top-Star Waldmann sowie den anderen deutschen Aufsteiger Alex Hofmann auf gleichem Material bestehen zu müssen? »Och, da mache ich mir keinen Kopf«, so der WM-Einsteiger gewohnt unbekümmert, »ich will mich zuerst einmal in der Grand Prix-Welt zurecht finden und so viel wie möglich lernen.«Der hervorragende achte Platz in seinem erst vierten 250er GP im spanischen Jerez zeigt: Feuervogel Nöhles befindet sich mit seinem Rezept aus Unbekümmertheit und Ehrgeiz klar im Steigflug.

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