Portrait Martin Grein (Archivversion) ...nur für den Kick für den Augenblick

Das Siegen überläßt er anderen. Martin Grein, der neue MOTO aktiv-Geschäftsführer, will bei der TT auf der Isle of Man vor allem eins: seinen Spaß. Und möglichst viel und schnell Motorradfahrer – ohne Gegenverkehr.

Norbert, wo ist mein Motorrad?« Martin Grein stakst plötzlich hektisch durch das Vorstartgetümmel des Leightweight TT-Rennens 1997. Noch knapp zehn Minuten bis zum Start, und er kann seine 250er nicht finden. Die meisten der Fahrerkollegen warten hochkonzentriert auf das Rennen, nur Martin quatscht sich mal wieder fest. Verrät dem griesgrämigen Joey Dunlop noch kurz ein Erfolgsrezept: »Smile Joey, you ought to smile.« Was der beherzigt – und das Rennen gewinnt.Meet friends at the Isle of Man, das gehört nicht nur für Martin Grein zur TT. Nur leider hat der Deutsche vergessen, sich bei seinem Chefmechaniker Norbert den genauen Standort des Zweitakters mitteilen zu lassen. Diesen hat sich der 36jährige bei DM-Fahrer und Kumpel Adrian Schmidt ausgeliehen. Eine betagte V2-Yamaha, mit der man in der DM wahrscheinlich keinen Blumentopf mehr gewinnen könnte. Doch das ist Grein reichlich egal ist: Funktionieren muß das Moped – und durchhalten, denn der Mountain Circuit auf der Insel in der Irischen See hat es in sich. Rund 240 beinharte Rennkilometer liegen vor Martin und seinem Leihmotorrad, das er – Norbert sei Dank – dann doch noch findet.Für rennverrückte Amateure, und zu denen zählt sich Grein, gerät so ein TT-Start zur harten Geduldsprobe. Während die Asse Dunlop & Co. schon lange auf der Jagd nach der Bestzeit sind, warten die langsameren Fahrer darauf, daß der Starter sie endlich einzeln und im Zehn-Sekunden-Takt ins Rennen schickt. Zeit, die der diplomierte Soziologe und ausgebildete Journalist sinnvoll nützt – zu einem Plausch mit einem alten Bekannten natürlich.1985 kam der Hobby-Rennfahrer das erste Mal auf die Isle of Man, »nicht als Tourist«, wie er stolz betont, sondern gleich, um mit einer Yamaha RD 350 am Production- und am Formula 2-Rennen teilzunehmen. Seine beste Plazierung fuhr er 1990 heraus: Ein achtbarer 19. Platz in der Senior TT. Inzwischen verfügt er über mehr als 300 sturzfreie Renn- und Trainingsrunden. »Als Deutscher darfst du hier ruhig auf den hinteren Rängen landen, als Engländer nicht«, erklärt Grein, »um hier vorn mitzufahren, mußt du dich immer am Limit bewegen.« Nicht sein Ding. Zu gefährlich. Trotzdem, blamieren will er sich nicht. Der 250er Yamaha-Fahrer landet auf Platz 46. Was die TT für ihn ausmacht? »Du fährst gegen die Uhr und deinen inneren Schweinehund auf einer der schönsten Landstraßen der Welt – nur ohne gefährlichen Gegenverkehr.«Begonnen hat Grein seine Rennkarriere im Maico-Cup, danach probierte er es bei so ziemlich allen nationalen und internationalen Motorradrennen Superbike-Ex-Weltmeister Carl Fogarty und TT-Legende Dunlop kennt er aus gemeinsamen Rennen bei der TT Formula 1-WM. Legendbildend soll sein Auftritt beim Langstreckenklassiker von Spa anno 1993 gewesen sein. In allerletzter Minute erreichte Martin die Rennstrecke, um dem verdatterten Teampartner Gerhard Lindner – heute Testchef von MOTORRAD – eine noch nicht renntaugliche Suzuki GSX-R 750 W zu präsentieren. Mitgefahren ist das »Team Human Endurance« schließlich doch noch.Auch im Fernen Osten hat Grein die Rennstrecken unsicher gemacht. Und blieb Ende 1994 dann in Malaysien hängen, Grein eröffnete dort ein Restaurant. War es nun »das unschlagbare Angebot«, das ihm ein Österreicher für sein Geschäft machte, oder doch Heimweh? 1996 jedenfalls verkaufte Grein und kehrte nach Deutschland zurück, um einen Job als Händlerbetreuer beim sächsischem Motorradhersteller MuZ anzutreten. Und um sich schnellstens für die TT einzuschreiben. Das mußte sein. Schon allein wegen seines Hauptsponsors Darren, der in Douglas ein indisches Restaurant betreibt. Vor vielen Jahren mäkelte Martin am vermeintlich schärfsten Curry-Gericht des Inders herum. Der in seiner Ehre getroffene Koch würzte eilig nach. Wenn Grein diese extrascharfe Portion bis aufs letzte Reiskorn aufäße, würde er ihn bei jedem Isle of Man-Besuch umsonst bewirten, versprach der Wirt. Das läßt sich einer wie Grein sich nicht zweimal sagen: Er löffelte das Curry in sich hinein – und fand einen neuen Freund und Sponsor.Den möchte er natürlich auch in diesem Jahr wieder besuchen – sofern es sein neuer Job zuläßt. Seit kurzem arbeitet Grein nämlich als neuer Geschäftsführer von MOTO aktiv. Ob das seinem alten Chef, MuZ-Mann Petr-Karel Korous, geschmeckt hat, steht zu bezweifeln. Vor allem, weil Grein ihm gleich noch die Chefsekretärin weggeheiratet hat.

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