Präsentation Michelin Power Race (Archivversion)

DUBAI?

Es gibt gute Gründe für einen Reifenhersteller,
einen ganzen Tross von Menschen und Material zur Produkt-Vorstellung in die Wüste zu schicken.

Ja spinnen die jetzt?« Selbst in der Redaktion war die Reaktion auf die Einladung zur Reifenpräsentation des neuen Michelin Power Race (siehe MOTORRAD 6/2005) eindeutig. Zum im Kreis Rumfahren nach Dubai, aha! Und zum Kaffeetrinken an die Nordsee, oder was? Haben die nichts Besseres zu tun, als eine Journalistenbagage und Berge von Material durch fast die halbe Welt in die Vereinigten Arabischen Emirate zu karriolen? Sie in den besten Hotels – vermutlich gar dem Burj al Arab – wohnen zu lassen, mit Leckereien vollzustopfen und ihnen Märchen aus Tausendundeiner Nacht zu erzählen! Von wegen neuer Superreifen. Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen. Denn dann täte es wohl auch Hockenheim.
Alle, die so denken, müssen sich zumindest ein sehr egozentrisches Weltbild vorhalten
lassen. Auch wenn Dubai sich für den
durchschnittlichen Mitteleuropäer sehr exotisch anhört: Für die australischen oder asiatischen
Kollegen, die bei so einer Weltpräsentation ebenfalls vor Ort sind, liegt Dubai einfach fünf bis sechs Flugstunden näher an der Heimat.
Es kommt demnach auf die Perspektive an. Apropos Perspektive: In Hockenheim zu dieser Jahreszeit nur eine vernünftige Runde fahren
zu können ist unwahrscheinlich. Vielleicht liegt Schnee, regnen tut es in jedem Fall. Und zu kalt zum Motorradfahren ist es sowieso. Ebenso wie – die Erfahrungen dieses Jahres belegen das – im Rest von Mittel- und Südeuropa. Gerade erst ist die Präsentation der neuen Triumph Speed Triple im Schnee versunken. An der Côte d’Azur. Die Honda- sowie
die Kawa-Leute traf es nicht ganz so dicke. Zur CBR 600 RR-Präsentation (Estoril/Portugal) und zur Kawasaki ZX-6R-Feuertaufe (Almeria/Spanien) hat es lediglich wie aus Kübeln gegossen. Das reichte allerdings ebenfalls, um die ursprünglich avisierten Fahreindrücke sehr ins Unscharfe zu ziehen.
Das Wetter ist folglich ein ganz entscheidender Faktor. Genauso wie die Jahreszeit, und die lässt sich nicht einfach wechseln. Der rechte Marketingler kennt nämlich nur zwei Perioden: die
perfekt passende Vorsaison, zwischen Dezember und März, in der die Kunden ihre Kaufentscheidung fällen – und den Rest des Jahres, in dem alles zu spät ist. Völlig klar: Wer erst im August erfährt, dass es einen neuen Power Race gibt, glüht schon Wochen vorher um die Rundkurse dieser Republik – auf einem Fremdfabrikat.
Also doch nur eine Marketing-Maßnahme, die Dubai-Präsentation? So gesehen schon, indes eine legitime. Wer einen Supersportreifen im Einsatz präsentieren will, braucht zur richtigen Zeit ein entsprechendes Umfeld. Und wirklich viele Alternativen kommen da nicht in Frage (siehe Interview).
Ergo wird Dubai zur logischen Wahl. Nicht nur wegen der
reinen Wetterproblematik. Es gibt zudem Anforderungen an die
Infrastruktur, die nicht überall erfüllt werden. Dabei ist nicht von der Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr die Rede. Es geht um die Einrichtungen vor Ort. Großzügige Boxen, sanitäre Anlagen, Räumlichkeiten für Pressekonferenzen. Und – ganz wichtig – es geht um die Sicherheit der Teilnehmer. Nicht auszudenken, wenn jemand stürzen würde (was bei einem solchen Event nicht ganz unüblich ist) und dauerhaft zu Schaden käme. Etwa,
weil keine ausreichenden Sturzräume vorhanden sind oder gar
die medizinische Versorgung nicht gewährleistet wäre. Während der zwei Tage im Dubai-Autodrom stand der Helikopter im nahen Al-Rashydia-Hospital jederzeit bereit, um helfend einzugreifen.
Zum Glück war das nicht notwendig. Ob das an der Qualität der Reifen lag, muss aber zunächst dahingestellt bleiben. Denn selbst wenn ein ganzer Pulk von Fahrern recht flott und trotzdem sturzfrei durch zwei stellenweise nasse Tage kam, kann eine
derartige Präsentation eines nicht: detaillierte Rückschlüsse auf die tatsächlichen Fähigkeiten eines Reifens liefern. Das kann erst geschehen, wenn vergleichbare Pneus unter identischen Bedingungen im direkten Vergleich gefahren werden, wie es im Reifentest bei MOTORRAD seit Jahren üblich ist.
Anzeige

Michelin: Präsentation des neuen Reifens »Power Race« in Dubai (Archivversion)

Christophe Coppéré, 32, Communication Manager bei Michelin und verantwortlicher Projektleiter, über die Präsentation des Power Race.
Wie muss man sich den zeitlichen Rahmen bei der Vorbereitung einer solchen Präsentation vorstellen?
Begonnen haben wir mit den Vorbereitungen für diese Veranstaltung schon im April 2004. Damals haben wir auch über Europa nachgedacht, stellten dann je-
doch schnell fest, dass Europa im Januar unmöglich geht. Also blieben im Grunde nur der Süden der USA oder aber Australien. Doch selbst Laguna Seca in Kalifornien ist nicht ganz wettersicher, und die Strecke in Daytona erschien uns nicht attraktiv genug. Da wir zudem Australien letztlich wegen der großen Entfernung ausgeschlossen haben, sind wir aus guten Gründen in Dubai gelandet: eine neue und abwechslungsreiche Rennstrecke mit entsprechender Infrastruktur zum guten Preis, statistisch drei Regentage im Jahr. Nachdem auch unsere Fahrer und Techniker ihr Okay gegeben hatten, wurde die Strecke Ende Juni, Anfang Juli des vergangenen Jahres gebucht.
Wie ging es dann weiter?
Im Oktober konnten uns unsere Autorennteams nach einem Rennen schon wertvolle Informationen liefern, bevor wir im November ein Team von Testfahrern hierher schickten, um detaillierte Informationen zur Strecke und zu den Sicherheitsvorkehrungen zu sammeln. Am Donnerstag vor der Präsentation bin ich dann mit unseren zwei Testfahrern und drei Monteuren angekommen, während die gesamte Logistik drum herum – vom Hotel über die Betreuung vor Ort – bereits von einer Event-Agentur geregelt war.
Wie viel Material wurde herangeschafft?
Insgesamt 20 Tonnen, alles per Luftfracht. Dazu gehörten 30 Sportmotorräder aller Marken und Hubraumklassen, die von unseren Landesniederlassungen organisiert wurden, ebenso wie das Werkzeug und ungefähr 250
Reifen, um für jede Maschine jede Mischung vorhalten zu können.
Und wie viele Personen wurden eingeflogen?
Alles in allem 90 Personen. Davon 48 Journalisten, den Rest stellen
Michelin-Mitarbeiter und unsere prominenten Fahrer Mick Doohan, Sete Gibernau und Colin Edwards samt Anhang.

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote