Praxis (Archivversion)

Bremsenwartung

Bremsanlagen müssen stets einwandfrei funktionien. Geübte Schrauber können die Wartungsarbeiten selbst ausführen.

Eins gleich vorweg: Arbeiten an der Bremse sind nichts für Gelegenheitsbastler. Wer sich nicht sicher fühlt, sollte unbedingt einen erfahrenen Schrauber als Assistenten hinzuziehen oder diesen Job besser gleich der Werkstatt überlassen. Für den Wechsel der Beläge benötigt man außer dem üblichen Standardwerkzeug wie einem Satz Schraubenschlüssel, Schraubendrehern oder verschiedenen Zangen noch eine Absaugmöglichkeit (Einwegspritze, Pumpflasche), eine kleine Drahtbürste, Kupferpaste sowie einen Drehmomentschlüssel. Beim Umgang mit Bremsflüssigkeit ist zu beachten, dass diese sehr aggressiv ist und Haut oder Lack angreift. Deshalb sind Gummihandschuhe empfehlenswert, ebenso ausreichend Lappen, um gefährdete Partien des Bikes abzudecken. Außerdem erfordert der Wechsel der Hydraulikflüssigkeit einen säurefesten Behälter sowie einen durchsichtigen Plastikschlauch, der satt auf dem Entlüfternippel sitzen muss.
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Bremsenwartung: Belag- und Flüssigkeitswechsel (Archivversion) - Bremsbeläge wechseln

Die Arbeitsschritte bei einer modernen Vierkolben-Bremsanlage mit Festsattel
Wenn die als Verschleißmarkierung dienenden Nuten der Bremsbeläge beim Routinecheck nicht mehr zu erkennen sind, wird es höchste Zeit für den Austausch der Reibplatten. Hierzu werden zuerst die Haltestifte der Bremsbeläge gelockert (sofern sie, wie hier, verschraubt sind) und die Befestigungsschrauben des Bremssattels gelöst. Nun wird dieser von Hand leicht gegen die Bremsscheibe gepresst, damit die Kolben der Außenseite ein wenig zurück gedrückt werden; der Sattel lässt sich so leichter von der Scheibe abnehmen. Danach werden die Haltestifte vollständig herausgeschraubt und zusammen mit dem Federblech abgenommen. Die Beläge sind nun lose und können ebenfalls herausgezogen werden. Anschließend wird die Bremszange mit einer kleinen Messing- oder Kunststoffbürste gründlich von festgebackenem Bremsstaub und Schmutz befreit. Für die Bremskolben nimmt man besser einen weichen Lappen, um Riefen oder Kratzer im Kolben zu vermeiden. Niemals verdreckte Kolben in die Zangen zurückdrücken, der Schmutz könnte die Dichtungen beschädigen. Ergibt die Sichtkontrolle keine feuchten Stellen, die auf schadhafte Dichtungen hinweisen, können nun die Kolben in ihre Ausgangsstellung in den Sattel gestemmt werden, damit die neuen und dickeren Beläge Platz haben. Die verschlissenen Beläge werden erneut in die Zange eingesetzt und mit einem großen Schraubendreher auseinandergedrückt. So verteilt sich die Kraft gleichmäßig auf die vier Kolben, ohne Gefahr zu laufen, dass diese verkanten oder beschädigt werden. Wenn zwischenzeitlich Bremsflüssigkeit nachgefüllt wurde, um das durch den Verschleiß der Beläge bedingte Absinken des Flüssigkeitsstandes auszugleichen, muss unter Umständen vor diesem Schritt mit einer Saugflasche oder Einwegspritze erst etwas Bremsflüssigkeit aus dem Vorratsbehälter abgesaugt werden. Vor dem Einbau werden die neuen Beläge auf der Rückseite dünn mit Kupferpaste bestrichen, die jedoch keinesfalls auf die Vorderseite der Beläge gelangen darf. Nun schiebt man die Klötze mit den Belagseiten zueinander in den Sattel und fixiert sie mit einem Führungsstift. An diesem wird das Federblech eingehängt und zur Montage des zweiten Stiftes niedergedrückt. Zum Aufsetzen des Sattels auf der Scheibe werden die Beläge so weit nach außen gedrückt, dass die Scheibe dazwischen passt. Sollten sich die Kolben wieder etwas aus der Grundstellung bewegt haben, werden sie vorsichtig mit einem Holzstab zurückgedrückt, um die neuen Beläge nicht zu beschädigen. Passt der Sattel schließlich, werden die Befestigungsschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment (siehe Handbuch) angezogen, ebenso die beiden Führungsstifte. Mit einigen Pumpbewegungen wird die Funktion überprüft. Zuletzt muss der Flüssigkeitsstand im Vorratsbehälter kontrolliert werden, der sich bei neuen Belägen an der Markierung MAX befinden sollte. Gegebenenfalls muss aufgefüllt oder abgesaugt werden. Vor dem Anbringen des Deckels noch kontrollieren, ob die Gummimembran korrekt zusammengefaltet ist.

Bremsflüssigkeit erneuern (Archivversion)

Bremsflüssigkeit altert und sollte spätestens nach zwei Jahren ersetzt werden
Beim Austausch der Bremsflüssigkeit auf konventionellem Weg wird zunächst ein stramm sitzender, transparenter Plastikschlauch auf den Entlüftungsnippel der Bremszange gesteckt, dessen anderes Ende in ein säurefestes Gefäß führt. Anschließend wird der Deckel des waagrecht ausgerichteten Hydraulikzylinders mitsamt der Gummidichtung abgenommen. Nach ein paar vorsichtigen Pumpbewegungen wird bei gezogenem Handhebel die Entlüftungsschraube gelöst, bis Bremsflüssigkeit am Schlauch austritt. Bevor man den Hebel loslässt, muss die Schraube wieder geschlossen sein, sonst kann durch Unterdruck Luft ins System gelangen. Mehrere derartige Pumpdurchgänge senken den Pegel im Hydraulikzylinder ab; spätestens beim Minimum muss frische Flüssigkeit nachgefüllt werden. Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis am Schlauch nur noch frische, helle Bremsflüssigkeit ohne Luftblasen austritt. Bei zugedrehter Schraube muss nun ein fester Druckpunkt zu spüren sein. Anschließend Bremsflüssigkeit bis knapp unter den oberen Rand des Schauglases auffüllen, bevor Dichtung und Deckel des Hydraulikzylinders wieder angebracht werden. Bei der abschließenden Funktionskontrolle im Stand muss der Druckpunkt konstant bleiben.

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