Praxistips Beladen (Archivversion)

Gepäck

Wer zu hoch stapelt, kann leicht tief fallen. Hier einige hilfreiche Tips zum Packen und Laden.

Kofferraum, Rücksitzbank, Dachgepäckträger, Anhänger - der Autofahrer hat viele Möglichkeiten, Transportgut zu befördern. Für den Biker sieht die Lage erheblich schlechter aus. Er findet allenfalls unter dem Höcker ein winziges Fach, in dem er Werkzeug und Papiere oder eventuell noch eine Regenkombi verstauen kann. Für alles weitere, was nicht dort oder direkt am Körper in den Taschen der Jacke unterzubringen ist, muß Stauraum erst geschaffen werden. Für die tägliche Fahrt eignet sich am besten ein Rucksack. Dort paßt der nötige Kleinkram locker hinein, außerdem läßt sich der zum Beispiel zum Einkaufen mitnehmen. Schwere oder sperrige Sachen gehören allerdings aus gesundheitlichen Gründen und wegen erhöhter gefahr bei Unfällen nicht auf den Rücken. (siehe auch Beratung Rucksäcke). Eine Alternative mit etwas größerer Kapazität und guter Variabilität ist der Tankrucksack. Der Vorteil: Das Gepäck befindet sich zentral über dem Schwerpunkt und wirkt sich weniger stark auf das Fahrverhalten aus als Gepäck am Heck des Motorrads. Magnet-Tankrucksäcke sind praktischer, bei schwerer und hoch bauender Beladung sind solche mit Riemen jedoch sicherer. Bei der Auswahl ist zu berücksichtigen, daß die Größe und Form des Tankrucksacks zum Motorrad passen muß. Insbesondere dürfen die Instrumente nicht verdeckt werden, und es muß der komplette Lenkeinschlag gewährleistet sein. Es sind schon Leute umgefallen, weil der Tankrucksack beim Wenden den Killschalter betätigte. Wer eine Wochenendtrip plant, vielleicht sogar zu zweit, braucht meist mehr Platz. Einfach und preiswert sind Rollen oder Taschen, die auf dem Soziussitz oder einem serienmäßigen Gepäckträger untergebracht werden. Diese müssen unbedingt mit Riemen oder Gurten sorgfältig verzurrt werden. Am besten eignen sich Gepäckspinnen, man sollte dabei auf kunststoffummantelte Haken achten. Wer zusätzliche Ösen braucht, findet bei Gericke welche zum Anschrauben.Vorsicht ist hier oberstes Gebot, den bei unzureichender oder improvisierter Befestigung droht nicht nur der Verlust des Gepäcks, sondern herumflatternde Riemenenden können in die Kette geraten. Beides kann gefährlich werden: Im letzten Jahr verunglückte in der Nähe von Stuttgart ein Pärchen tödlich, weil das Gepäck ins Hinterrad geriet. Tip zur Stabilisierung einer Gepäckrolle: unten ein Brett oder eine stabile Leiste einlegen. Ebenso gefährlich kann es werden, wenn Rücklichter oder Blinker verdeckt werden. Die teuerste und solideste Lösung ist Stauraum in Form von stabilen Kunststoffkoffern. Die Dinger sind zuverlässig angebracht, lassen sich schnell abnehmen und schützen das Gepäck bestens, zum Beipiel auch vor Wasser. Das Gewicht ist zudem relativ tief angebracht. Allerdings bauen viele Koffer ziemlich breit, das ist nicht jedermann Geschmack. Auch muß man zwangsläufig ständig die Gepäckträger spaziern fahren, das macht ein Motorrad nicht unbedingt schöner.
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Checkliste (Archivversion) - Für eine Urlaubsfahrt mit großem Gepäck sollte man das Motorrad präparieren

· Bei starker Beladung ist ein höherer Reifendruck zu empfehlen. In der Betriebsanleitung wird meist eine Erhöhung um 0,2 bis 0,4 bar angegeben. · Die Federbasis am hinteren Dämpfer ist der Beladung anzupassen, so daß das beladene Motorrad maximal ein Drittel des Federwegs einsinkt. Bei der Gabel ist eine höhere Vorspannung meist weniger wichtig, da das zugeladene Gewicht überwiegend auf der Hinterpartie lastet. · Parallel zu den höheren Federkräften Zug- und/oder Druckdämpfung einige Klicks straffer einstellen. · Motorrad vor Antritt einer Reise unbedingt gründlich durchchecken, eventuell Inspektion vorziehen. Wichtig ist ein rechtzeitiger Ölwechsel, eine Kontrolle der Kette und Bremsbeläge. Nichts ist ärgerlicher, als während eines Urlaubs irgendwo im Niemandsland auf Ersatzteile zu warten.· Werkzeug nicht vergessen. Vor allem so verstauen, daß es schnell erreichbar ist, zum Beispiel in das untere Fach eines Tankrucksacks.· Klingt banal: Richtiges Aufsteigen auf ein vollbepacktes Motorrad ist gar nicht so einfach, vor allem bei Soziusbetrieb. Leicht verliert der Fahrer die Balance, wenn sich der Beifahrer einfädelt. Daher zu Hause vorsichtig mit dem Beifahrer »üben«.

Wohin mit Sack und Pack? (Archivversion) - Der Motorradfahrer kann das Gepäck am Mensch oder am Motorrad unterbringen. Hier die Vor- und Nachteile der Alternativen.

Während für viele Zwecke ein einzelnes Gepäckteil ausreichend ist, sollte der Biker für die große Reise die verschiedenen Möglichkeiten sinnvoll kombinieren und das Gepäck sorgfältig verteilen. Schwere Teile gehören möglichst weit nach unten sowie nach vorn in den Tankrucksack. Nach oben und hinten gehören die leichteren und sperrigen Teile, zum Beispiel können Zelt und Schlafsack auf der Gepäckbrücke verstaut werden. Symmetrisches Beladen verhindert, daß die Fuhre Schlagseite bekommt. Bei längeren Reise sorgen Plastiktüten für zusätzliche Abdichtung gegen Nässe. Nicht zu vergessen ist beim Beladen die schnelle Zugänglichkeit für unterwegs benötigte Teile wie Werkzeug oder Regenbekleidung. Sonst hat der Gewitterguß schon wieder aufgehört, bis der durchnäßte Biker seine Regenkombi endlich aus den Tiefen seines Koffers gefriemelt hat.RucksackGut für den Kurztrip mit kleinem Gepäck, universell einsetzbar. Nachteil: begrenzter Stauraum, im Soziusbetrieb nur hinten möglich, hohes Gewicht belastet den Rücken, bei Unfall Verletzungsgefahr durch scharfe oder schwere Teile GepäckrolleKann längs auf den Soziussitz oder quer dahinter auf einen Träger geschnallt werden, eigene Träger sind aber nicht unbedingt nötig, preiswerte Lösung, flexibel zu beladen, meist gute Wasserdichtigkeit. Nachteil: relativ hohe Position, daher bei schwerer Last ungünstig fürs Fahrverhalten, Befestigung kann heikel seinTankrucksackGute Position des Gewichts zentral über dem Schwerpunkt, daher auch für schwerere Gepäckstücke geeignet, relativ preiswert, meistens flexibel im Volumen durch verschiedene Fächer. Nachteil: in der Regel nur mit zusätzlicher Haube wasserdicht, Riemenbefestigung manchmal etwas umständlichPacktaschenRelativ teure Lösung, aber ausgesprochen solide, schnell abnehmbar und auch abseits der Maschine als Koffer nutzbar, abschließbar, daher minimaler Diebstahlschutz vorhanden. Nachteil: fest montierte Träger erforderlich, je nach Motorrad teilweise recht ausladend

Fahrtips (Archivversion)

Die Beladung ist oft die Ursache für plötzliche Pendelneigung eines ansonsten satt liegenden Motorrads. Schon relativ wenig Zusatzgewicht an der falschen Stelle kann bestimmte Maschinen in beängstigende Schwingungen versetzen. Gut ist es, wenn der Fahrer sein Motorrad kennt und weiß, wie es auf Beladung reagiert. Ein paar Kilo im Tankrucksack statt in der Gepäckrolle können bereits einen enormen Unterschied machen.Aber auch bei stabilem Fahrverhalten muß der Einfluß des höheren Gewichts auf die Fahrdynamik beachtet werden. Das Motorrad »fällt« leichter in spitze Kurven. Apropos Schräglage: Ein beladenes Bike setzt in forsch gefahrenen Kurven natürlich auch eher auf. Beim Bremsen schiebt das Gewicht, der Weg bis zum Stillstand verlängert sich. Auch beim Beschleunigen wird die Fuhre träger, dadurch verlängern sich Überholmanöver. Alles Dinge, mit denen der Fahrer sich zunächst vertraut machen muß, daher sollte er die ersten beladenen Meter mit Vorsicht angehen.

Haftungsgrenzen (Archivversion)

Das Überschreiten der Zuladung wird relativ milde geahndet: Wer das Gesamtgewicht um 5 bis 10 Prozent überschreitet, wird mit 20 Mark zur Kasse gebeten, von 10 bis 15 Prozent werden 60 Mark fällig, 15 bis 20 Prozent kosten 75 Mark. Punkte in Flensburg gibt es erst bei Überschreitung ab 20 Prozent, was bei zulässigen 400 Kilogramm glatte 80 Kilogramm mehr wären. Unangenehm könnte ein Rechtsstreit aber enden, wenn jemand infolge zu langen Bremswegs in einen Unfall aufgrund Überladung verwickelt wird. Dazu Rechtsanwalt Dr. Gerd Koch aus Heilbronn: »Die Haftpflichtversicherung zahlt zunächst Schäden an Dritten, kann aber bei nachgewiesener Gefahrenerhöhung beim Versicherungsnehmer regressieren, und zwar bis maximal 10000 Mark. Allerdings gilt dies nur bei nachhaltiger Gefahrenerhöhung, nicht bei einem einmaligen oder geringfügigen Verstoß.« Die von Kofferherstellern angegebenen Grenzen für Zuladung und Höchstgeschwindigkeit sind verkehrsrechtlich nicht bindend. Wer schneller fährt oder mehr zulädt als vom Kofferhersteller empfohlen, riskiert kein Bußgeld. Kompliziert könnte die rechtliche Situation allerdings wiederum bei einem Unfall werden, der mit dem Gepäck in Zusammenhang steht. Zum Beispiel, wenn der Biker wegen Pendelerscheinungen zu Fall kommt oder ein überladener Koffer vom Gepäckträger abbricht. Auch hier bezahlt die Haftplicht zunächst, könnte bei groben Verstößen gegen die Sorgfaltspflicht eventuell regressieren. Eigene Schäden, zum Beispiel Schmerzensgeld, kann der Verunfallte vom Kofferhersteller jedoch in diesem Fall nicht verlangen, der ist durch seine Geschwindigkeitsempfehlung aus dem Schneider. Ähnliches gilt auch bei Beladung über die vom Kofferhersteller genannte Grenze.Koffer und Träger sind übrigens weder genehmigungs- noch eintragungspflichtig. Eigenkonstruktionen sind somit erlaubt, eine TÜV-Vorführung ist nicht nötig.

Voll am Limit (Archivversion)

Über das zulässige Gesamtgewicht machen sich viele Motorradfahrer wenig Gedanken, aber die Grenze ist in vielen Fällen schnell erreicht. Allein beim Fahrergewicht kommen mit Beifahrer/in rasch 150 Kilogramm zusammen. Vergessen sollte man dabei nicht, daß die Bikerkluft locker mit zehn Kilogramm pro Person zu Buche schlägt. Addiert man dann noch das Eigengewicht von Koffern, Trägern oder Tankrucksack, so bleibt in vielen Fällen fast kein Spielraum für das Gepäck. Die nebenstehende Tabelle zeigt einige Beispiele für die erlaubte Zuladung. Das angegebene Leergewicht ist ein MOTORRAD-Meßwert für die vollgetankte, fahrfertige Maschine. Die meisten Motorräder erlauben 180 bis 200 Kilogramm Zuladung. Positive Ausreißer sind die Tourer von Harley oder Guzzi. Wer allerdings zur zweit auf der Gold Wing verreist, muß sich wohl auf zwei Zahnbürsten als Gepäck beschränken, wenn er legal unterwegs sein will.

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