Preisentwicklung Motorräder (Archivversion) Hoch die Kassen

Alles wird teurer. Auch Motorräder. Wieviel schlagen die Hersteller drauf?

»Das ist doch Pipifax.« Hans Sautter, Pressesprecher von BMW, regt sich auf. Dabei hatte MOTORRAD nur nach Preissteigerungen gefragt. Sautter: »Da heißt es wieder, wir schlagen zu.« Auf den ersten Blick sieht´s auch so aus: Denn während BMW für die sechs Motorräder, die seit Januar 1993 im Programm sind, heute 11,6 Prozent mehr Zaster will, stieg die Inflationsrate im gleichen Zeitraum nur um die fünf Prozent. Also woran liegt´s? Sautter: »Wir haben zuvor aufpreispflichtige Sonderausstattungen, zum Beispiel ABS und geregelter Kat, in die Serie übernommen. Außerdem ist es für uns als exklusiver und vergleichsweise kleiner Hersteller kaum möglich, Verkaufspreise von Massenherstellern zu realisieren.« Und wie steht´s bei den Japanern? Alle vier haben ihre Preise von 1993 auf 1994 kräftig erhöht: zwischen sieben und acht Prozent. Weil der Yen gegenüber der Mark enorm an Wert gewann. Bis zu 30 Prozent nämlich. Unter diesem Währungshoch leiden alle japanischen Importeure und deren Vertragshändler, die mittlerweile durchweg mit niedrigeren Gewinnspannen rechnen müssen. Honda hat mit 9,8 Prozent den geringsten Zuwachs. »Dank eines strikten Kostensenkungsprogramm«, meint Pressesprecher Klaus Wilkniß. »Bei uns machen die Mäuse Klimmzüge am Brotkasten. Man kann eben nicht beliebig erhöhen.« Sonst springen womöglich die Kunden ab. Jedenfalls hat Honda 1994 die Preise eingefroren. Die Heizung im Offenbacher Hauptquartier soll aber noch funktionieren. Auch bei Suzuki, wo es »viel Motorrad zu einem vernünftigen Preis« gibt, wie Marketing-Chef Bert Poensgen meint. Tatsächlich läßt so manches Angebot die fernöstliche Konkurrenz erblassen. Doch die Steigerungsrate (11,2 Prozent) liegt höher als bei Honda und Yamaha. Eine mögliche Erklärung dafür: Alle Hersteller arbeiten mit Mischkalkulationen. Suzuki verkauft manche Motorräder knapp über der Selbstkostengrenze, zum Beispiel die GSF 600. Dafür werden dann die Selbstläufer etwas teurer. Sonst kracht´s im Gebälk.Im Vergleich am schlechtesten schneidet Kawasaki ab. »Wir sind mit keinem Modell ab 500 cm³ im untersten Preissegment vertreten. Der Vorsprung unserer Mitbewerber ist fast ausschließlich auf diese Modelle (XV 535, GS 500 E) zurückzuführen«, glaubt Peter Krusche, Vertriebs- und Marketingleiter. Da hat er unrecht. Denn Yamahas Virago ist um fast 16 Prozent und Suzukis GS 500 um gut 13 teurer geworden. Allerdings sind die Zuschläge fürs nächste Jahr bei Kawa durchaus moderat.Wie bei Yamaha. Doch schweigt sich Pressesprecher Karlheinz Vetter über die Gründe aus. »Wir sind kein »Billig-Anbieter.« Aber Mittelmaß? Yamaha liegt mit 10,5 Prozent genau im Schnitt von BMW und allen Japanern zusammen. Bleiben noch Harley-Davidson und die Italiener, die beide von schwachen Währungen profitieren: Der Dollar ist seit 1993 um 13 Prozent, die Lira gar um 23 gefallen. Ducati hat zunächst die Preise gesenkt, dann aber - trotz des Sturzflugs der Lira - wieder erhöht. Immerhin - durchschnittlich sind die schönen Roten nicht teurer geworden. Anders bei Harley-Davidson: »Wir treiben die Preise nicht künstlich hoch, das sind Entwicklungskosten«, wehrt sich Manfred Kozlowsky, Marketing Communications Direktor bei Harley Deutschland, gegen vermeintliche Vorwürfe. »Wir decken das Kursrisiko ab und geben die Dollarschwankungen nicht nach unten weiter«, erläutert er. »Aber nach oben auch nicht.«

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote