Pro Superbike-DM auf dem Pannonia-Ring––––– (Archivversion) Donnerwetter–––––

Das Wetter spielte bei der Pro Superbike-DM auf dem Pannonia-Ring zwar eine große Rolle, doch für richtiges Donnergrollen sorgten vor allem die Favoriten Meklau und Schmid.

Die grüne Wiese, auf dem der ungarische Pannonia-Ring unweit der Grenze zur Österreich errichtet wurde, stand völlig unter Wasser. Jochen Schmid war trotzdem bester Laune: Er hatte sich Regen gewünscht. Als das Feld im ersten Lauf durch die Gischt davonstürmte, setzte er seine grüne Kawasaki gleich an die Spitze und zog unaufhaltsam davon. Als würde er übers Wasser gehen, fuhr der kleingewachsene Schwabe zwei Sekunden pro Runde schneller als seine stärksten Gegner. Dem Schwabenpfeil folgten Roger Kellenberger (Thiede-Honda), DM-Spitzenreiter Andreas Meklau (Ducati) und Udo Mark (Suzuki), doch von hinten kam unaufhaltsam Ruben Xaus der Gruppe näher. Der spanische Suzuki-Fahrer hatte bald aufgeschlossen und überholte das Trio im Schnelldurchgang. Meklau machte daraufhin richtig Dampf und wollte Xaus wieder einfangen, doch der Spanier konnte seinen zweiten Platz bis zur Ziellinie verteidigen.Einenprächtigen Einstand feierte Superbike-Neuling Christian Kellner mit Platz sechs. Um ein Haar hätte er seinen erfahrenen Teamkollegen Udo Mark noch auf der Ziellinie abgefangen. Für Teamchef Bert Poensgen gab es noch einen weiteren Grund zur Freude, war seine Tochter Katja bei ihrem ersten Einsatz auf der Baindl-TL 1000 R gleich in die Punkte gefahren. Dabei hatte sie sich vor einer Woche beim Sturz von ihrer Supersport-Suzuki die Bänder am rechten Knöchel gedehnt, und in ihrem Superbike-Fahrwerk steckte ein Serien-Motor - sogar mit Abgasrückführung. Der Rennmotor muß noch etliche Prüfstandsläufe hinter sich bringen, Katja wollte aber unbedingt fahren, und so baute man ihr einen Serienmotor ein. »Der war im Regen aber gar nicht von Nachteil, weil er butterweich einsetzt«, stellte die schnelle Dame aus Heppenheim fest. Im zweiten Lauf - jetzt auf trockener Piste - setzte sich Meklau gleich beim Start an die Spitze. Jochen Schmid war nur als Vierter in die erste Kurve eingebogen, wollte aber nicht gleich den Anschluß zu seinem DM-Widersacher verlieren. Der Schwabe ging etwas zu heftig ans Werk, wurde vor einer schnellen Rechts-Links Kombination zu weit hinausgetragen, geriet auf den noch nassen Pistenrand und mußte in die Wiese. »Da war alles voller Schlamm, und ich hatte keine Chance, das Motorrad zu halten«, stellte er ernüchtert fest. Er versuchte, das Motorrad wieder anzuschieben, doch ohne Erfolg. Schon eine Kurve später überschlugen sich die Ereignisse, als Ruben Xaus mit Christer Lindholm zusammenstieß, den Schweden mit in die Wiese riß und stürzte. Lindholm konnte gleich weiterfahren, und Xaus schaffte es, sein Motorrad wieder in Gang zu bringen. Die anschließende Aufholjagd des ungestümen Spaniers wurde immerhin mit dem 14. Platz belohnt. An der Spitze legte Meklau ein unbarmherziges Tempo vor, doch die eigentliche Sensation spielte sich hinter ihm ab: Christian Kellner war Zweiter vor Udo Mark! »Es gibt keine Stallorder, Christian kann Udo als Gastfahrer keine Punkte wegnehmen und darf deshalb ungeniert Gas geben«, stellte Teamchef Bert Poensgen klar. Der Junior hielt sich auch wacker vor dem zweifachen Deutschen Superbike-Meister, doch in der fünften Runde lag er plötzlich in der Wiese. »Mein Fehler, ich habe beim Einlenken zu schnell eingekuppelt, da ist mir das Hinterrad weggerutscht.« Jonnie Ekerold duellierte sich nach Kellners Ausfall nun mit Michael Rudroff um den dritten Platz, und der Sohn des Ex-Weltmeisters behielt die Oberhand. Der noch immer in Gipsmanschetten fahrende Christer Lindholm stürmte bei seiner Aufholjagd bis Platz sechs vor, und obwohl er seine Titelverteidigung mehr oder weniger abhaken kann, war der Schwede in guter Stimmung. »In den letzten beiden Jahren hatte ich Glück, nun haben es eben die anderen. Der Regen im ersten Lauf hat meine Fahrt sehr unkomfortabel gemacht, denn der Gips läßt mich den Lenker nur mit den Fingerspitze greifen, und damit ist es sehr mühsam, das auf dem Wasser rutschende Vorderrad zu kontrollieren. Im zweiten Lauf hätte ich ohne den Ausritt aber sicher auf das Podest fahren können.« Sieger und Titelfavorit Meklau war nach dem Rennen sichtlich gut gelaunt und schrieb stundenlang Autogramme. Knapp ein Jahr, nachdem der Familienvater aus Spielberg nach seinem schweren Sturz auf dem Hockenheimring seine Profi-Laufbahn beendet hat und jetzt als Verkaufsleiter bei einer Baufirma einer geregelten Arbeit nachgeht, wirkt er lockerer und besser als je zuvor. »Ich habe ein Einkommen, das meiner Familie den Lebensuterhalt sichert, so habe ich einige Sorgen vom Hals und kann unbeschwerter fahren«, erklärt der Österreicher seinen Erfolg.

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