Pro Superbike-DM in Hockenheim (Archivversion) MfG

Liebe Fans, liebe Konkurrenz. Sehr schön hier. Ein neues Motorrad, nur 60 Testkilometer, zwei Siege.
MfG - mit freundlichen Grüßen
Christer Lindholm

Bereits nach dem ersten Laufsieg verstand Christer Lindholm die Welt nicht mehr: »Das kann gar nicht so weitergehen. Irgendwas läuft heute noch schief. Irgendwas.« Doch nichts lief mehr schief, für den Schweden. Gar nichts mehr. Auch der zweite Lauf des Auftakts zur Pro Superbike-DM auf dem kleinen Kurs in Hockenheim endete so überzeugend wie der erste: Satz und Sieg für den Blonden aus dem Norden.Und nicht einmal der 32jährige Rennprofi dachte nach dem perfekten Saisonstart an die langen Tage und Nächte in den Wochen zuvor. Als die brandneue R7 so spät ausgeliefert wurde, daß dem Team von Yamaha Deutschland nach der Vorbereitung der Renner gerade mal ein einziger 25 Minuten langer Stapellauf genügen mußte, um die richtige Abstimmung für den rot-weißen Neuling zu finden. Was heißt zu finden? Zu erahnen. Noch 30 Minuten vor den Rennen klapperten bei der Truppe um den immer freundlichen Skandinavier die Schraubenschlüssel. Meist einhändig bedient, da vom Yamaha-Werksteam die Abstimmungstips per Handy eingeholt wurden.Pro Superbike-DM. Man legt Wert auf dieses Championat im Kreis der deutschen Motorrad-Importeure. Ein gemeinsamer Sponsor-Pool finanziert Öffentlichkeitsarbeit und Fernsehminuten - und jeder für sich seine offizielle Abgesandtschaft.Ducati zum Beispiel. Seit die Bologneser Sportartikel-Hersteller eine eigene deutsche Filiale besitzen, kann sich der amtierende Superbike-Meister Andy Meklau noch mehr freuen. Der Österreicher bekam von den Deutschen sogar die letztjährige Werks-Ducati von Weltmeister Carl Fogarty überlassen. Mit der donnerte der 31jährige in diesem Jahr beim australischen Superbike-WM-Lauf immerhin schon auf Rang zehn und elf.Oder Kawasaki. Schon zum Inventar gehört Jochen Schmid, seines Zeichens Superbike-Meister 1995. Seit vergangenem Jahr steht ihm der 23jährige Sproß des ehemaligen 350er Weltmeisters Jon Ekerold, Jonnie Ekerold, zur Seite. Der Nachteil der grünen Koalition: Die ZX-7RR besitzt als letztes Superbikes noch Vergaser statt Einspritzung. Denn: Vergaserdurchläße schreibt das Reglement fest, leistungsfördernde Änderungen an der Software der Einspritzung jedoch nicht. In dieser Beziehung kriegte die Suzuki GSX-R 750 gerade noch die Kurve. In diesem Jahr sitzen die Jungs in Weiß-Blau ausschließlich auf Maschinen mit Einspritzung. Der 30jährige Australier Kirk McCarthy möchte damit Suzuki den ersten Superbike-DM-Titel überhaupt bescheren. Und Michael Schulten dürfte für manche Überraschung gut sein. Honda will´s offiziell in der Superbike-DM nicht wissen. Die blau-weiß-rote Flagge hält dennoch der Honda-Händler Gerhard? Thiede hoch. Wobei der Berliner mit der gleichen Einstellung an das Tuning der technisch unterlegenen RC 45 rangeht wie sein Fahrer, der Schweizer Roger Kellenberger, an die Piste: ohne Rücksicht auf Verluste.Und da gibt´s noch die gemischte Gesellschaft. Team Alpha-Technik genannt. Die hochprofessionelle Truppe aus Bayern setzt sowohl Suzuki- als Yamaha-Superbikes ein und soll den jeweiligen Importeurs-Teams Schützenhilfe leisten. So sichert der Schotte Brian Morrison mit der Yamaha den guten Christer ab, der Italiener Giovanni Bussei auf der Vierzylinder sowie Evergreen Michael Rudroff auf der Zweizylinder TL 1000 übernehmen diese Aufgabe für Suzuki.Und gar nicht gibt´s Aprilia. Frank Heidger, einziger Aprilia-Pilot im Feld, mußte seine nagelneue RSV mille im Fahrerlager gegen eine Ducati tauschen, nachdem die Homologation (siehe Kasten Seite 226) des bildschönen Italo-Flitzers noch immer aussteht.Wie´s ausging hinter Meister Lindholm? Andy Meklau donnerte - trotz ausgeprägter Antipathie für den badischen Kurs nach einem Horror-Crash 1997 - zweimal auf Rang zwei. Jochen Schmid haderte mit sich und der Abstimmung seiner Kawa und lief mit Respektabstand auf Rang drei ein. Teamkollege Ekerold konnte nach einem spektakulären Sturz im Training von Glück sagen, nur eine Gehirnerschütterung abgekriegt zu haben. Morrison stürzte auch, wartete damit aber jeweils bis zu den Rennen. McCarthy hielt sich bedeckt auf Rang vier und fünf, Kellenberger quetschte die Honda auf die gleichen Ränge, Schulten überraschte auch die Insider mit DM-Rang sechs. Und Lindholm? Der glaubt bestimmt nicht mehr, daß es so nicht mehr weitergehen kann.

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