Pro Superbike-DM Most/CZ (Archivversion) Mit links

Mühelos gewann der schwedische Ex-Meister Christer Lindholm auf der Yamaha R7 beide Pro Superbike-Läufe in Most und setzte sich von Mitfavorit Andreas Meklau auf der Ducati ab.

Im Gegensatz zu vielen Fahrerkollegen war die Reise nach Most für Christer Lindholm das reine Vergnügen. Als knapper Tabellenführer mit einem Punkt Vorsprung angereist, sorgte er im Training für eine kleine Sensation: In 1:29,851 Minuten peitschte der Schwede im ersten Training die Yamaha um den 4,148 Kilometer langen Kurs und war damit der erste Fahrer in Most, der unter der Grenze von 1:30 Minuten blieb. Mitfavorit Meklau, dem die Strecke eigentlich liegt, blieb über eine halbe Sekunde zurück, vor Jochen Schmid (Kawasaki), Giovanni Bussei (Alpha Technik-Suzuki), Brian Morrison (Alpha Technik-Yamaha), Michael Rudroff (Alpha Technik-Suzuki) und Michael Schulten (Schäfer-Suzuki). Die Asphalttemperatur von knapp 50 Grad im zweiten Training – zehn Grad mehr als im ersten – verhinderte Verbesserungen der Konkurrenz.Ins Schwitzen brachten einige Fahrer jedoch ganz andere Dinge. Ein Diebes-Duo hatte sich zunächst mit permanenten Ausweisen fürs Fahrerlager versorgt, sich dann mit einem Rucksack und Vergaserteilen aus Schmids Box bedient und wollten anschließend auch in Rudroffs Revier wildern. Doch vor der bayrischen Urgewalt mußten sie kapitulieren und ergriffen die Flucht. Des weiteren sorgten rüpelhafte Security-Sheriffs, die tags Michael Schulten mit dem Schlagstock bedrohten und nachts den völlig verdutzten Yamaha-Cup-Fahrer Ralf-Horst Hilsenbeck in Handschellen aus dem Fahrerlager abführten, nicht zwingend zur Sympathie für die Verhältnisse in Most bei.Einer zumindest paßte höllisch auf, daß ihm keine Punkte geklaut wurden: Christer Lindholm konnte es sich sogar leisten, den ersten Start zu verpatzen und Konkurrent Meklau drei Runden führen zu lassen. Vor dem Rennen hatte der Schwede bemerkt: »Wir hatten einige Probleme mit der Abstimmung. Dann hat sich gezeigt, daß wir vorn mit ein paar Klicks in Richtung härter und hinten in Richtung weicher gehen mußten. Das war alles.« Zweifacher Sieg für Lindholm also und ein etwas ratloser Meklau, der in beiden Läufen ganz offensichtlich mit den Reifen verwachst hatte. »Ich hatte keinen Grip. Erst hat sich die Ducati aufgeschaukelt, dann fing sie an wegzuschmieren.« Wenigstens betrieb der Österreicher mit zwei zweiten Plätzen Schadensbegrenzung.Podestplätze waren eigentlich für Jochen Schmid ebenfalls ein Thema. Doch im ersten Lauf mußte der Ex-Meister seinen sicher geglaubten dritten Platz kurz vor Schluß an Suzuki-Fahrer Kirk McCarthy abtreten und sich auch noch Brian Morrison beugen. McCarthy, der kleine Australier, stand damit zum ersten Mal auf dem Podest. Im zweiten Lauf, der nach einem Sturz von Michael Schulten, bei dem er sich ein Schlüsselbeinbruch zuzog, abgebrochen und neu gestartet wurde, lag Schmid zwar zwei Runden an der Spitze, doch nach dem vierten Rang resümierte der Schwabe das Wochenende: »Ärgerlich. Wir hatten Fahrwerks- und Vergaserprobleme. Mir war klar, daß ich das Tempo nicht halten kann. Ich bin mit 110 Prozent losgefahren, und nach drei Runden hat es mir auf einer der vielen Bodenwellen beinahe den Lenker aus der Hand geschlagen. Ich konnte die Kawasaki nur noch mit dem Knie abstützen. Und die Düsennadeln, die das Pack uns geklaut hat, hätten wir dringend benötigt. Doch Hauptsache ist, daß ich gepunktet und den Schaden begrenzt habe.«Das gelang anderen nicht: Roger Kellenberger hatte bereits im Training seine Thiede-Honda nach einem gewaltigen Highsider zerlegt und konnte aufgrund seiner Verletzungen zu den rennen gar nicht erst antreten. Michael Rudroff und Werner Dimperl auf Meklaus 1998er Ducati waren sich in Lauf eins kurzfristig uneins über die korrekte Wahl der Ideallinie. Rudroff lastete die Schuld an seinem Abflug Dimperl an, beendete das Handgemenge hinter der Box dann auf typisch bayrische Art: »Vertrag´ mer uns wieda. Aba´s nächste Mol setzt´s was.« Dimperl, der mit Platz sechs in Lauf zwei ein Highlight seiner Karriere setzte, war sichtlich einverstanden.Bemerkenswert am Rande: Frank Heidger und seine Hutzel-Ducati fanden sich einmal auf Platz zehn und Platz neun wieder, Schmids Teamkollege Jonnie Ekerold verabschiedete sich in Lauf eins zwar mit einem Highsider, landete im zweiten Rennen jedoch auf Platz sieben. Über den Ausgang der Meisterschaft gibt es derzeit keine klaren Erkenntnisse: Drei Fahrer – Lindholm, Meklau und Schmid - haben in jedem Rennen gepunktet. Sechs stehen noch aus. Was Andreas Meklau abends in der Box orakeln ließ: »Ich glaub´, die Entscheidung fällt beim Finale am 29. August in Lahr.“

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote