Probleme mit Dunlop GP Racer D 208 (Archivversion)

Nachspiel

Rückblende: Am 6. Mai löst sich bei MOTORRAD-Messfahrten auf der A 81 mit der MV Agusta F4R 312 die Lauffläche des hinteren Rennsportreifens Dunlop GP Racer M D 208 auf. Nach gerade mal 155 Kilometer Autobahnfahrt, keineswegs nur bei Topspeed, siehe MOTORRAD 12/2007. »M« steht für Medium und meint die mittlere Mischung. Vielleicht zu weiche?
Zunächst erhält MV Agusta den Reifen zur Prüfung. Von dort geht er an Dunlop, ebenso das Testmotorrad. Erst am 20. Juni trifft nach Testfahrten des Reifenherstellers eine Stellungnahme bei MOTORRAD ein, siehe unten. Darin räumt Dunlop Probleme im Hochgeschwindigkeitsbereich ein. Und bietet Fahrern der MV Agusta F4 R 312 gratis einen Tausch gegen andere Reifen an. MV hatte bereits zuvor bei Reklamationen von Kunden kostenlos einen Satz Pirelli-Reifen übergeben. Der GP Racer D 208 ist übrigens auf keinem anderen Motorrad für den Straßeneinsatz freigegeben.
Was bei all dieser schwarzen Magie zu denken gibt: Auf der Flanke eines jeden Reifens prangt ein Geschwindigkeitsindex, siehe Tabelle. Im Fall des D 208 ein W in Klammern für über 270 km/h. Das sagt aber nichts darüber aus, wie lange dieser Reifen welches Tempo – 275 oder 312? – aushält. Das muss der Fahrzeughersteller ermitteln, da die Tragfähigkeit mit der Geschwindigkeit rapide sinkt. So trägt ein Hinterreifen der Dimension 170/60 ZR 17 bei 240 km/h noch 355 Kilogramm, bei Tempo 280 dagegen bloß 231 Kilo.
Vielleicht wäre MV Agusta gut beraten, an den alljährlichen Reifenfreigabetests im spanischen Idiada teilzunehmen. Dort testen Reifen- und Motorradhersteller gemeinsam Handling, Grip, Stabilität und Shimmy. Und fahren intensiv im sieben Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsoval. MV setzt dagegen auf eigene Tests. Dabei wird im Lauf von zwei Kilometern im sechsten Gang von 50 km/h auf Vmax beschleunigt und diese für 1000 bis 1500 Meter gehalten. Danach wird für drei bis vier Kilometer 250 km/h gefahren, ehe das (offensichtlich nicht praxisgerechte) Verfahren mehrfach wiederholt wird. tsr
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Stellungnahme von Goodyear Dunlop Europe (Archivversion)

Wie Sie wissen, war der GP Racer D 208 ursprünglich für den ausschließlichen Einsatz auf der Rennstrecke konzipiert worden – im Gegensatz zum Reifen von Pirelli, den Sie im weiteren Testverlauf eingesetzt haben. MV Agusta hat sich aufgrund der ausgezeichneten Handling-Eigenschaften des Dunlop-Reifens nach intensiven Tests entschieden, seine MV Agusta F4 R 312-Modelle ab Werk mit dem Dunlop GP Racer D 208 auszustatten.
Der vorgesehene Einsatz der MV Agusta F4 R 312 sind nicht dauerhafte Hochgeschwindigkeitsfahrten auf Autobahnen, sondern hauptsächlich genussorientierte Fahrten mit rennähnlichen Situationen – Fahrten, bei denen die Beschleunigung und Beweglichkeit des Motorrads im Mittelpunkt stehen. (...)
Wir sind überzeugt, dass Ihr Test nicht repräsentativ für ‚normale‘ Fahrbedingun-gen ist. Wir haben Ihren Test wiederholt und haben – obwohl wir nicht zu den genau gleichen Ergebnissen wie Sie gekommen sind – dennoch deutliche Abnutzungserscheinungen festgestellt. Wichtig ist, dass dies weder zu einem Luftdruckverlust noch zu einem Ablösen der Lauffläche oder zum sogenannten Chunking geführt hat. Wir möchten betonen, dass es kein Sicherheitsproblem bei diesem Reifen gibt. Dennoch – wie Sie korrekt in Ihrem Artikel ausgeführt haben – möchten wir, dass sich Motorradfahrer auf Dunlop-Reifen in jeder Situation hundertprozentig sicher fühlen. Daher haben wir uns entschieden, die Reifen kostenlos auszutauschen. Die Testverfahren für Ersatzprodukte stehen kurz vor dem Abschluss, sodass wir in Kürze eine Empfehlung aussprechen werden. MV-Besitzer werden von MV Agusta schriftlich informiert, wie sie die Reifen austauschen können.

Alessia Riboni, MV Agusta Marketing and Communication Coordinator MV Agusta
Motor Spa; Chris Aked, Director Communications Goodyear Dunlop BV Europe

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