Reportage: PS fährt Triumph Street Triple-Cup Cup-Angebote in Deutschland genauer beleuchtet

Der Triumph Street Triple-Cup ist mit vier Jahren ein noch ziemlich junger Marken-Cup. Trotzdem erfreut er sich großer Beliebtheit. Und wenn das Motorrad vielleicht nicht auf Anhieb danach aussieht, die Streety ist ein klasse Racer, wie PS-Cup-Checker René Raub feststellte.

Foto: racepixx.de

Das Gas ist leicht gespannt, die Kupplung kurz vor dem Schleifpunkt, der Blick ist starr auf das Rotlicht gerichtet. Die Anspannung ist plötzlich wie weggeblasen - volle Konzentration auf den entscheidenden Augenblick. Die Startampel erlischt, und sofort befinde ich mich inmitten einer Meute von 32 kampflustigen Triumph Street Triple-Racern, die sich alle auf -ihren rennfertig gemachten Bikes in die erste Kurve werfen.

Das ist mein erster Start mit einem Dreizylinder, und der gelingt von Startplatz vier wirklich prima. Bis zum Anbremsen der ersten Kurve bin ich sogar in Führung. Dann aber schlüpft Ex-IDM-Pilot Pascal Eckhardt durch. Ich versuche, an ihm dran zu bleiben, aber wenige Kurven später kommt auch noch René Schmidt vorbei. In Runde zwei schnappt mich außerdem der mau gestartete Frank Heidger, und schließlich klemmt sich der Eidgenosse Erich Peter gleich darauf eingangs der Triple-Linkskurve vor mich. Es kostet dann einige Mühe, den Rückstand auf diese schnellen Jungs nicht zu groß werden zu lassen. Leider ist aber bald auf der gesamten Start-Ziel-Geraden niemand mehr vor mir zu sehen. Fünfter Platz - auch nicht schlecht auf einem ungewohnten Motorrad in dem großen Starterfeld, denn auch die Piloten hinter mir geben ordentlich Gas. Die ersten 16 -Fahrer bleiben bei diesem Rennen in Oschersleben unter 1.40 min. Mit solchen Rundenzeiten wäre noch vor wenigen Jahren ein Startplatz in den Top Ten der Langstrecken-WM an gleicher Stelle drin gewesen. Wohl-gemerkt: mit 105 PS aus 675 Kubik, mit -hohem und breitem Lenker, ohne -Verkleidung und mit handelsüblichen Bridgestone R10-Pellen. Hut ab vor den Cup-Fahrern, aber es zeigt auch, wie ausgewogen die Cup--Maschine ist. Die Street Triple ist überhaupt ein super einfach zu fahrendes Motorrad - auch und gerade auf der Rennstrecke, weshalb sie wohl eher Track Triple statt Street Triple heißen müsste. Sie überfordert ihren Piloten nie, hat -tolle, standfeste Bremsen, hängt spontan am Gas und hat für ein Motorrad, dessen Antrieb aus einem Supersportler stammt, einen richtig guten Durchzug aus mittleren Drehzahlen. Lediglich das Vorderradgefühl in Kurven könnte besser sein. Das ist aber durch den hohen, breiten Lenker auch bauartbedingt. Trotzdem kommt man richtig schnell auf gute Runden-zeiten. Nur die letzten ein oder zwei -Sekunden zur absoluten Spitze sind dann schwieriger zu finden und bedürfen einiger Erfahrung im Umgang mit der Maschine im Grenzbereich.

Ich habe mich mit dieser fünften Position also schon angefreundet, als ich vier Runden vor Rennende wieder Erich Peter vor mir sehe. Die Lücke wird sogar noch kleiner - in so einem Moment leckt jeder Rennverrückte wieder Blut. Schöner kann Rennfahren eigentlich nicht sein. Ich schalte den Sicherheitsmodus wieder aus und fange an zu pushen. Eingangs der letzten Runde ist Peters Vorsprung auf zirka 75 Meter geschrumpft. Ich gebe auf der Triple wirklich alles und komme in jedem Streckenabschnitt ein Stück -näher. Jetzt durch das Shell-S - noch 15 Meter. Mit viel Risiko nehme ich die nächste, etwas hängende Rechtskurve. Und tatsächlich habe ich dann beim Anbremsen auf die letzte Kurve des Rennens meine erste und einzige Angriffsmöglichkeit. Entschlossen sage ich mir: „Egal was jetzt passiert: Ich brems später.“ Der völlig überraschte Erich Peter wird es durch die Kurve auf Start-Ziel hinaus sicher noch einmal probieren, aber ich komme gut um das letzte Eck. Vierter Platz, riesige Freude, großer Spaß.

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Foto: racepixx.de

Das Rennen gewinnt Pascal Eckhardt vor Frank Heidger und René Schmidt. Geradezu sensationell ist aber die schnellste Rennrunde von 1.34.758 min, gefahren von Haudegen Frank Heidger, der den Street Triple-Cup bereits zweimal gewinnen konnte.

Nach dem Rennen gibt es abends eine zünftige Siegerehrung unterm Cup-Zelt. Die Fahrer samt Anhang sitzen locker beisammen, und die Extrovertierten unter den T-Cuppern sorgen mit den üblichen mächtigen Sprüchen für Gelächter. Immerhin 15 Pokale gilt es zu verteilen. Gewertet wird im T-Cup nämlich in zwei verschiedenen Leistungsklassen. Fünf Pokale erhalten die ersten der „Pro“-Wertung. Das sind eingeschriebene Fahrer mit einer A-Lizenz oder Vorerfolgen in ihrer bisherigen Motorradlaufbahn. Die anderen zehn Pokale erhalten die Besten der sogenannten „Am“-Wertung (für Amateur), in der die weniger erfahrenen Piloten unterwegs sind. Diese Unterteilung motiviert die Fahrer im Mittelfeld zusätzlich, die sonst weniger Chancen auf Podestplätze hätten. Vorrangiges Ziel für alle im T-Cup aber bleibt der Spaß am Rennen fahren. So richtig verbissen läuft keiner durch die Gegend und auf der Strecke wird fair miteinander umgegangen. So können alle nach der Sieger-ehrung zusammen ein gemeinsames Abend-essen genießen, das es mit Unterstützung des Cup-Helmsponsors an jedem Rennwochenende gibt. Sollte es -wegen Unstimmigkeiten doch einmal Klärungsbedarf geben, entscheidet man solche Sachen in einer Fahrerbesprechung. Da haben die Piloten sogar ein Mitspracherecht bezüglich der künftigen Austragungsbedingungen oder bei der Wahl der Strecken für die Rennen.

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Ein weiterer Vorteil des T-Cups sind die Doppelrennen; an jedem Rennwochenende finden zwei Läufe statt. Und das blüht auch mir, weshalb ich am Sonntagvormittag an selber Stelle zum zweiten Mal auf das Erlöschen der Startampel warte. Wieder komme ich traumhaft weg und fliege als Führender auf die erste Kurve zu, aber dann beginnt das alte Spiel. Das Rennen ist fast eine Kopie des ersten Laufs: Eckhardt, Heidger, Schmidt und Peter klemmen sich vorbei und verschwinden auch bald wieder aus meinem Sichtfeld. So sehr ich mich auch wieder anstrenge, Erich Peter am Schluss vielleicht erneut einzuholen, diesmal ist der Schweizer für mich unantastbar. So fahre ich einen ungefährdeten fünften Platz in einem tollen Fahrerfeld nach Hause. Am Nachmittag gibt es dafür -sogar noch einen schönen Pokal als bester Gaststarter von Cup-Chef Matthias Schröter. Danach fahre ich mit etwas Wehmut wieder nach Hause, denn ich habe mich an diesem Wochenende richtig wohl gefühlt und war selten so entspannt auf der Rennstrecke. Es hat riesigen Spaß gemacht, Teil der T-Cup-Familie sein zu dürfen. Aber das Cup-Checker- Abenteuer geht weiter. Jetzt wartet die BMW Ende August in Schleiz.

Cup-Checker-Fakten

Positiv

  • Wertung je nach Fahrkönnen in zwei verschiedenen Klassen
  • Zwei Rennen je Veranstaltung
  • Zusätzliche Trainingsmöglichkeit durch Veranstaltung im Rahmen von freien Renntrainings Günstiges Cup-Paket: inkl. Motorrad, Racing-Teile, Helm etc. 10 490 Euro
  • Teilnahme auch mit bereits vorhandenem Motorrad möglich Mitbestimmung der Fahrer bezüglich der Austragungsbedingungen oder der gefahrenen Strecken
  • Sehr kameradschaftlicher Umgang unter den Fahrern

Negativ

  • Kein Einführungstraining (ist für 2013 geplant)

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