PS LSL-X-Lite-Team bei den 24 Stunden von Le Mans Dramatik pur beim Langstrecken-Klassiker

Dramatischer und emotionaler hätte das Ende der Saison beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans für das Team PS LSL X-Lite nicht ausfallen können. Nach einem Sturz in der Nacht bewiesen Fahrer wie auch alle anderen Teammitglieder wahres Stehvermögen und avancierten bei dem legendären Langstreckenklassiker zu den heimlichen, aber wahren Helden.

Foto: Eichhorn

Die erste Hürde, die Qualifikation zum großen Auftritt in Le Mans, ist am Freitag morgen geschafft. Das Team 161 kann zum Höhepunkt der Saison, beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans, antreten und steht als 51. in der Startaufstellung. Nach feierlicher Eröffnung mit den Nationalhymnen aller teilnehmenden Teams/Fahrer singen 100000 Kehlen die Marseillaise, ein Moment zum Gänsehaut kriegen. Um Punkt 15 Uhr ist es endlich soweit, das wohl legendärste Motorrad-Langstreckenrennen wird gestartet.

Wichtig dabei ist, als Fahrer schnell seinen Rhythmus zu finden. Leider wird das Team von PS LSL-X-Lite bereits nach vier Runden erstmals gefordert, als die Bremsanlage aus unerklärlichen Gründen nicht den nötigen Bremsdruck aufbaut. Nach einem längeren Stopp, bei dem die komplette Bremsanlage getauscht werden muss, geht’s zurück auf den heiligen Asphalt von Le Mans. Alle drei Fahrer (René Raub, Uwe Seitz und Stefan Genscher) sind gut aufgelegt und fahren gute Rundenzeiten.

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Foto: Eichhorn

Dann der Schlag in der Nacht: Uwe Seitz wird von einem Mitstreiter aus dem Sattel der #161 geholt. Resultat: Gabel und obere Gabelbrücke gebrochen, Vorderradfelge völlig verbogen, die Kunststoffteile hängen zum Teil lose herunter. Team Administrator Jochen Schmitz-Linkweiler: "Ich kenne niemanden, der auch nur auf die Idee gekommen wäre die Maschine als Schubkarre zurück zur Box zu tragen". Jeder andere hätte die logische Konsequenz gezogen und aufgegeben, nicht Uwe Seitz! Unter enormen Kraftaufwand und mit unbändiger Energie packt der PS-Chefredakteur das Wrack, an den Hörnern, sprich am Lenkkopf und schiebt die ZX-10R rückwärts auf dem Hinterrad bis zur Boxengasse.

Im Livestream sehen wir in der Box, wie er sich abmüht, immer wieder einbricht und immer wieder anpackt – 38 Minuten braucht er für etwa 700 m, um die Maschine unter frenetischem Jubel der 220000 Fans, die das Spektakel auf Großleinwänden hautnah mitverfolgen können, bis zur Boxengasse zu bringen!

Ab da dürfen (jeweils zwei) Teammitglieder helfen, die #161 in die Box zu tragen. Das Reglement schreibt allerdings vor, dass dies nur mit einem auf dem Motorrad sitzenden Piloten geschehen darf, mit Helm auf und Handschuhen an. Ein Kraftakt erster Güte, bei dem sich die beteiligten "Träger" abwechseln. Hier das Video zum Kraftakt:


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Foto: Eichhorn

In einer unglaublichen Teamarbeit bauen die Mechaniker das Motorrad in Rekordzeit von einer Stunde komplett neu auf. Während dessen machen sich der Team-Manager Marco Apel und Fahrwerks-Ingenieur Jochen Schmitz-Linkweiler ernste Gedanken um das Chassis. Hat der Rahmen was abbekommen, ist vielleicht sogar der Rahmenkopf angerissen? Nach der Leistung des Teams mag keiner die Entscheidung zum "Aus" fällen, aber die Sicherheit der Fahrer muss Vorrang haben. Eine genaue Analyse der Gabel lässt hoffen. Ein Gabelrohr ist durchgerutscht und hat die Krafteinleitung an die obere Gabelbrücke abgeleitet, die andere Seite der unteren Gabelbrücke ist schön tordiert und konnte Energie aufnehmen. Gemeinsam wird entschieden wir gehen wieder raus.

Foto: Eichhorn

René Raub übernimmt die Aufgabe der Testfahrt und soll direkt nach einer Runde wieder rein kommen, alle sind gespannt und beim Reinkommen geht als erstes sein Daumen hoch und der Kommentar "fährt wie vorher" erleichtert das Team. Das unermüdliche Schaffen hat sich gelohnt - #161 rennt wieder! René Raub und Stefan Genscher schwingen sich noch einmal zu wahren Höchstleistungen auf. Stunde für Stunde wechseln sie sich ab und fahren das Rennen zu Ende.

Vollkommen ausgepowered bringt Rene die #161 um 15 Uhr über die Zielgeraden. Das ganze Team ist aus dem Häuschen. Das Resultat war ein phantastischer 3. Platz in der Klasse Open und 39. im Gesamtklassement. Auch Gesamtsieg ging an ein Kawasaki Team, die Mannschaft von FRC Kawasaki (France) auf Ninja ZX-10R.

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