Rädervergleich in Bezug auf Fahrleistungen: Aprilia RSV mille und mille R (Archivversion) Der richtige Dreh

Leichte Räder bringen speziell beim Motorrad unbestrittene Vorteile in der Fahrdynamik. Doch welchen Einfluss üben sie auf die Fahrleistungen aus?

Leichte Räder wirken sich dank geringer Kreiselkräfte positiv auf die Handlichkeit aus, eine Tatsache, die MOTORRAD mehr als einmal eindrücklich unter Beweis gestellt hat. Dank geringer ungefederter Massen kann der Konstrukteur zudem die Druckstufendämpfung niedrig wählen. Das kommt wiederum dem Ansprechverhalten der Federelemente zugute. Doch darüber hinaus wogt selbst unter Fachleuten immer wieder die Diskussion, ob und wenn ja, wie viel leichte Räder die Fahrleistungen verbessern. Denn bei identischer Massenverteilung hat ein leichteres Rad auch ein geringeres Massenträgheitsmoment. Und mit dem verhält es sich ähnlich wie mit der Masse. Für die muss eine Kraft aufgebracht werden, um sie in Bewegung zu versetzen, bei einem Rotationskörper ist ein Drehmoment nötig, um ihn ins Rollen zu bringen. Der Motor muss also nicht nur Leistung generieren, um die Fahrzeugmasse samt Fahrer zu beschleunigen, sondern auch den rotierenden Teilen von der Kurbelwelle bis zu den Rädern den richtigen Dreh zu geben. So weit die Theorie. Aber lassen sich Differenzen in den Fahrleistungen von identischen Motorrädern mit unterschiedlich schweren Rädern überhaupt messtechnisch erfassen? Als ideale Ausgangsbasis bietet sich hierfür die Aprilia RSV mille R an. Während ihre zivile Schwester Mille mit gegossenen Rädern vorlieb nehmen muss, hat die Edelvariante geschmiedete Räder. Das sorgt für einen Gewichtsbonus von 0,6 respektive 1,7 Kilogramm an Vorder- und Hinterrad. Das von MOTORRAD ermittelte Massenträgheitsmoment beider Räder steht im selben Verhältnis wie die Gewichtsersparnis (siehe Kasten). Das bedeutet, dass sie auch eine vergleichbare Massenverteilung von Nabe und Felge haben. Im Gegensatz dazu wiegt das Vorderrad der Buell XB9R zwar noch mal 800 Gramm weniger als das Mille-R-Rad, hat aber aufgrund einer ungünstigenen Massenverteilung nahezu das gleiche Massenträgheitsmoment. Ganz offensichtlich bewirkt die einzelne, allerdings mit 375 Millimetern riesige Bremsscheibe eine in Richtung Felge verlagerte Massenkonzentration. Letztlich können jedoch nur aufwendige Berechnungen oder exakte Messreihen Klarheit verschaffen. Bei der Beschleunigung der Mille R, einmal mit den leichten Serienrädern, das andere mal mit denen der normalen Mille, lassen sich bis 160 km/h keine Unterschiede herausfahren. Das überrascht nicht, da der Motor im unteren Geschwindigkeitsbereich so viel Leistungsüberschuss hat, dass der Fahrer über den Gasgriff die Leistung begrenzt, um die Rolle rückwärts zu verhindern. Über 160 km/h zeigen die leichteren Räder dann Wirkung. Während bis 180 km/h der Unterschied nur eine Zehntelsekunde beträgt, öffnet sich die Schere bis 220 km/h immerhin um fünf Zehntel. Das klingt im ersten Moment zwar nicht weltbewegend, doch mit leichten Räder bestückt, beträgt der Vorteil gegenüber den schwereren Rädern von 160 bis 220 km/h immerhin 28 Meter Weg. Beim Durchzug ab 60 km/h setzen sich die geschmiedeten Räder bereits bei 100 km/h in Szene, wenn auch nur mit 0,1 Sekunden. Zwischen 100 und 220 km/h distanziert die leichtbesohlte Mille ihre Konkurrentin Zehntel um Zehntel, die sich bei 220 km/h auf 0,6 Sekunden summieren. Oder anders herum: Reißen beide Fahrer bei 60 km/h im letzten Gang gleichzeitig die Drosselklappen auf, erreicht die Mille mit den leichteren Rädern 55 Meter früher die 220-km/h-Marke. Werte also, die nur auf der Autobahn das letzte Quäntchen bringen. Oder auf der Rennstrecke. Dort können sie freilich über Sieg oder Niederlage entscheiden.

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