Rahmenreparatur (Archivversion) Was tun, wenn nach einem Crash der Lenkkopf oval ist?

Zwei Möglichkeiten zum TÜV-konformen Richten von Aluminium-Rahmen

Bei Leichtmetallrahmen beschränken sich die Reparatur- beziehungsweise Richtarbeiten ausschließlich auf den Lenkkopfbereich. Das kann viele Rahmen retten, denn im Gegensatz zu Stahlrahmen schlagen bei Unfällen mit Aluminium-Rahmen häufig nur die Sitze der Lenkkopflager aus - sie werden oval. Speziell dann, wenn so gewaltige Kräfte auftreten, daß die Standrohre völlig verbiegen oder gar abreißen.Andererseits genügt manchmal ein simpler Umfaller des Motorrads - und der Lenkanschlag ist beschädigt. Da sich der Anschlag direkt am Lenkkopf befindet, wird wegen der Hebelwirkung automatisch auch der Lagersitz in Mitleidenschaft gezogen. Während die Ovalität nicht als Totalschaden betrachtet wird, genügt strenggenommen bereits ein verbogener oder abgebrochender Lenkanschlag, um den Rahmen spätestens bei der nächsten Hauptuntersuchung aus dem Verkehr zu ziehen.Um ovale Lenkkopflagersitze wieder ordnungsgemäß rund zu bekommen, gibt es zwei vom TÜV abgesegnete Vorgehensweisen. Die Firma Treiber (Telefon 040/662600) dreht die ovalen Lagersitze auf und gleicht den nun größeren Durchmesser durch aufgechromte Standard-Lagersitze wieder aus. Die Grenze des Möglichen liegt hier bei 0,8 Millimeter Ovalität. Die Reparatur kostet je nach Aufwand zwischen 380 und 550 Mark, Geometrie-Korrekturen nimmt Treiber nicht vor.Im Gegensatz zur Firma Köster (Telefon 08330/772). Köster hat sich ein Aluminium-Schweißverfahren vom TÜV genehmigen lassen, das nach aufwendigen Werkstoffuntersuchungen keine Schwächung des reparierten Lenkkopfs nach sich ziehen soll. Sein Problem: Das TÜV-Gutachten basiert nicht auf dem Fahrzeugtyp, sondern auf dem verwandten Werkstoff. Da sich die Hersteller jedoch hüten, die genauen Legierungsbestandteile ihrer Aluminium-Rahmen bekanntzugeben, muß Köster für jede neue Rahmen-Legierung das Genehmigungsverfahren wiederholen lassen - Kosten: jeweils rund 30000 Mark. Bislang darf das Verfahren nur an Aluminium-Rahmen von Yamaha (FZR 1000) und Suzuki (GSX-R 750 und 1100) angewendet werden. Auch abgerissene oder verbogene Lenkanschläge können übrigens von ihm geschweißt werden.Zunächst erhalten bei Köster die ovalen Lagersitze durch eine Aufschweißung ordentlich »Fleisch«. Anschließend werden in mehreren Arbeitsschritten die Lenkkopflager ausgedreht. Damit wieder die exakten Werte für Sturz, Spur und Lenkkopfwinkel erreicht werden, sind recht aufwendige Vermessungen und Spannvorrichtungen nötig. Je nach Aufwand können für diese Arbeiten Kosten von bis zu 1000 Mark entstehen - dennoch, bei Preisen von bis zu 4000 Mark für einen neuen Leichtmetall-Rahmen allemal eine Überlegung wert.Richtarbeiten an Rahmenzügen aus Aluminium, womöglich auch noch bei eingebautem Motor, sind nicht zulässig. Der einleuchtende Grund: Die Richtarbeiten können leicht Veränderungen im Werkstoffgefüge nach sich ziehen - die urplötzlich zum Bruch der betreffenden Rahmenteile führen können. Aus diesem Grund geben sämtliche Motorrad-Hersteller keine Richtarbeiten an Zügen von Aluminium-Rahmen frei.

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