Rahmenreparatur (Archivversion) Krumm oder nicht krumm? Methoden der Vermessung

Ausgerechnet die ungenaueste Meßmethode ist die verbreiteste.

Schon seit rund 20 Jahren werden Motorrad-Rahmen mit der AZT-Prüflehre (Allianz-Zentrum für Technik) vermessen. Sie besteht aus einem Hilfsrahmen, auf dessen Ausleger Skalen für Längen- und Winkelmessung angebracht sind. Das Prinzip: Die Hersteller nehmen einen neuen Rahmen, montieren die Lehre mittels zwei Zentrierdornen oben und unten am Steuerrohr und justieren die Lehre anschließend so, daß die Meßdorne in den Schlitten auf den Auslegern beidseitig in die Mitte der Schwingenachse zeigen. Die so eingestellten Werte werden von den Skalen abgelesen und in ein Meßblatt eingetragen. Der Rahmenvermesser geht dann den umgekehrten Weg: Er baut die Lehre an, stellt sie nach den Werten dieses Meßblatts ein und prüft, ob die Spitzen der Meßdorne auf die Schwingenachse zentriert sind (erlaubt ist eine Toleranz von bis zu sechs Millimetern). Die Haken an dieser Methode: Die Zentrierdorne lassen sich durch die häufig unbearbeitete Bohrung in der unteren Gabelbrücke nicht zuverlässig justieren, oder das Lenkrohr ist ganz anders als der Steuerkopf verformt. Außerdem kann sich sogar der Hilfsrahmen der Lehre selbst verformen.Wesentlich genauer ist das Meßverfahren nach Köster (Telefon 08330/772). Am Lenkkopf des Fahrzeugs wird ein Meßlineal angebracht. Auf diesem Lineal läuft ein drehbar gelagertes Laserstrahlgerät mit digital erfaßtem Drehwinkel. Damit wird ein durch die Schwingenachse gesteckter Meßdorn angepeilt, daraus ergeben sich die zugehörigen Strecken und Winkel. Nach Eingabe der Werte in ein Computer-Meßprogramm spuckt der Rechner die Abweichungen von den Sollwerten aus.Eine weitere Methode hat die Firma Scheibner Meßtechnik (Telefon 0531/790259) entwickelt - das »m.a.x.-Vermessungsystem«. Hier muß lediglich ein Meßbügel mit zwei integrierten Meßkameras mittels Zentrierdornen in der Schwingenachse befestigt werden. Diese Kameras verfolgen den Weg zweier Meßmarken eines Zielkörpers von Lenkanschlag zu Lenkanschlag, wobei der Zielkörper irgendwo an der Gabelbrücke befestigt werden kann. Aus dieser Kreisbahn berechnet der Computer nach dem Prinzip der Satellitennavigation die Stellung der Lenk- im Bezug zur Schwingenachse.Eine Rahmenvermessung kostet, je nach verwendeter Methode, zwischen 150 und 400 Mark. Tip: Nach einem Crash sollte der unfallgeschädigte Kunde auf eine elektronische Vermessung bestehen. Die meisten Versicherungen spielen hier mittlerweile mit.

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