Rahmenreparatur (Archivversion) Zieh, Mutter

Ist der Rahmen verzogen, muß kräftig und mit Know-how gezogen werden, um dem ungezogenen Teil Manieren anzuerziehen.

Eins vorneweg: Auch wenn theoretisch fast jeder krumme Rahmen wieder in die ursprüngliche Form gebracht werden könnte - bei sichtbaren Schäden wie Rissen, Beulen, Stauchungen und Knicken gelten die Rahmen als Schrott. Und Richtarbeiten an Aluminium-Rahmen sind grundsätzlich nicht zulässig. Die Firmen Köster und Treiber (siehe Kasten »Was tun...«) haben jedoch verschiedene Verfahren entwickelt, um zumindest die Beschädigungen des Lenkkopfs TÜV-gerecht zu beseitigen.Prinzipiell kann und darf jeder handwerkliche Betrieb die verzogenen Stahl-Rahmen wieder in Form bringen. Ein klar definiertes Berufsbild gibt es bislang nämlich nicht. Im Gegensatz zum Pkw-Bereich, wo nur speziell ausgebildete Fachkräfte die Fahrwerkseinstellungen wie Spur, Sturz und Nachlauf einstellen dürfen. Angesichts der ungleich höheren Abhängigkeit der Fahrstabilität eines Motorrads von diesen Größen ein sehr bedenklicher Zustand.Viele der sogenannten Fachbetriebe arbeiten mit roher Gewalt, um die vorgegebenen Toleranzwerte des Rahmens zu erreichen. Obwohl die Hersteller Richtarbeiten mit eingebautem Motor ablehnen, wird mancherorten keine Rücksicht darauf genommen. Daß in diesen Fällen ungleich höhere Kräfte eingeleitet werden müssen, dürfte auch dem Laien klar sein. Zwar werden trotz der auftretenden Verspannungen die geforderten Toleranzwerte erreicht, nur leider auf Kosten neuer Verspannungen. Und die können im Extremfall zu urplötzlichen Rahmenbrüchen mit fatalen Folgen führen. Die viel höheren Verformungskräfte bei Richtarbeiten mit eingebautem Motor beschädigen außerdem die Paßsitze im Lenkkopf, wo der größte Teil der Kräfte eingeleitet wird.Die große Kunst des Rahmenrichtens besteht darin, anhand der meßbaren Verformungen genau zu ermitteln, aus welcher Richtung die Schadenkräfte eingeleitet wurden und an welcher Schwachstelle der Rahmen diesen Kräften nachgegeben hat. Und genau dort muß dann in entgegengesetzter Richtung die Rückformung erfolgen. Normalerweise wird dazu mit gezielter Wärmeeinleitung gearbeitet - was bei eingebautem Motor kaum möglich ist.Aber was nützen die ganzen Richtarbeiten, wenn die Toleranzangaben der Hersteller derart breit gefächert sind, daß sogar mit bloßem Auge feststellbare Spurfehler noch zulässig sind. Eine Abweichung von plus/minus sechs Millimeter zwischen Schwingenachse und Lenkkopf zu den tatsächlichen Konstruktionsmaßen ist innerhalb des zulässigen Bereichs (siehe auch Kasten »Krumm oder nicht krumm?«). Das Problem an diesem Toleranzwert ist die Tatsache, daß die fahrwerksrelevanten Größen nicht einzeln betrachtet werden, sondern alle möglichen Einzelabweichungen in einen Topf geworfen werden. Das heißt im Klartext: Der Rahmen könnte verbogen sein wie eine Banane. Solange sich bei Verformungen die Abweichungen von Spur, Sturz und Nachlauf gegenseitig aufheben, darf das Motorrad weiterhin am Straßenverkehr teilnehmen - Hauptsache, die Gesamtverformung liegt innerhalb der Sechs-Millimeter-Toleranz.Einige Hersteller wie BMW, Suzuki oder Triumph distanzieren sich mittlerweile von dieser Regelung. Sie geben für ihre neueren Fahrzeuge geringere Grenzwerte an und empfehlen eine gesonderte Betrachtung der einzelnen Geometriedaten. Ein Schritt in die richtige Richtung. Schließlich sind die Fertigungstoleranzen bei Motorrad-Rahmen durch die Automatisierung in den letzten Jahren nahezu auf Null zurückgegangen.

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