Rallye Dakar 2007: Zwischenstand (Archivversion) KTM-Bruderkampf

Fast mutete es wie eine Höflichkeitsadresse gegenüber Gastgeber Portugal an, von dessen Hauptstadt Lissabon aus am 6. Januar die unerschrockenen Wüstenfahrer auf die fast 9000 Kilometer lange Strecke nach Dakar im Senegal geschickt wurden: Etappensieg am ersten Tag für den Portugiesen Ruben Faria vor seinem Landsmann Helder Rodrigues, das gleiche Spiel, wenn auch in umgekehrter Reihenfolge, nach der zweiten Etappe. Damit durften Rodrigues und Faria als Gesamt-Führende die Fähre nach Nador in Marokko entern. Dass beide eine Yamaha WR 450 F pilotierten, sorgte dafür, dass das Thema Außenseiter-Erfolge bei der Dakar 2007 noch auf europäischem Boden abgehakt werden konnte.
Denn es bedurfte offensichtlich nur des Afrika-Ambientes, um die seit Jahren siegreiche KTM-Werks-Truppe wachzurütteln, die mit insgesamt sieben Fahrern auf der neuen KTM 690 Rally sowie einem offi-
ziellen Piloten auf der 660 Rally angetreten war. Mit Vorjahressieger Marc Coma als Chef des Repsol-Teams und Cyril Despres, Gewinner der Dakar 2005, als Boss der Gauloises-Mannschaft reduzierten sich Spekulationen über mögliche Sieger auf die bekannte Fragestellung, ob nun eine Werks-KTM in Repsol-Orange oder eine im Gauloises-Blau als erste Dakar erreichen würde. Marc Coma machte seine Titelansprüche deutlich und übernahm mit zwei Etappensiegen die Gesamtführung, die er bis zur achten von insgesamt 15 Tagestouren nicht mehr abgab.
Allerdings wurde er dadurch begünstigt, dass Despres am dritten Tag ein Getriebeschaden ereilte. Der zwang den Franzosen, 200 Kilometer im ersten Gang zurückzulegen. Immerhin war sein Teamkamerad Isidre Esteve Pujol in Schlagdistanz zu Coma geblieben und konnte zeitweilig gar in Führung gehen. Aber während der achten Etappe erlitt seine 690 Rally denselben Defekt wie zuvor Despres’ Maschine – er hatte 360 Kilometer im ersten Gang vor sich, rutschte vom zweiten auf den achten Rang ab. »Wenigstens hatte ich Zeit, mir die Landschaft anzuschauen«, flachste er.
Weniger beachtet blieben Pleiten, Pech und Pannen, die sich in den Kreisen der Privatfahrer abspielten. Zum vierten Mal hatte sich der Regensburger Saatgut-Fabrikant Norman Kronseder in Richtung Dakar aufgemacht, zum ersten Mal wollte er dieses Jahr das Ziel erreichen. Doch es sollte nicht sein. »Die Dakar liebt mich nicht«, stellte er ernüchtert fest. Auf der vierten Etappe blieb an seiner KTM die Zündung weg. »Ein Geber an der Zündspule war defekt, wir haben eine Stunde geschraubt.« Die Reparatur hielt nur bis zur dritten Düne, auf der Kronseder übernachten musste.
Bester Dakar-Teilnehmer mit deutscher Staatsbürgerschaft ist bisher Ragnar Kater-
bau, 41 Jahre alt, in Brüssel geboren, in Holland zu Hause. Sein Platz in den Top 100 von rund 250 Startern wurde auch durch einen leichten Sturz auf der Etappe vor dem Ruhetag in Atâr nicht gefährdet. Dagegen müssen Patricia Watson-Miller, Tochter des deutschen Wüsten-Veteranen Herbert Schek, und Dakar-Neuling Werner Pfeuffer noch kämpfen, um in die zweistelligen Bereiche der Rangliste vorzustoßen. Der 37-jährige Pfeuffer hatte das nach Etappe sieben zwischenzeitlich geschafft, obwohl durch einen Sturz seine Navigationsinstrumente ausgefallen waren und er sich deshalb Watson-Miller anschloss. Die beiden haben sich beim Rally-Raid-UK-Team eingekauft, das den gemeinsamen Mechaniker transportiert.
Auch die 29. Ausgabe der Dakar-Rallye blieb nicht verschont: Auf der vierten Etappe stürzte der südafrikanische KTM-Pilot Elmer Symons zu Tode. Der 29-Jährige lebte in den USA, wo er als Halbprofi erfolgreich Offroad-Rennen bestritt. abs

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