Rallye Granada-Dakar: Vorschau (Archivversion) Die Wüste lebt

Ein riesiger Troß startet am Sylvestermorgen zum Wüstenmarathon durch sechs afrikanische Länder. Zwischen Ein- und Zweizylindern wird ein spannender Wettlauf erwartet.

Keine drei Jahre ist es her, da stand der Mythos »Dakar« kurz vor dem Aus. Gerade noch sechzig Fahrer und ein paar hundert Zuschauer verloren sich beim Start in Paris.Inzwischen erfreut sich das spektakuläre Wüstenrennen wieder großer Beliebtheit. Stolz verkündete Ende Oktober die veranstaltende Thierry Sabine Organisation (TSO) daß sie an ihre Eingangstür ein Schild mit der Aufschrift »Complet« gehängt habe. 140 Fahrer hatten bis dahin genannt, und damit war die Ladekapazität des Service-Flugzeugs, das pro Teilnehmer zwei Räder und eine große Ersatzteilkiste transportiert, erschöpft.Wenn am Morgen des 30. Dezember die Teilnehmer im Herzen der andalusischen Metropole Granada von der Startrampe rollen, werden wie im Vorjahr Abertausende spanische Zuschauer die Straßen säumen und den Afrika-Fahrern frenetisch zujubeln. Die Startreihenfolge wird wieder per Prolog ermittelt, der diesmal in Form einer 300 Meter langen Beschleunigungsprüfung auf Asphalt abgehalten wird. Eine Auswirkung auf das weitere Geschehen hat das Spektakel nicht.Auch wenn Prognosen für das voller Überraschungen steckende Wüstenrennen schwierig sind, tippen Insider auf eine Entscheidung in den unendlichen Sandkästen Mauretaniens. Auf den engen und kurvigen Pisten des Atlasgebirges in Marokko dürfte vermutlich Ex-Cross-Weltmeister Heinz Kinigadner auf seiner 660er KTM erneut dominieren. Der Österreicher trägt die Bürde des Favoriten, da er zuletzt reihenweise Rallyes gewann. Im Flachland der West-Sahara werden die 850erYamahas mit Stéphane Peterhansel und Edy Orioli und die 900er Cagivas mit Trolli, Nifontov und Esquirol mächtig Boden gutmachen. In den Dünenmeeren Mauretaniens könnte dann zur direkten Jagd gegeneinander geblasen werden.Chancen rechnen sich neben den genannten Werksfahrern noch eine ganze Reihe prominenter Off Road-Cracks aus. Die Dakar-Matadoren Jordi Arcarons und Thierry Magnaldi, Multi Cross-Weltmeister Georges Jobé, der amerikanische Desert Racer Jimmy Lewis sowie Carlos Sotelo und Fabrizio Meoni haben sich dabei alle für den leichten KTM-Einzylinder LC 4 entschieden, der in einer Kleinserie auf 653 cm³ aufgerüstet wurde. Deutschlands Rallye-As Jürgen Mayer startet auf einer 620er Version und peilt den Sieg in der Klasse für Serienmaschinen an.KTM-Erzrivale Husqvarna wird erstmals eine Rallymaschine auf Basis des Einzylinders TE 610 einsetzen. Die Zielankunft ist zwar vorrangig, aber mit der Verpflichtung von Enduro-Weltmeister Kari Tiainen sind Achtungserfolge in den Etappen durchaus denkbar.Der vierfache Dakar-Gewinner Stéphane Peterhansel hat noch genug Ehrgeiz, um Rekordsieger Cyril Neveu einzuholen. Sollte der Franzose am 14. Januar nach 15 Etappen über insgesamte 7559 Kilometer erneut als Erster an den Ufern des Lac Rosé in Dakar ankommen, können sich die anderen trösten. Der Motorrad-Wüstenkönig hat nämlich bereits seinen Umstieg ins Autocockpit angekündigt.

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