Rallyesport: Porträt Dakar Porträt der Dakar-Fahrerin Christina Meier

Ankommen war das große Ziel für die Hamburgerin Christina Meier bei der Dakar 2010. Sie schaffte es, nicht ohne zwischendurch 20 Stunden zu investieren, um eine rallyemüde Mitstreiterin wieder mitzureißen - und vor allem selbst höchst ungewöhnliche Hilfe anzunehmen..

Foto: fact
Der dritte Tag gilt als kritisch bei sportlichen Langzeit-belastungen in heimatfernen Gefilden. Der biologische Akklimatisations-Zyklus schwächt den Athleten. Aber Christina Meier war noch aus anderem Grund gewarnt vor dieser dritten Etappe der Dakar 2010, als es im Nordwesten Argentiniens von der Provinzhauptstadt La Rioja nach Fiambala ging. Bei ihrer ersten Dakar im vorigen Jahr war die 37-jährige Hambur-gerin schon am zweiten Tag ausgefallen. Und hatte diesmal nur ein Ziel - das Ziel.

Genau dies rückte am dritten Tag gleich zwei Mal in weite Ferne. "Es war vom Start weg irre heiß", erinnert sich Tina, "und die Etappe ein Kracher, erst tiefsandige Flussbetten, später unglaubliche Dünen. Überall hingen gestrandete Motorradfahrer rum." Und dann gehörte die weiße Yamaha WR 450 mit der Nummer 100 auch dazu. Der Motor war abgestorben und in der sengenden Hitze nicht mehr wieder zu beleben. Christina Meiers Dakar-Schicksal schien schon wieder viel zu früh besiegelt. Bis der freundliche Gaucho auftrat. "Soll ich dich zum Biwak bringen", fragte der Reitersmann und zeigte auf sein zweites Pferd, "das ist kaum zwei Kilometer von hier." Tina Meier schaltete blitzschnell und entwickelte ungeahnte Talente im Umgang mit einer einzelnen Pferdestärke. Vor allem aber profitierte sie von einer Besonderheit der argentinischen Dakar. Die Etappen um Fiambala wurden schon 2009 scherzhaft übertrieben als "Stadionwüste" bezeichnet, weil sie zwar sehr anspruchsvolle Dünenpassagen zu bieten haben, aber nie weit von der Zivilisation entfernt sind.

Tina kam hoch zu Ross ins Lager, fuhr mit ihren Mechaniker sofort zurück, und die WR wurde wieder flott. Das war allerdings noch nicht alles an diesem dritten Tag. Wenig später traf sie auf ihre Mitstreiterin Tamsin Jones. "Die Arme hing schon zwei Stunden in einem Dünenkessel fest und war ziemlich fertig", schildert Tina, "ihre WR 450 hatte in der Hitze kaum noch Leistung." Die 33-jährige Britin wollte eigentlich nicht mehr. Aber Tina Meier gab den Staffelstab der guten Tat von ihrem Gaucho-Retter weiter und baute ihre Kollegin wieder auf. Zusammen suchten sie einen weniger brutalen Weg ins Etappenziel, "weil meine Kiste zwar super lief, aber, wenn sie mal aus war, nur sehr zäh wieder ansprang und Tamsins WR nichts mehr zog."

Das kostete die hanseatische Samariterin drei Pflichtwegpunkte und damit 20 Strafstunden. Dies war allerdings völlig wurscht, als Tina Meier zwölf Tage später tatsächlich die Zielrampe in Buenos Aires hochfuhr, unter frenetischem Jubel Hunderttausender von "Porteños" und mit dem gewaltigen Gefühl, dass die kurz vor dem Start gekauften Tangoschuhe jetzt auch exzessiv zum Einsatz kommen würden.

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