Ratgeber Rahmen vermessen (Archivversion)

Rahmen Programme

Bei Autos ist es längst Standard: Nach einem Unfall wird das Fahrwerk auf Maßhaltigkeit geprüft. Obwohl Motorräder in diesem Punkt viel sensibler sind, haben sich Vermessungen noch längst nicht durchgesetzt.

Eins gleich vorweg: Wenn nach einem rüden Abflug oder Crash Risse, Dellen oder Knicke im Rahmen, egal ob aus Stahl oder Aluminium, zu finden sind, braucht es keine Vermessung mehr. Das Tragwerk ist reif für den Schrott. Anders sieht es bei leichten Unfällen aus: Obwohl der Rahmen äußerlich unversehrt scheint, fährt das Motorrad nicht mehr sauber geradeaus, zieht beim Freihändigfahren in eine Richtung, weist rechts und links unterschiedliche Spaltmaße auf oder fährt sich einfach komisch. Das alles sind Indizien für Abweichungen von den Sollmaßen. Mit den heutigen elektronischen Verfahren lässt sich ein Motorradrahmen schnell (zirka 30 Minuten) und vor allem meist ohne große oder sogar ganz ohne Demontagearbeiten vermessen. Die Kosten liegen im Bereich von 200 Euro und werden im Haftpflicht- oder Kaskofall in der Regel von der Versicherung übernommen. Wenn nicht, ist die Investition trotzdem sinnvoll, kostet ein neuer Rahmen doch zwischen 1000 und 3000 Euro (ohne Ein- und Ausbau). Je nach Alter der Maschine rechnet sich ein Austausch also nicht. Das Richten verbogener Rahmen ist heute übrigens kaum noch ein Thema, denn Stahlrahmen gibt es nicht mehr oft, und bei Aluminium verweigern die Fahrzeughersteller die Freigabe (siehe Kasten).

Während sich die Verfahren der Firmen Köster und Scheibner sehr ähneln, geht Herbert Straßmaier von G.M.D. einen Schritt weiter. Neben der reinen Maßhaltigkeit können auch Daten wie Nachlauf, Schwingenlänge sowie -winkel und dergleichen mehr erfasst, mit einer Datenbank abgeglichen und gegebenenfalls auf bewährte Werte korrigiert werden. Weshalb insbesondere Rennfahrer zu Straßmaiers Kunden gehören. Otto Normalfahrer hingegen reicht es, wenn Vorder- und Hinterrad sauber in einer Spur laufen. Grund-gedanke beider Zielgruppen: ein möglichst gut fahrbares Bike zu bewegen.
Anzeige

Hersteller (Archivversion)

Kein Motorrad-Hersteller erteilt eine Freigabe für das Richten von verbogenen Aluminium-Rahmen. Das hat triftige Gründe.
Stahlrahmen können bei geringen Verfor-mungen durchaus ohne Festigkeitsverluste gerichtet werden. Das verbietet sich bei Aluminium-Fahrwerken. Diese bestehen aus Legierungen, deren Zusammensetzungen die Hersteller nicht herausgeben, weshalb sich das richtige Material zum Beispiel für Schweißarbeiten nur nach aufwendigen Werkstoffanalysen finden lässt und damit wirtschaftlich unrentabel wird. Außerdem reagiert Aluminium aufgrund seiner Molekularstruktur sehr sensibel auf Kaltverformung. Selbst geringe querschnittsverändernde Verformungen können erheblichen Festigkeitsabfall hervorrufen. Zudem besteht die Gefahr, dass bei beschädigter Oxidschicht die darunter liegenden Schichten zu korrodieren beginnen, was den Werkstoff ebenfalls schwächt.

G.M.D.Computrack (Archivversion)

Mit einem Theodoliten, eigentlich zur Landschaftsvermessung gedacht, vermisst Herbert Straßmaier Motorräder. Dank cleverer Methodik und großem Erfahrungsschatz kann er Fahrwerksprobleme schon im Ansatz erkennen und beheben. Weshalb ihn vor allem Rennfahrer konsultieren

Köster (Archivversion)

Beim Köster-Verfahren wird ein Messbügel rechts und links an der Schwingenachse angebracht. Mit einer Laser-Kamera wird der direkt in das Lenkrohr ge-steckte Zielkörper angepeilt. Dank eigens entwickel-ter Software können aus der Lenkerbewegung die tatsächlichen Fahrwerks­daten errechnet und Abweichungen von den Sollmaßen erkannt werden

Profi Products (Archivversion)

Laut Hersteller ist das hier vorgestellte Laser BAT System in der Lage, die Maßhaltigkeit eines Motorrad-Rahmens zu diagnostizieren. Was es mit Sicherheit kann, ist die Spur von Vorder- und Hinterrad zu vermessen. Und daraus lassen sich dann Schlüsse auf das Fahrgestell ziehen. Es ist deutlich güns-tiger als andere Systeme

Scheibner (Archivversion)

Von Bernd Scheibner kommt das meistgenutzte Gerät im Vermessungsgeschäft. Ähnlich wie beim Köster-Verfahren wird ein kamerabestückter Messbügel an der Schwingenachse befestigt. Der angepeilte Zielkörper muss lediglich irgendwo an der Gabelbrücke angebracht sein, was den Aufwand minimiert

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote