Red Bull Rookies Cup: Reportage (Archivversion)

Fahrstuhl nach oben

+++ Wer Rennkarriere machen will, bekommt seine Chance im 125er-Cup von ADAC und Honda +++

Toni Wirsing, der Jüngste des Starterfelds, blieb einfach cool, zumindest nach außen. Nichts, so schien es, konnte den unbekümmerten Sachsen vor dem Auftakt zum Red Bull Rookies Cup aus der Ruhe bringen. Geduldig stand der knapp 13-jährige Gymnasiast aus Chemnitz den Fernseh- und Zeitungsreportern Rede und Antwort. Nein, er sei noch nie auf dem vor seiner Haustüre gelegenen Sachsenring gefahren und hätte folglich auch keinen Heimvorteil. Sein gelassener Kommentar auf die Frage, wie er den Abend vor dem Rennen verbracht habe: »Mit Computerspielen.«Einige von Wirsings Konkurrenten konnten indes nicht verbergen, dass ihnen vor dem Saisonstart an sich und noch dazu auf dem anspruchsvollen Grand-Prix-Kurs des Sachsenrings schon etwas die Muffe ging. Franz Aschenbrenner, vor Ricardo Simon und Toni Wirsing Schnellster des Trainings, war die Anspannung ebenso anzumerken wie Stefan Bradl, der drei Startreihen weiter hinten stand. Stefan Bradl? Ist das etwa der Sprössling von Helmut Bradl, dem zweimaligen Vizeweltmeister bei den 250ern? Richtig, und deshalb rückte der 13-Jährige natürlich gleich ins Rampenlicht.Vater Helmut sieht die Rennsportambitionen seines Sohnes, der durch die Grand-Prix-Übertragungen im Fernsehen und die Kultfigur Valentino Rossi auf den Geschmack gekommen ist, noch mit gemischten Gefühlen. Er lässt Stefan gewähren, will ihn aber nicht auf Teufel komm raus zum Rennprofi trimmen. »Schule und Berufsausbildung haben zunächst absolute Priorität vor einer unsicheren Rennkarriere«, lautet die Parole des Papas.Und der ehemalige Grand-Prix-Star hatte durchaus Zweifel, ob sein Filius alles bewältigen würde, was da am Sachsenring so auf ihn einstürmen sollte. »Der Bub steht wahrscheinlich an der Startlinie und weiß nicht, wie ihm geschieht«, befürchtete Helmut Bradl angesichts der Tatsache, dass Stefan noch ein absolutes Greenhorn auf der Rennstrecke ist – im Gegensatz zu vielen bereits im Mini-Bike- und Junior-Cup sowie beim Motocross gestählten Konkurrenten.Doch alle Bedenken der Mütter, Väter und sonstigen Betreuer erwiesen sich als unberechtigt. Als am Sonntag um zwei endlich der Startschuss fiel, behielten sämtliche Schützlinge die Nerven, der Auftakt der zweiten Saison des von ADAC und Honda ausgeschriebenen Nachwuchs-Cups klappte einwandfrei. Das ehrgeizige Projekt hat nach dem Wechsel des Hauptsponsors zwar einen neuen Namen, die Bedingungen und die Zielsetzung sind allerdings gleich geblieben: Die Youngster sollen ihr Talent bei acht Rennen auf identischen 125er-Honda-Production-Racern beweisen, und die besten des Jahrgangs steigen zunächst ins hauseigene IDM-Team auf. Von dort soll der Weg in den Grand-Prix-Sport führen. Der Fahrstuhl nach oben steht also bereit. Einsteigen möchten viele: Rund 500 Bewerbungen für einen Startplatz im Red Bull Rookies Cup 2003 flatterten dem ADAC auf den Tisch. Die Einstandsgebühr für eine Saison beträgt 10440 Euro. Ein Großteil der Kosten ist damit abgedeckt wie das Leasing der Maschine, sämtliche Nenngelder, Reifen und Verschleißteile, die Beklei-dung sowie eine Rundumbetreuung durch ADAC und Honda. Die Tuner-Legende Sepp Schlögl ist für die Technik der Bikes verantwortlich, der ehemalige GP-Fahrer und Sportsoldat Adi Stadler kümmert sich als »Mutter der Kompanie« um das mentale Wohlbefinden der Renn-Neulinge. Nach diversen Sichtungen hatten schließlich 24 Kandidaten den Zuschlag bekommen. Toni Wirsing ist wie erwähnt mit knapp 13 der Jüngste, Maximilian Schindler aus Goldbach bei Aschaffenburg mit 20 der Älteste. Sechs Neueinsteiger ohne jegliche Rennerfahrung haben sich für den Ritt auf der 44 PS starken, leichtfüßigen Zweitakt-Rakete qualifiziert. Vier Mädels stellen sich der Konkurrenz. Mit Jessica Baruth schaffte eine davon am Sachsenring gleich den Sprung in die erste Startreihe.Als es dann erstmals in der neuen Saison zur Sache ging, fuhren die Jüngsten im Feld auf die vorderen Plätze. Zunächst führte der Trainingsschnellste Franz Aschenbrenner. Gegen Rennende übernahm Toni Wirsing das Kommando und gewann vor dem ein halbes Jahr älteren Meik Minnerop aus Siegen, Aschenbrenner wurde Dritter. Stefan Bradls Rennpremiere endete auf einem beachtlichen zehnten Platz.Der Pokal, den der aus dem Mini-Bike-Cup aufgestiegene Wirsing für seine stramme Leistung erhielt, war fast halb so groß wie der fliegengewichtige Sieger selbst. Und nun ließ auch der kleine Sachse erkennen, dass es beim Saisonstart doch nicht ganz so locker lief, wie es vor dem Rennen den Anschein hatte. Als alles vorüber war, schnaufte er kräftig durch: »Jetzt muss ich erst einmal unter die Dusche.“
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Red Bull Rookies Cup: Reportage (Archivversion)

Warum wartet Deutschland eigentlich noch immer auf die Nachfolger von Waldi oder Pit Beirer? Noch nie war das Angebot an Jugend-Rennserien größer als zurzeit. Rennen fahren bedeutet allerdings bereits den zweiten Schritt in eine angehende Motorradsport-Karriere. Viel schwieriger ist der Einstieg in die Welt des Rennsports. Was, wann, wo – Newcomer kommen an Informationen kaum heran, Schnupperkurse besitzen Seltenheitswert. Bei Offroad-begeistertem Nach-wuchs bleibt nur eine Chance: Bei den Verbänden (Adressen siehe rechts) nach dem nächstliegenden Club fragen, auf dem Gelände vorbei-schauen und sich mal nach einer Testfahrt für Herrn Filius oder Frau Töchterlein erkundigen.Die populärste Disziplin ist Motocross. Nach dem klassischen Einstiegs-Bike, der Yamaha PW 50 (1300 Euro), folgen 50er-Automatik-Crosser (1500 Euro), 65er mit Schaltung (3000 Euro), ab zehn Jahren dann 25 PS starke und hochwertig ausgestattete 85er-Flitzer (3500 Euro). Diese Mini-Crosser werden mit moderaten technischen Änderungen übrigens ebenso für die Jugendklassen im Bahnsport eingesetzt. Relativ preisgünstig gelingt auch der Einstieg ins Supermoto. Für insgesamt 3100 Euro bietet MZ bereits Zehnjährigen Maschine samt Ausrüstung für den 125er-Youngster-Cup an. Noch billiger, ziemlich ungefährlich und fahrtechnisch für alle anderen Disziplinen ausgesprochen wertvoll ist Trial. Für Youngster bis zwölf Jahre gibt’s spezielle Kinder-Trialer (2200 Euro), später taugen auch die für Erwachsene konzipierten 125er-Klettergeräte (4300 Euro). Von den Preisen bitte nicht abschrecken lassen. Gebrauchte Unter-sätze für gerade mal die Hälfte des Neupreises tun’s für den Anfang genauso.Hineinschnuppern in den Straßenrennsport geht leichter. Für den Mini-Bike-Cup bietet der ADAC erstmals Einsteigertrainings auf den Winz-Rennern an. Drei Termine (Wackersdorf, Sachsenring, Kerpen) stehen zur Wahl. Maschine und Bekleidung werden gestellt. Später kommt es etwas teurer. Ein 50er-Mini Bike kostet 3000 Euro, die 65er-Version 4500 Euro. Immer noch nicht fündig geworden? MOTORRAD hilft bestimmt weiter. Anruf unter Telefon 0711/182-1374 oder e-mail an sport_mrd@motorpresse.de genügt.

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