Reiseberichte (4)

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Maria's Casa und Playboy II – oder: Man kann nicht immer Glück haben
Mit Tempo 100 rollen wir auf der »5« - der Panamericana – in Richtung Norden. Bestes Wetter, bester Asphalt, links der schäumende Pazifik, rechts braunes Land, die ersten Kakteen und im Hintergrund schneeweiße Andengipfel. Obwohl ich die Panamericana nicht mag – heute gefällt sie mir. Unser Ziel: La Serena. Dort bleiben wir länger, als geplant. Schuld daran ist Maria, deren einfache Pension wir eher zufällig in einer Seitenstraße finden (Maria´s Casa, Las Rojas 18). Die Hausherrin hat in ihrem Hinterhof eine gemütliche Oase für Reisende geschaffen und kümmert sich einfach rührend um jeden ihrer 20 Gäste, die Tag für Tag laut plappernd an einem der beiden großen Tische im Garten sitzen.

Nebenbei ist La Serena eine überaus attraktive Stadt. Viele Gebäude im Kolonialstil, eine schattige und lebhafte Plaza, dreißig Kirchen – und mindestens eben so viele Friseure. Für mich ist der Besuch bei einem Friseur, den ich nicht kenne, allerdings schlimmer als der Gang zum Zahnarzt. Beides lässt sich aber irgendwann nicht mehr aufschieben. Um die Geschichte abzukürzen: es war ein Desaster. Vielleicht hätte ich im Voraus wissen sollen, dass ein schief an die Wand geklebtes Diplom (immerhin) und ein laufender Fernseher (vermutlich gerade die Lieblingssendung) keine gute Omen sind. Trotz Foto und (Haar-) genauer Erklärung fühlte ich mich plötzlich wie auf einer Opferbank und bekam in kürzester Zeit einen Seitenscheitel und einen Millimeter kurzen Pony verpasst. Franca ist während der gesamten Prozedur vor Lachen fast gestorben und täuschte, damit die Situation nicht völlig außer Kontrolle geriet, schließlich einen Hustenanfall vor. Es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte den Laden, der auf den Namen Playboy II hört, angezündet.

Hoch, höher, am Höchsten - der San Francisco-Pass
Eine weitere Tagesetappe auf der Panamericana bis Copiapo, dann haben wir die Westrampe des 4726 Meter hohen und 560 Kilometer langen San Francisco-Passes erreicht. Sicher eine der spektakulärsten Strecken in den Anden überhaupt, für die wir drei Tage kalkulieren. Wir bunkern neben den üblichen Spaghetti ein paar Tütensuppen, etwas Obst, Brot und insgesamt 14 Liter Wasser in mehreren Plastikkanistern, Wassersäcken und Trinkflaschen, tanken die beiden BMW und einen fünf Liter fassenden Kanister noch einmal randvoll und verschwinden auf einer überraschend guten Piste in dieser absolut einsamen Gebirgswelt. Als ich diese Strecke vor acht Jahren gefahren bin, führte praktisch nur ein sandiger Weg hinauf zum Pass. Ich hatte damals allein für die Westrampe fast drei Tage gebraucht. Die ebenfalls 280 Kilometer lange Ostrampe auf argentinischer Seite ist heute bereits vollständig asphaltiert.
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Höhenrausch – oder: Wie dumm kann man eigentlich sein?
Gute Pisten haben einen großen Nachteil: Wir kommen zu schnell voran, gewinnen zu schnell an Höhe. Diese schöne wie fremde Landschaft mit ihren Salzseen und Vulkanen lenkt uns so sehr ab, dass wir bereits am späten Nachmittag den höchsten aktiven Vulkan der Welt, den 6880 Meter hohen Ojos del Salado, passieren und bei Anbruch der Dunkelheit am Ufer der 4350 Meter hoch gelegenen Laguna Verde stehen – für mich einer der schönsten Orte überhaupt. Der Drang, hier endlich anzukommen, war stärker als unsere Vernunft. Wie fühlten uns gut, und selbst die beiden BMW zeigen sich völlig unbeeindruckt von der Höhe. Wie vergessen unser ursprünglicher Plan, eine Nacht auf etwa 3000 Meter Höhe zu verbringen, um uns an die Sauerstoff arme Höhenluft zu gewöhnen. Ein Fehler!

Als die Sonne hinter der letzten Bergspitze verschwindet, verwandelt sich die atemberaubend schöne Landschaft in einen äußerst ungemütlichen und feindseligen Ort. Auf einmal spüren wir, wie atemlos wir sind. Das Thermometer zeigt minus fünf Grad, Tendenz fallend. Der eisige Wind blässt so heftig, dass wir nicht die Helme absetzen und uns anbrüllen müssen, um uns einigermaßen zu verstehen. Eigentlich wollte ich am Ufer der Lagune das Zelt aufbauen. Jetzt sind wir froh, dass wir uns in diesem Sturm überhaupt auf den Beinen halten können.

Zum Glück gibt es hier am Ufer eine kleine Hütte, in der sich auch ein Badebecken befindet, das von einer heißen Quelle gespeist wird. Ein guter Ort, um die Nacht zu verbringen. Wir haben nur ein Problem: Vor der Tür sitzt ein größerer Hund, der mit gefletschten Zähnen keinen Zweifel daran lässt, es mit jedem aufzunehmen, der sich diesem Refugium nähert. Weil es immer kälter wird, hupen und brüllen wir wie die Verrückten, was diesen Köter nur noch wilder macht. Nach etwa 15 Minuten – ich war kurz davor, mich mit einem Schweizer Messer in der Hand ernsthaft mit diesem Hund anzulegen – öffnen zwei Grenzpolizisten die Tür. Freundliche, dick vermummte Burschen, deren einziger Luxus in dieser Abgeschiedenheit dieses Thermalbecken in der Hütte ist. Es sei natürlich kein Problem, dass wir hier übernachten könnten. Und wir sollten vor dem Schlafen gehen bloß ein Bad nehmen, um uns aufzuwärmen. Hund, du hast viel Glück gehabt...

Eisige Temperaturen und eine schlaflose Nacht
Eine halbe Stunde später sitzen wir in einer überdimensionalen Badewanne. Selbst in der Hütte sinkt die Temperatur auf etwa Null Grad, bitterkalter Wind pfeift durch die vielen Ritzen, und das Dach aus Wellblech scheppert heftig im Sturm. Irgendwann frieren wir auch im Wasser und verlassen das Bad, um in die Schlafsäcke zu kriechen. An Schlaf ist trotz aller Müdigkeit nicht zu denken. Uns ist übel, wir haben Atemnot und heftige Kopfschmerzen und müssen uns mitten in der Nacht mehrmals übergeben – Symptome der gefährlichen Höhenkrankheit. Was für eine bescheuerte Idee, an einem Tag auf eine Höhe von über 4000 Metern zu fahren. Ich weiß es besser und könnte mich dafür in diesem Moment ohrfeigen. Erst in den frühen Morgenstunden schlafen wir ein wenig. Mein Thermometer hat in der Nacht die tiefste Temperatur in der Hütte gespeichert: minus elf Grad.
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Eine falsche Auskunft – und zwei Tage für 50 Kilometer
Wir stehen kurz nach Sonnenaufgang auf. Zwar unausgeschlafen und ein wenig steif, aber wieder mit relativ klaren Köpfen. Mit einer Tasse Tee in den Händen spazieren wir zum Ufer der Laguna Verde. Türkis grünes Wasser, in dem sich die umliegenden und verschneiten Gipfel, zumeist ebenmäßige Vulkanspitzen, spiegeln. Darüber ein tief dunkelblauer Himmel, wie man in nur in großen Höhen erlebt. Dieses Panorama ist so einzigartig wie weltfremd, dass man es mit Worten kaum beschreiben kann. Knapp zwölf Kilometer später die Passhöhe. Wir stehen 4726 Meter hoch über dem Meeresspiegel. Der Wind bläst noch immer so heftig, dass die Motorräder kaum auf den Ständern stehen. Trotzdem bleiben wir noch ein paar Minuten. Ohne Wind wären wir ganz sicher einen weiteren Tag an der Lagune geblieben. Auf einer perfekten Straße (guter und griffiger Asphalt – eine Seltenheit in Südamerika) fallen wir sprichwörtlich bergab bis ins argentinische Tinogasta, dem ersten nennenswerten Ort seit 560 Kilometern.

Etwa 70 Kilometer südöstlich von Tinogasta zweigt eine alte Bekannte ab: die Routa 40, jene legendäre Strecke, die sich der Länge nach von Nord- nach Südargentinien zieht und auf der wir bis nach Salta fahren wollen. Auf meiner Karte entdecke ich allerdings eine kurvige Piste, die sich etwa 50 Kilometer weit über einen kleinen Gebirgszug nach Nordosten windet und eine attraktive Abkürzung von etwa 120 Kilometern verspricht. Da es in Argentinien während der letzten Wochen allerdings heftig geregnet hat und viele Strecken durch Hochwasser und reißende Flüsse unpassierbar geworden sind, erkundigen wir uns an der örtlichen Tankstelle nach dem Zustand dieses Wegs. »Si Senor, muy buena.« Um ganz sicher zu gehen, spaziere ich noch in die Polizeistation. »Natürlich ist die Strecke befahrbar! Argentinische Straßen sind immer hervorragend!« Wie konnte ich nur daran zweifeln?

Die ersten zehn Kilometer auf dieser Piste sind tatsächlich gut. Zwar sorgen stellenweise sandige Passagen und drei kleinere Flussdurchquerungen für etwas Nervenkitzel, aber uns gefällt, dass die Gegend immer wüstenhafter wird und der Weg von Meter hohen Kakteen gesäumt ist. Mich stört nur, dass ich noch immer vier Liter Trinkwasser in den Koffern herum fahre - meine Monsterkuh ist mit dem ganzen Gepäck und 40 Litern Sprit im Tank nicht unbedingt eine Grazie auf losen Grund.

Dann steigt der Weg an. Soll heißen: das was vom Weg plötzlich noch übrig ist. Immer steiler geht es stellenweise nur noch über einen Pfad oder über Geröll bergauf. Noch bin ich begeistert! Diese Strecke schlägt locker jeden Schotterpass in den Alpen. Franca ist dagegen etwas anderer Meinung. Sie kommt auf dem losen und steilen Grund kaum noch voran, lässt ihre BMW immer öfter stehen und wartet, bis ich komme, um die GS über die schlimmsten Stellen zu bewegen. Zwei, drei Stunden (oder etwa zwei weitere Kilometer) geht das ganz gut. Dann reden wir zum ersten Mal darüber, ob wir umkehren sollen. Weil inzwischen die Passhöhe auszumachen ist, fahren und schieben wir weiter. Der Rest kann nicht mehr so schlimm sein...

Wenn nichts mehr geht - oder kann man Polizisten eigentlich anzeigen?
Hinter dem Pass wird die Strecke tatsächlich ein wenig besser. Zumindest für zwei Kilometer. Dann geht fast nichts mehr. Die Piste ist stellenweise einfach nicht mehr vorhanden. Sie ist entweder völlig von Geröll begraben oder bis auf einen schmalen Rest einfach weggespült. An anderen Stellen haben die Fluten bis zu einem Meter tiefe Rinnen und Risse quer über die Piste gezogen. Am Schlimmsten sind allerdings die inzwischen wieder ausgetrockneten Flußläufe: Erst über eine steile Böschung bergab, dann mit möglichst viel Schwung durch den tiefen feinen Sand und schließlich mit viel Gas auf der gegenüber liegenden Seite die Böschung wieder hoch. So funktioniert das zumindest im Idealfall. Wir dagegen müssen immer öfter abladen und die Karren durch den Dreck schieben. Oder wieder über loses Geröll manövrieren. Oder Steine unter die Räder legen, um zu verhindern, dass die beiden Bikes an den steilsten Stellen noch tiefer rutschen. Unser Trinkwasser ist inzwischen fast aufgebraucht.

Es ist längst zu spät zum Umkehren – die letzten Kilometer gingen viel zu steil bergab, um sie auf diesem Terrain bergauf in Angriff zu nehmen. Und noch immer haben wir die Hoffnung, das es hinter der nächsten Kurve besser wird. Während ich das Zelt aufbaue, geht Franca ein paar Schritte, um zu schauen, wie es hinter der nächsten Kuppe aussieht. Sie entdeckt ein verlassenes Haus, wo sich in einem Auffangbecken noch ein Rest Regenwasser befindet. In diesem Moment ein Geschenk des Himmels, denn wir haben einfach nur Durst. Mit einem Becher schöpfen wir etwa fünf Liter Wasser – bestes Material für Biologiestudenten im ersten Semester: In der dreckigen Suppe zappeln recht interessante Lebewesen...

Zum Glück haben wir eine mechanischen Wasserfilter dabei; nach einer halben Stunde ist aus der Brühe Trinkwasser geworden. Diesmal überlege ich ernsthaft, ob ich die Polizeistation in Tinogasta anzünden sollte. Zumindest nehmen wir uns in unserer Verzweiflung vor, die Polizisten anzuzeigen, die uns hier eine tolle Strecke versprochen haben.

Tag zwei: zehn Kilometer in sieben Stunden
Am nächsten Tag kommen wir nur noch meterweise voran. Für zehn Kilometer brauchen wir sieben Stunden. Immer wieder die gleiche Prozedur. Erst hundert Meter mit der Monsterkuh. Dann die kleine BMW. Und anschließend das Gepäck. Wir sind längst völlig erschöpft; und das Wasser ist bei den wüstenhaften Temperaturen auch fast schon wieder verbraucht. Jetzt liegen die Nerven blank. Als meine Kuh mal wieder nahezu unverrückbar fest sitzt, platzt mir endgültig der Kragen. Ich trete gegen die Aluboxen, schreie meine Wut einfach heraus. Das ändert zwar nichts an der Situation, erleichtert aber ungemein das Gemüt. Das Wasser geht uns aus. Jetzt muss irgend etwas geschehen. Ich entlade die kleine GS und mache mich allein auf den Weg, um zumindest etwas Wasser zu holen. In etwa zehn Kilometern müsste eigentlich die erste Ortschaft kommen. Aber bereits nach fünf relativ leichten Kilometern passiere ich eine einfache Lehmhütte, in der eine zehn köpfige Familie lebt.

»Agua? No problema!« Für acht Liter Wasser gebe ich eine Packung Zigarillos, die ich für solche Notfälle im Tankrucksack dabei hatte. Eine Stunde später bin ich wieder bei Franca. Da ich jetzt weiß, dass das Schlimmste hinter uns liegt, rappeln wir uns auf und fahren zuerst bis zu der kleinen Hütte, wo man uns sofort Brot, Käse und Tee serviert. Die Menschen, deren Gäste wir gerade sind, gehören zu den Ärmsten der Armen. Und trotzdem teilen sie mit wildfremden Leuten alles, was sie haben. Packen uns zum Abschied sogar noch ein großes Stück Käse ein, dass wir erst nach einigem Hin und Her bezahlen dürfen – wir geben das Geld schließlich nicht für den Käse, sondern als Spende für die Kinder.

Asphalt unter den Rädern – wir hatten schon nicht mehr daran geglaubt
Kurze Zeit später erreichen wir tatsächlich die Routa 40, die sich ab hier zwischen Belen und Cafayate teilweise sogar mit bestem Asphalt präsentiert. Die Strecke nach Salta versöhnt schließlich wieder unsere strapazierten Nerven – gleich hinter Cafayate windet sich die Straße durch eine atemberaubende Canyon-Landschaft. Feuerroter Stein und skurrile Felsformationen, dann wieder tiefe Schluchten mit glatt geschliffenen Wänden. Plötzlich macht Motorrad fahren wieder Spaß.

Franca und ich bleiben vier Tage in Salta, wo wir auch andere Motorradreisende antreffen. Viele Kneipen (gutes Bier!), Restaurants (gewaltige Steaks!), eine quirlige Fußgängerzone (viele Schuhläden – Franca ist völlig begeistert...) und endlich Zeit, um die beiden BMW einem technischen Check zu unterziehen. Aber auch nach 6500 Kilometern gibt es bis auf die Reinigung der Luftfilter keine Arbeit für mich. Weder Öl nachfüllen noch die Kette an der F nachstellen. Die Trägersysteme und Alukoffer haben völlig schadlos diverse Umfaller überstanden (manchmal hat´s ganz schön geknallt...). Ebenso unbeeindruckt von allen Strapazen zeigte sich die neue Keramikkupplung in meiner GS. Ich überlege nur, bei beiden BMW einen kompletten Ölwechsel zu machen. Doch dafür ist Argentinien ganz sicher der falsche Ort. In einem Land, wo ein Liter Sprit inzwischen umgerechnet 2,40 Mark kostet, gibt es Motoröl auch nicht gerade umsonst: Fünf Liter Synthetik-Öl kosten umgerechnet etwa 220 Mark; die beiden Triebwerke werden bis Chile warten müssen.

Über die Anden in die trockenste Wüste der Welt
Wir wollen über den 4200 Meter hohen und etwa 500 Kilometer langen Jama-Pass nach San Pedro de Atacama (Chile) fahren. Die Streckenführung ist atemberaubend: eine recht gute Piste windet sich in unzähligen Serpentinen steil bergauf, erreicht einen ersten Pass auf etwa 4000 Meter Höhe und gibt den Blick frei auf die Salinas Grandes, einem gewaltigen, weiß glänzenden Salzsee, den wir kurz darauf auf einer neuen asphaltierten Straße überqueren. Dann entdecken wir Spuren, die mitten auf den Salzsee führen – dieser Versuchung können wir nicht widerstehen. Mit Tempo 50 rauschen wir über die absolut plane und grell glänzende Oberfläche, die sich irgendwo am Horizont mit dem Blau des Himmels vereint. Ein irres Gefühl! Und ein Vorgeschmack auf den gewaltigen Salar de Uyuni in Bolivien, der uns demnächst bevorsteht.

Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichen wir den argentinischen Grenzposten kurz vor der in der Karte eingezeichneten Passhöhe. Die Grenzer sind – wie eigentlich immer – unglaublich freundlich und laden uns sofort ein, die Nacht in einem Gästezimmer zu verbringen. Keine schlechte Idee; draußen sinkt die Temperatur inzwischen auf minus 15 Grad. Am nächsten Morgen zwei Überraschungen: Der chilenische Teil des Passes ist bis San Pedro de Atacama asphaltiert. Und die Strecke steigt nach der eigentlichen Passhöhe noch einmal an und verläuft etwa 70 Kilometer weit auf einer Höhe von 4800 Meter über Null!

Das Panorama von hier oben ist einfach gewaltig. Nach und nach tauchen die verschneiten Bergriesen Boliviens auf (die Grenze verläuft teilweise direkt neben der Straße). Schließlich wird das Land immer wüstenhafter. Viele Meter hohe Steinsäulen und wild geformte Felsen ragen aus dem sandigen Untergrund, bis schließlich der perfekt geformte Vulkan Licancabur (5930m) auftaucht, sozusagen der Hausberg von San Pedro de Atacama. Wir sind völlig sprachlos, weil wir im voraus kaum etwas über diesen Pass erfahren haben. Und nun rollen wir über eine Strecke, die es sogar mit dem San Francisco-Pass aufnehmen kann...

Hinter einer Kurve fällt der Straße bergab. Nein, sie stürzt sich schnurgerade hinunter in das Zentrum der Atacama-Wüste: 15 Kilometer für 2000 Höhenmeter! Und mit jedem Meter wird es wärmer: statt Null Grad (mittags) am Pass messen wir in San Pedro 30 Grad. Überhaupt ist die Oase San Pedro ein sehr guter Ort, um ein paar Tage zu bleiben – die Atacama-Wüste lockt mit spektakulären Landschaftsformen...

Nachsatz
Wie es mit der Reise weitergehen soll, ist derzeit noch unklar. Eigentlich steht die Durchquerung der weltweit größten Salzwüste, dem Salar de Uyuni, auf dem Programm. Gerade haben wir erfahren, dass in Bolivien wieder Streiks, Aufstände und Straßensperren drohen. Im vergangenen Herbst gab es bei ähnlichen Protesten zwanzig Tote und viele Verletzte. Der Verkehr lag fast drei Wochen lang lahm. Wenn sich die Situation zuspitzen sollte, werden wir unsere Route leider ändern müssen. Mehr dazu bald im Forum.

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