Reiseberichte (9)

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Kurven ohne Ende und ein Leck im Kühler
Endlich rollen die Räder wieder! Nach elf Tagen Motorrad-Pause in Cusco schmeckt sogar der Staub, den Franca, Robert und Claudia vor mir aufwirbeln. Und nach so vielen Wochen, die wir fast ausschließlich im ständig kalten Hochland verbracht haben, gefällt auch mir der Gedanke, dass wir auf dem Weg in wärmere Gefilde sind. Unser Ziel: die Stadt Nasca, die »unten« an der Panamericana liegt, die in Peru größtenteils am Pazifik entlang führt. Und die peruanische Küstenwüste soll an einigen Stellen nicht von der afrikanischen Sahara zu unterscheiden sein...

Aber bis dahin sind es zwei Tage Fahrt – auf einer Strecke, die einfach nur Spaß macht. Bis Abancay etwa 200 Kilometer Kurve an Kurve (Asphalt!), dann bis Chalhuanca eine feste Piste, die ziemlich spektakulär durch eine breite Schlucht führt. Schließlich ein sagenhafter Endspurt – vom 4400 Meter hohen Condorcenca-Paß geht´s in mindestens 1000 Kurven hinunter nach Nasca, wo sich die berühmten wie rätselhaften Nasca-Linien befinden. Unsere Fahrfreude wird leider nur von einem kleinen Stein getrübt, der sich in den völlig ungeschützten Wasserkühler der F 650 gebohrt und das Teil in eine Art Springbrunnen verwandelt hat.

Kaugummi ist die Rettung
Zuerst bewahren wir die BMW vor dem sicheren Hitzetod, indem wir etwa alle zehn Kilometer Kühlwasser nachfüllen. Eine Prozedur, die sich nach einer Weile allerdings zu einer äußerst nervigen Angelegenheit entwickelt. Schließlich findet Franca eine Packung Kaugummi in einer ihrer Taschen. Wir kauen und stopfen die klebrige Masse in das Leck. Keine schöne Lösung; aber immerhin kommen wir so etwa 50 Kilometer weit, bevor wir wieder Wasser auffüllen müssen. In Nasca, wo wir leider erst spät in der Nacht ankommen, wird sich schon irgend eine Lösung finden.

Gegen Mittag des nächsten Tages lenken wir in Richtung Norden auf die Panamericana ein, die schnurgerade durch das absolut flache und knochentrockene Land führt. Unsere Stimmung ist gut. Der Kühler an Francas BMW kann Dank einer Portion Kaltmetall sein Wasser halten, und wir haben zum ersten Mal seit langer Zeit die Innenfutter unserer Textilkombis wieder in die Gepäckrollen verbannt. Und trotzdem schwitzen wir im Fahrtwind. Ein irres Gefühl!

Die Nasca-Linien
Nach etwa 20 Kilometern halten wir an einem elf Meter hohen Aussichtsturm. Was vom Boden bestenfalls wie eine Autospur aussieht, entpuppt sich erst aus der Höhe betrachtet (am Besten aus einem Flugzeug) zu formvollendeten und bis zu vielen hundert Meter großen Tierdarstellungen und Kilometer langen Linien, Trapezen oder Dreiecken, von denen man heute noch nicht genau weiß, wie sie das Volk der Nasca vor etwa 800 bis 2300 Jahren in solchen Dimensionen und in dieser Perfektion in den Wüstenboden hat kratzen können. Die Bauherren der Panamericana konnten sogar den Verlauf der Straße an den absolut geraden Nasca-Linien ausrichten. Die deutsche Forscherin Maria Reiche hat fast 50 Jahre lang diese Linien Meter für Meter untersucht, hat mit einem Besen neue Linien aus dem Wüstenstaub freigelegt und dafür gesorgt, daß dieses 700 Quadratkilometer große Gebiet heute von der UNESCO als Weltkulturgut zum »Erbe der Menschheit« erklärt wurde.
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Wie in der Sahara
Zwei Stunden später biegen wir bei Ica von der Panamericana ab und landen nur zehn Kilometer westlich der Stadt in einer völlig anderen Welt. Schon seit knapp 50 Kilometern fallen uns links der Straße perfekt geformte Sanddünen auf, die immer gewaltiger in den Himmel wachsen. Und nun stehen wir in der Oase Huacachina am Ufer einer Lagune, die von Palmen und einigen schmuckvollen und teilweise über hundert Jahre alten Häusern gesäumt ist. Drum herum ragen die Sandberge bis zu einer Höhe von 500 Metern auf. Während sich Claudia und Franca schon auf einen Tag am Hotelpool freuen (Hotel Mossone – ein wunderschöner »Klassiker« in Peru, das allerdings seinen Preis hat...), bestimmen Robert und ich unser Ziel für den nächsten Tag: Auf die Dünen!

Sandiger Ausflug
Um gegen Robert und seine KTM einigermaßen konkurrenzfähig zu sein, entscheide ich mich am nächsten Nachmittag für die F 650. Nur noch schnell die Spiegel abschrauben, den Luftdruck in den Reifen senken und irgendwie die eigenen Nerven und schließlich auch noch Franca (nicht wegen mir, sondern wegen ihrer BMW) beruhigen – mein letzter Dünen-Ausflug liegt immerhin drei Jahre zurück. Und hätte ich vor Robert doch nicht so angeben sollen? Egal, denn jetzt gibt es kein Zurück mehr – Robert hat gerade den Hahn aufgemacht, sich nach etwa 200 Metern Anlauf in diese fast schon senkrechte Wand aus Sand gebohrt und es bis auf den ersten Dünengrat geschafft. Von hier unten höre ich nur noch das Bollern seiner KTM.

Dann lass ich die BMW einfach laufen, erster, zweiter, schließlich dritter Gang und etwa Tempo 80, bis die Stollen in den Sand greifen und (den überraschten) Mann und (die schlingernde) Maschine steil in den Himmel schieben. Jetzt bloß nicht den Schwung verlieren. Kurz vor dem Dünenkamm runter in den zweiten, dann in den ersten und – und – und – geschafft! Ich bin tatsächlich oben auf dem Rand der ersten Düne gelandet. Aber wer zögert, hat fast schon verloren. Die BMW wühlt sich gerade noch in Schrittgeschwindigkeit durch den losen Grund und droht, völlig einzusinken.

Ich komme mit viel Gas langsam wieder auf Tempo und hefte mich sofort an Roberts Spuren, der sich in weiten Kreisen immer höher durch diese Sandberge schraubt. Wir halten schließlich auf dem Gipfel einer ziemlich hohen Düne, sind völlig verschwitzt und außer Atem und zugleich unendlich begeistert, weil sich vor uns eine Welt aus Sand erstreckt, wie man sie bestenfalls in Algerien, aber nicht in Peru erwartet hätte. Scheinbar grenzenlos reihen sich formvollendete Dünen in Richtung Westen. Ein Anblick, auf den wir nicht gefaßt waren – und eine Landschaft, von deren Ausmaßen wir zu unserer Überraschung noch nie etwas gehört haben. Egal, wir geben Gas, fahren einige Kilometer nebeneinanderher, geraten fast schon in einen Rausch. Ab Tempo 40 trägt der Sand, ab Tempo 60 lassen sich selbst auf steilsten Hängen wunderbare Kreise ziehen und ab Tempo 80 brüllen die Fahrer vor Freude, weil die Motorräder scheinbar schwerelos über den weichen Grund fliegen. Und ich bin überrascht, was man mit der kleinen BMW anstellen kann – der Motor ist einfach eine Wucht.
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Ärger mit der Technik
Oben auf einer Düne erwischt es schließlich Robert – das Vorderrad seiner KTM versinkt plötzlich im pulverartigen Grund. Es dauert einige Minuten, bis das Motorrad wieder in Fahrtrichtung steht. Aber das Triebwerk verweigert seine Arbeit. Kein Laut, kein Mucks und bald bestimmt auch keinen Strom mehr. Aus Spaß wird plötzlich Ernst – es dämmert bereits, und wir sind mindestens fünf Kilometer von der Oase entfernt, die wir Profis natürlich ohne Wasser verlassen haben. Ich mache mich schließlich allein auf den Rückweg, um ein Starthilfekabel und Wasser zu holen.

Erschöpfung und Hysterie
Als ich erneut durch die Dünen stürme, kommt mir Robert allerdings entgegen. Glück gehabt, denke ich, weil sich das Triebwerk seiner KTM anscheinend doch noch dazu entschieden hat, die Arbeit wieder aufzunehmen – allerdings nur, um in Sichtweite der Oase endgültig seinen Dienst zu quittieren. Wir müssen den Hobel also schieben, uns bleibt leider keine andere Wahl. Leute, habt ihr schon mal ein Mopped durch tiefen Sand geschoben und gezogen? Die Räder wollen sich einfach nicht drehen. Und während die BMW fröhlich mit den Stollen scharrt, kämpfen Robert und ich um jeden Zentimeter. Unsere Verfassung in diesem Moment: Irgendwo zwischen völliger Erschöpfung und Hysterie.

Robert schraubt und werkelt bis in die Nacht des nächsten Tages (während ich noch einmal durch die Dünen stürme...). Aber um seine KTM ist es leider ernst bestellt – vermutlich hat es die Zündanlage erwischt. Am nächsten Morgen verladen wir die KTM und auch gleich die Ténéré von Claudia auf einen Lieferwagen, dem Franca und ich auf der Panamericana schließlich bis nach Lima folgen, obwohl wir um die peruanische Hauptstadt eigentlich einen großen Bogen fahren wollten. Zu dieser Jahreszeit ständig im Nebel, wirkt dieser Moloch noch trostloser, als wir es uns vorgestellt haben. Endlos scheinen die bettelarmen Vororte, die nur aus einfachen Hütten bestehen. Der Verkehr, die Abgase und der Lärm sind einfach fürchterlich. Und am Schlimmsten ist dieses ununterbrochene Gehupe. Nein, in Lima wollen wir nicht länger als unbedingt nötig bleiben!

Abschied fällt schwer
Nach drei Tagen ist klar, daß Robert auf Ersatzteile aus Deutschland warten muß, was mindestens eine Woche dauern wird. Soviel Zeit haben Franca und ich nicht mehr – in vier Wochen müssen wir in Quito (Ecuador) in den Flieger zurück nach Deutschland steigen. Eine dumme Situation, weil wir eigentlich beschlossen hatten, gemeinsam die Reise bis nach Ecuador fortzusetzen. In den Rückspiegeln sehen wir die beiden mit traurigen Gesichtern uns noch hinterher winken. In etwa acht oder neun Tagen wollen wir uns vor der Grenze nach Ecuador wieder treffen...

Es dauert etwa zwei Stunden, bis Franca und ich das Chaos von Lima hinter uns gelassen haben. Auf der Panamericana rauschen wir langsam in Richtung Norden. Wir sind vermutlich die einzigen, die sich an sämtliche Geschwindigkeitsbeschränkungen halten, weil hinter jeder Kurve, Kuppe oder an jedem Ortsein- und ausgang stets einer der Silber farbigen Toyota Landcruiser der Polizei wartet (vermutlich ist Peru das einzige Land der Welt, das über mehr Polizeistreifen als Verkehrsteilnehmer verfügt...).

»Freundliche« Polizisten – und fast 5000 Meter hoch im »weißen Gebirge«
Zu meiner Überraschung werden wir erst sehr spät angehalten. In einer Tempo- 60-Zone, weil wir angeblich 80 gefahren sind, obwohl wir etwa knapp 70 auf der Uhr hatten und dabei noch ständig von anderen Fahrzeugen überholt wurden. Die Jungs sind höflich, aber bestimmt und verlangen umgerechnet etwa 100 Mark pro Kopf. Im gleichen Atemzug bieten sie uns eine weitere Lösung für diese »äußerst ärgerliche« Situation an. Also, gegen eine entsprechende Spende für etwas Benzin (natürlich ohne Quittung) könne man zur nächsten Polizei-Zentrale fahren und von dort aus per Funk alle Polizeistreifen bitten, uns auf unserem Weg nach Ecuador in Ruhe zu lassen. Nun, wir glauben nicht an den Erfolg dieser Aktion und sind auch nicht bereit, auch nur einen Pfennig zu zahlen. Und ohnehin, erklären wir ihm, hätten wir aus Sicherheitsgründen nur Traveller-Schecks und Kreditkarten dabei. Nun, wenn das so sei, wünsche er uns noch eine gute Fahrt!

In der Cordillera Blanca
Erst bei Barranca verlassen wir die hier zu dieser Jahreszeit stets kalte und Wolken verhangene Küstenregion und biegen wieder ins Landesinnere ab. Nach ein paar Kilometern scheint endlich wieder die Sonne über unseren Helmen und wir fahren bei angenehmen 25 Grad. Und das, obwohl die Straße schnell (und zu unseren großen Freude extrem kurvig) an Höhe gewinnt – bereits nach etwa 120 Kilometern überqueren wir schon wieder einen etwa 4100 Meter hohen Paß, bevor der Weg auf etwa 3000 Metern Höhe bis nach Huaraz führt, das am Rande der imposanten Cordillera Blanca liegt und die Bergsteiger- und Trekking-Hauptstadt in Südamerika schlechthin ist.

Die Lage dieser Stadt ist aber auch wirklich spektakulär: Um den knapp 6800 Meter hohen Huascarán reihen sich etwa 50 schneeweiße Gipfel, die alle über 5700 Meter hoch sind – und dabei ist die knapp 200 Kilometer lange und nur 20 Kilometer breite Cordillera Blanca ein vergleichsweise winziges Gebirge, das inzwischen vollständig unter Naturschutz steht. Und über das sich zwei wahrlich Atem beraubende (Schotter-)Pässe winden. So einer Verlockung widerstehen? Ganz sicher nicht!

Gequälte Motoren
Früh am nächsten Morgen rollen wir in Richtung Carhuaz und biegen schließlich auf eine Piste ab, die sich in einem grünen Tal noch weit unterhalb der Schneegrenze zwischen dem mächtigen Huascarán und der Pyramiden förmigen Spitze des Chequiaraju entlang schlängelt. Dann geht´s nur noch bergauf. Und wie! In unzähligen Serpentinen quälen wir die beladenen BMW teilweise auch über loses Geröll und stets am senkrechten Hang entlang (und immer im ersten Gang) zum 4900 Meter hoch gelegenen Paß »Paisaje Ulta«. Um uns herum nur noch Abgründe, Gletscher und Schnee – wir stehen mit unseren Motorrädern praktisch auf Mont-Blanc-Gipfelhöhe.

Nicht minder spektakulär fallen wir auf der Ostflanke des Gebirges wieder hinunter in ein fast schon tropisch anmutendes Tal. Doch das satte Grün um uns herum täuscht: die Ortschaft Chacas, wo wir in einer ziemlich schäbigen Herberge die Nacht verbringen, liegt noch immer fast 3400 Meter über Null. Kein Paß in den Alpen ist so hoch! Und vermutlich sind wir heute die so ziemlich spektakulärsten 80 Kilometer unserer Reise gefahren...

Noch einmal hoch hinaus
Nach der gestrigen Etappe hätten wir keine Steigerung mehr für möglich gehalten. Aber schon die Anfahrt zum zweiten Paß, der uns wieder auf die westliche Seite der Cordillera bringen soll, haut uns nun wirklich fast von den Sitzbänken. Grüne, tropische Täler und dahinter eine ganze Reihe von verschneiten Gipfel und gewaltigen Gletschern. Und als der Weg nach etwa 70 Kilometern wieder ansteigt und wir den weiteren Verlauf im Fels bis zum Paß ausmachen können, sticht unsere Begeisterung endgültig den Frust über die Qualität dieser erbärmlichen Piste aus. Dass die beiden BMW bei dieser elendigen Schüttelei und den vielen Schlägen, die das Fahrwerk stets bis in die letzte Schraube zusammen stauchen, noch nicht auseinander gefallen sind, kommt einem Wunder gleich. Zum Glück ist Franca mit der F 650 GS auf losem Grund inzwischen so gut unterwegs wie auf Asphalt.

Rücksichtsloser Fahrstil
Noch einmal – und vermutlich zum letzten Mal während dieser Reise – stehen wir auf einer Höhe von fast 4800 Metern über Null und blicken auf eine Bergwelt um uns herum, die uns endgültig den letzten Atem raubt. Dann geht's nur noch bergab. Bis Franca von einem Lkw einfach in die Böschung gedrückt wird und unter ihrem Motorrad auf der Seite liegt. Während der Kerl am Steuer einfach weiter fährt, wende ich und helfe zuerst Franca wieder auf die Beine. Aber mich kotzt diese brutale und rücksichtslose Fahrerei der Peruaner inzwischen so an, daß ich irgend etwas tun muß, um nicht vor Wut zu platzen. Nach ein paar Minuten habe ich den Lkw überholt und zwinge ihn zu halten. Noch nie in meinem Leben habe ich jemanden so angeschrien wie diesen Typen, der auch noch behauptet, er hätte schließlich Vorfahrt und alle anderen sollten gefälligst ausweichen. Jetzt brennt mir fast die Sicherung durch und es hat wirklich nicht viel gefehlt und ich hätte ihn aus seinem Führerhaus gezogen...

Wir erreichen gerade noch zur Dämmerung das Ufer der 3850 Meter hoch gelegenen Lagune Orcococha. Nach vielen Wochen Camping-Abstinenz bauen wir neben belgischen und französischen Wanderern unser Zelt auf. Zum Abendessen spendieren wir uns zur Feier des Tages unsere letzte Trockenfutter-Notreserve (Curryhuhn mit Reis im »praktischen Doppelpack«).

Nur etwa 200 Kilometer trennen uns jetzt noch von der Panamericana. Aber diese Strecke wird von uns zur nervigsten Etappe der ganzen Reise erklärt. Zwar führen die ersten 50 Kilometer durch den wirklich spektakulären »Canyon del Pato« (Entenschlucht), doch dann mühen wir uns viele Stunden ausschließlich im ersten und zweiten Gang über eine elendige Schlagloch- und Rüttelpiste hinunter in Richtung Küste. Hätte nie gedacht, daß ich mich einmal so über den Anblick der Panamericana freuen würde. Am Abend haben wir Trujillo erreicht, sind fast zehn Stunden gefahren und haben lächerliche 340 Kilometer zurück gelegt. Uns tut alles weh.

Schon wieder nervige Polizisten
Statt uns eine Pause zu gönnen, geben wir richtig Gas. Bis in den etwa 600 Kilometer entfernten Strandort Máncora, der bereits kurz vor Ecuador liegt und wo wir uns mit Robert und Claudia verabredet haben, wollen wir es heute schaffen. Also rauf auf die Panamericana, die kaum breiter ist als eine deutsche Landstraße und auf der sich der gesamte Verkehr des Landes drängelt.

Wir passieren unzählige staubige Ansiedlungen, in denen man sich irgendwie eingerichtet hat, den Verkehr auf der Panamericana am Leben zu erhalten. Schmuddelige Restaurants, Werkstätten, Zapfsäulen, Reifenflicker, Abschleppfahrzeuge, Ersatzteilhändler, Geldwechsler – alles drängt sich an den Rand dieser Straße, deren unangefochtenen Herrscher die Bus- und Lkw-Fahrer sind, die laut hupend alles beiseite schieben, was sich ihnen in den Weg stellt.

Nervige Kontrollen
Unser erklärter Feind ist allerdings die Polizei. Diverse Male werden wir angehalten – nicht, weil wir etwa zu schnell gefahren sind, sondern weil den Jungs einfach langweilig zu sein scheint, obwohl auf der Straße die Hölle los ist. Immer wieder die gleiche lästige Kontrolle, immer wieder die gleichen lästigen Fragen nach den Preisen und der Leistung unserer Motorräder – und immer wieder dieses schikanöse und wichtigtuerische Auftreten von arroganten Beamten. Es fällt uns jedes Mal schwerer, freundlich zu bleiben. Wir erreichen tatsächlich noch am gleichen Tag das kleine Máncora. Und finden ein kleines Hotel, das unter Palmen direkt am Strand liegt. Bis nach Ecuador sind es noch etwa 130 Kilometer. Vermutlich werden wir in zwei oder drei Tagen die Grenze passieren...

Nachträge
Erster Nachtrag: Seit Lima rollen unsere BMW auf neuen Vorderradreifen (die hinteren wurden bereits in Cusco gewechselt). Die Conti TKC 80 haben sich wirklich als erste Wahl für eine solche Reise bewiesen. Ich habe mit meinem ersten Satz auf meiner R 1100 GS völlig problemlos und pannenfrei fast 15 000 Kilometer zurück gelegt (ein paar hundert wären noch gegangen); Franca hätte auf ihrer F 650 GS diese Reise mit ihrem ersten Satz vermutlich noch zu Ende fahren können (18000 bis 20000 Kilometer). Wir möchten uns noch einmal bei Dina de la Piedra und Alexander Nasse von »Inchcape Motors Perú« (BMW-Niederlassung in Lima) bedanken! Obwohl in Peru keine BMW-Motorräder verkauft werden, ist hier jeder Reisende willkommen.

Zweiter Nachtrag: Auf dem Weg nach Norden kamen uns Jason und Susan aus England entgegen – die beiden haben ihre Reise in Mexiko gestartet, waren drei Monate in Zenralamerika unterwegs, wollen nach Weihnachten von Südamerika nach Neuseeland übersetzen und haben für ihre geplante Weltreise noch drei Jahre Zeit! Jason fährt auf einer BMW R 1150 GS – und damit führt die R 1100/1150 GS-Baureihe deutlich in der Gunst der Fernreisenden, die wir bisher getroffen haben (24 Motorradfahrer, von denen sieben auf R 1100/1150 GS unterwegs waren). Susan ist dagegen wie Franca auf einer BMW F 650 GS unterwegs – und hat die gleichen Sorgen: der Wasserkühler wurde ebenfalls von einem Stein Leck geschlagen und der Spritzschutz brach bereits auf den Pisten von Mexiko ab. Alles Zufall?

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