Rekordsprung von Skischanze (Archivversion) Echt abgehoben

Drei Jahre davon träumen, drei Wochen Vorbereitung, drei Versuche frei: Dann war der Bayer Toni Roßberger endlich Weltrekordhalter im Motorradweitsprung.

»Jo mei, a bisserl Gaudi muß scho sei«, lacht der 23jährige Toni Roßberger aus Penzberg und lehnt sich entspannt zurück. Der Mann hat Nerven: In zwei Stunden will er mit einer absolut serienmäßigen 250er Moto Cross-Suzuki die Olympia-Skischanze in Garmisch-Partenkirchen herunterrasen. Und dabei nicht nur den Weltrekord im Motorrad-Weitsprung des Amerikaners Doug Danger - 1991 sprang der 76,5 Meter weit -, sondern auch gleich noch den Schanzenrekord aus dem Jahr 1987 brechen. Damals segelte der Österreicher Werner Schuster 82,5 Meter weit - auf Skiern.Tonis Geheimrezept für den »Big Jump« klingt einfach: »Im fünften Gang volle Kanne mit hundert Sachen die Schanze runter, dann paßt’s scho.« Da macht sich die langjährige Erfahrung im Motorradsattel bezahlt: Bereits mit vier Jahren drehte Toni fleißig am Gasgriff: »Mein Bruder Willi ließ mich mit seinem Moped fahren. Ich bin zwar nicht mit den Füßen auf den Boden gekommen, aber das war mir egal.«Heute lebt der Industriemechaniker, der sich seine Tricks auf der Moto Cross-Strecke selbst beigebracht hat, nach der Devise: »Geldverdienen ist Nebensache, wichtig ist, daß meine Fans und ich Spaß haben.« Dieser Plan geht auf, tausend Zuschauer im Kessel des Olympiastadions fiebern mit ihrem Helden: »Der Toni wird’s schaffen«, jubelt Günther Strohmann, der zusammen mit fünf Kumpels von den »Motorradfreunden Wolfratshausen« angereist ist. Sanitäter Johannes Brose hofft dagegen nur, ,»daß dem Toni nichts passiert«.Plötzlich tobt die Menge im Stadion: Nach einem 60 Meter weiten Probesprung rast Toni im Wheelie auf den 95 Meter hohen Schnanzentisch, um sich unter frenetischem Jubel aus tausend Kehlen mit Vollgas in die Tiefe zu stürzen: Nach 78 Metern setzt er mit seiner Suzuki zur sicheren Landung an.Auch wenn’s für den Schanzenrekord nicht ganz gereicht hat, der weiteste Motorradsprung war es allemal, und Toni hat nun beste Chancen auf den begehrten Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde. Einen Wunsch verriet der Held des Tages aber noch: »Irgendwann mal einen Stunt fürs Kino oder Fernsehen zu machen, das wär’ klasse.« In seiner Freude vergißt er, daß er sich mit seinem Sprung bereits in der Glotze verewigt hat. Von Sat 1 bis Pro Sieben.

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