Rennsport auf Serienmaschinen (Archivversion)

Gemeinsame Sache

Rennsport muß weder teuer noch aggressiv sein. In der Seriensport-Szene zählt der Weg und nicht das Ziel. Und die sportlichen Konkurrenten sind eher Kumpels statt Gegner.

Da kann man das machen, worauf es im Rennsport eigentlich ankommt, nämlich jede Menge Motorrad fahren«, schwärmt Jörg Teuchert. Der aktuelle ? der Supersport-WM - Jörg donnerte beim ersten Lauf der WM der 600er in Südafrika auf den sensationellen dritten Rang und schlug sich auch bei Lauf zwei in England mit Rang ? perfekt - spricht ganz bewußt für die Allgemeinheit und nicht für sich. Denn erstens gab seine schnell aus Ersatzteilen zusammengesteckte Yamaha Thundercat nach nicht einmal 100 Kilometern laut rasselnd ihren Geist auf, und zweitens kommt es dem 27jährigen Franken - siehe seine beiden Supersport-DM-Titel und besagte WM-Erfolge - beileibe nicht nur aufs Dabeisein an. Mit Ausnahme der 1000 Kilometer von Hockenheim. 25 Jahre alt wurde er in diesem Frühling, der Klassiker der Seriensport-Rennen. Ganze Herrscharen von Promis, Könnern und Amateuren aus der Motorrad-Szene (siehe Kasten Seite 210) haben sich in dieser Zeit jeweils am Ostersamstag in das längste aller Rennen für seriennahe Motorräder gewagt und unter die bis zu 170 Starter gemischt. Manche holten sich den Sieg, manche eine Abfuhr und viele den Kick, um es nicht bei dem einen Rennen zu belassen. Rennen - im Grunde genommen wollen Seriensport-Veranstaltungen, von denen die 1000-Kilometer-Hatz im Badischen nur die glänzende Spitze eines motorradsportlichen Eisbergs darstellt, gar keine Rennen sein. Dauerprüfung, so nennt sich der Löwenanteil des Ereignisses. 1000 Kilometer sind es einmal im Jahr auf dem Grand Prix-Kurs in Hockenheim, 160 Kilometer bei allen weiteren Seriensport-Events. Runden drehen in einer vorgegebenen Maximalfahrzeit. Wer schneller sein möchte, bitte schön. Von wegen keine Rennen. Danach gibt´s die Sprintprüfung. 40 Kilometer mit gemeinsamen Start je Klasse. Apropos Klasse. Davon gibt´s fünf. Die kombinierte 250-cm³-Zweitakt/400-cm³-Viertakt-Kategorie, die offenen Zweizylinder-Viertakter, Supersport 600, Superbikes bis 750 cm³ und Big Bikes bis 1200 cm³ Hubraum. Quasi für jeden etwas. Und das ohne viel Aufwand. Nur Serien-Reifen dürfen auf die Räder, alle Um- und Anbauten müssen in die Papiere eingetragen sein. Blinker- und Scheinwerfer abkleben, Startnummer aufkleben, fertig. Mehr ist nicht erlaubt und auch nicht nötig. Außer dem schnöden Mammon. 210 Mark Nenngeld fallen pro Auftritt an. Kaum mehr als bei vielen Renntrainings. Obendrein sind die Veranstaltungen im eigenen Land (siehe Kasten Seite 211). Hockenheim und Nürburgring statt Frankreich, Italien, Spanien oder Tschechien. Eine B-Lizenz des Deutschen Motor Sport Bunds für 65 Mark als Tageslizenz oder 260 Mark für diee komplette Saison braucht’s wegen der Versicherung. Basta.Daß der Spaß am etwas gezähmten Rennsport gerade deshalb nicht zu kurz kommt, beweisen selbst hartgesottene Rennfahrer. Ex-WM-Spitzencrosser Rolf Dieffenbach beispielsweise zieht´s einzig und allein wegen der Seriensport-Szene schon lange auf den Asphalt. Zumal der zu aktiven Off Road-Zeiten weniger aseptische Bedingungen gewohnte Schwabe vor allem eins zu schätzen weiß: »Da wischst du nach der Veranstaltung die Mücken von der Verkleidung, und das war dann auch schon die Vorbereitung für das nächste Rennen.« Ein Tip, der ihm mit seiner Honda Fireblade im vergangenen Jahr immerhin Rang sechs im Seriensport-Cup eingebracht hat.
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Seriensport-Rennen: Info (Archivversion) - 1000-km-Hockenheim: die Promis

Wer im deutschen Straßenrennsport was auf sich hält, tritt wenigstens einmal in seiner Karriere bei den 1000 Kilometern von Hockenheim an. Seit 25 Jahren zählt das vom Motorradreferenten des ADAC Hessen-Thüringen, Gustav Lux, initiierte Happening am Ostersamstag zum Pflichtprogramm für Stars, Sternchen und Nobodies. Ungefährdeter Chef im Seriensport-Ring ist Helmut Dähne. Sage und schreibe 16mal holte sich der heute 52jährige Tausendsassa bei Reifenhersteller Metzeler den Klassensieg in Hockenheim - und das gegen stattlichen Widerstand. Denn wer war denn schon mal dabei, im letzten Vierteljahrhundert?Dietmar Beinhauer (Ex-BMW-Sportchef)Helmut Dähne (Seriensport-Rekordsieger)Rolf Dieffenbach (Ex-WM-Moto Cross-Fahrer)Harald Eckl (Chef des Kawasaki-Superbike-WM-Teams)Jürgen Fuchs (derzeit verletzter GP-Fahrer)Michael Galinski (Ex-Superbike-Fahrer)Manfred John (Sportchef von Kawasaki-Deutschland)Hagen Klein (Ex-WM-Fahrer)Jutta Kleinschmidt (Rallye-Fahrerin)Laszlo Peres (ehemaliger deutscher Enduro-Meister)Stefan Prein (Ex-GP-Fahrer und aktueller PR-Chef beim Docshop GP-Team)Gustav Reiner (Ex-GP-Fahrer)Mario Rubatto (Ex-Superbike-DM-Fahrer und Chef des Mayer-Rubatto-GP-Teams)Peter Rubatto (Ex-Superbike-DM-Fahrer und Koordinator Team Alpha Technik)Franz-Josef Schermer (Gründer der Motorradzeitschrift Mo)Dr. Christoph Scholl (Rennarzt)Arnulf Teuchert (Ex-GP- und Enduro-WM-Fahrer)Jörg Teuchert (Supersport-WM-Fahrer)Alfred Waibel (Ex-GP-Fahrer)Gerhard Waibel (Ex-GP-Fahrer)Martin Wimmer (Ex-GP-Fahrer und Manager des GP-Fahrers Markus Ober)Hayri Winter (Ex-Superbike-DM-Fahrer)

Seriensport-Rennen: Info (Archivversion) - Die Klassensieger 1999

250 cm³ Zweitakt/400 cm³ ViertaktJürgen Wachter/Jörg Schöllhorn (Aprilia)Zweiylinder-Viertakter ohne HubraumbegrenzungJens Hofmann/Thomas Kuttruf (Moto Guzzi)500 cm³ Zweitakt/600 cm³ ViertaktJörg Westermann/Rainer Bachen (Honda)750 cm³ Peter Eickelmann/Jens Gutsche (Suzuki)1200 cm³Axel Reimann/Kai Schlieper (Kawasaki)

Seriensport-Rennen: Info (Archivversion) - Seriensport-Termine 1999

30. Mai Nürburgring5./6. Juni Salzburgring/A13. Juni Hockenheim4. Juli Hockenheim11. Juli Nürburgring1. August Nürburgring28. August Brünn/CZKontaktadresse: Gustav Lux, Telefon/Fax 06173/67227.

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