Rennsport-Regeln: Langstrecken-WM 2010 Die Regeln im Langstrecken-Motorrad-Sport

Zweimal rund um die Uhr geht es für die Teams und Piloten der Langstrecken-WM im Extremfall. Die beiden französischen 24-Stunden-Rennen in Le Mans und Magny-Cours bilden die Höhepunkte der WM-Saison. Aber auch der Rest ist nicht ohne.

Foto: Archiv
Entscheidend ist in der Box. Diese leicht abgewandelte Weisheit aus dem Fußball gilt im Motorrad-Langstreckensport umso mehr, je länger ein Rennen läuft. Acht oder gar 24 Stunden, die Arbeit der Boxencrew wird immer wichtiger.

Etwa alle 50 Minuten steht bei den Top-Teams der Langstrecken-WM ein Boxenstopp an, weil der 24-Liter-Tank leergefahren ist. Und selbst Spitzenfahrer wie der Slowene Igor Jerman und seine Kollegen im Weltmeister-Team Yamaha Austria, der Franzose Gwen Giabbani und der Australier Steve Martin tun sich schwer damit, die Zeithypothek eines misslungenen Stopps wieder aufzuholen. Deshalb unterscheiden sich die Endurance-Renner zum Teil erheblich von den Sprintern aus der Superbike-WM oder dem FIM-Superstock-1000-Cup.

Maschinen der Formel EWC, wie die Top-Langstrecken-Klasse heißt, entsprechen dabei in der technischen Basis eher dem strengeren Regelwerk der Supersport-Klasse im Sprintbereich als dem der Superbikes, die tiefergehend getunt werden dürfen (siehe MOTORRAD 4/2010).

Darüber hinaus zeichnen ein Top-Langstrecken-Motorrad zahlreiche, oft von den Team-Technikern selbst erdachte Detail-Lösungen aus, die sowohl die Routinearbeit an der Box - Reifenwechsel, Tanken, Bremsbelagwechsel, Öl nachfüllen et cetera - stark vereinfachen, wie auch vorhersehbare Reparaturen nach Stürzen oder kleineren technischen Gebrechen. So dauert zum Beispiel bei der österreichischen Weltmeister-Yamaha-R1 ein Wechsel des Benzintanks nur wenige Sekunden. Auch der komplette Ansaugtrakt des Motors, von nur einem zentralen Splint gesichert, kann blitzartig entfernt und damit im Eventualfall auch ausgetauscht werden.

In der Liste von 32 fest eingeschriebenen und damit für die WM punktberechtigten Teams finden sich auch deutsche Projekte. Das RMT-21-Team des Hessen Thomas Roth darf dabei schon zu den Etablierten gezählt werden, stehen immerhin schon einige Vorderfeld-Plazierungen aus den letzten Jahren in der Bilanz. Motobox-Kremer-Suzuki repräsentiert die Spitze der in Deutschland sehr aktiven Amateur-Langstrecken-Szene. Dazu kommen in der seriennäheren Superstock-Klasse, die auf einige in der Formel EWC erlaubten Langstrecken-Details wie etwa Reifenschnellwechsel-Anlagen verzichten müssen, zwei Teams mit der neuen, bärenstarken BMW S 1000 RR: Colexon-Racing mit Teamchef Andreas Rentsch, vor allem jedoch Penz13-Racing. Von Rico Penzkofer, der sächsischen Rennsport-Allzweckwaffe als Spielertrainer, Steve Mizera sowie dem Ungarn Sandor Bitter als weiteren Fahrern dürfen wir durchaus Überraschungen erwarten.

Die Termine
17./18. April: 24 Stunden Le Mans/F
22. Mai: Acht Stunden Albacete/E
25. Juli: Acht Stunden Suzuka/J
11./12.: September 24 Stunden Magny-Cours/F (Bol d'Or)
13. November: Acht Stunden Doha/Q
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Die Reglements im Überblick

 

 Formel EWC

 

 Superstock 1000

 

Hubraum

 

 1000 cm³
 (Vier- und Dreizylinder)
  1200 cm³ (Zweizylinder)

 

 1000 cm³
  (Vier- und Dreizylinder)
  1200 cm³ (Zweizylinder)

 

Zylinder

 

                           2, 3 oder 4

 

Benzin

 

              unverbleit, maximal 102 ROZ

 

Getriebe

 

      wie Serienmotorrad (in der Praxis Sechsgang)

 

Bremsen

 

                         Stahlscheiben

 

Geräuschlimit

 

                            109 dB(A)

 

Mindestgewicht

fahrfertig ohne Sprit

 169 kg (Drei- und Vierzylinder)

 174 kg (Zweizylinder)

 Serientrockengewicht minus 13 kg

 

Radgröße v/h

 

 maximale Breite
 4.00 Zoll/6.25 Zoll,
 minimale Höhe 400 mm

 

 gemäß Homologationsblatt

 

Reifen

 

                                frei

 

Lenkerbreite

 

                        minimal 450 mm

 

Fahrzeugbreite

 

                  gemäß Homologationsblatt

 

Schräglagenfreiheit

 

                             50 Grad

 

Tankinhalt

 

                              24 Liter

 

Startnummernfarbe

 

 Weiß auf Schwarz

 

 Rot auf Weiß

 

Mindestproduktions-
stückzahl

 

                          3000 pro Jahr

 

Erlaubtes Tuning

 

 Zylinderkopf (Material Serie), Verdichtung, Ventile  (Durchmesser, Material und Gewicht Serie), Getriebe (Anzahl der Gänge und Primärübersetzung Serie), Kupplung (System und Arbeitsweise Serie), Auspuff (Position und Anzahl der Endrohre Serie), Elektronik, Fahrwerkselemente

 

 Zylinderkopfdichtung, Steuerzeiten, Schaltautomat, Kupplungsscheiben (Anzahl Serie), Auspuff (Position und Anzahl der Endrohre Serie), Elektronik, Fahrwerkselemente

 

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