Report action concept (Archivversion) Der Märchenonkel

»Cobra 11« beißt zu, »Der Clown« düpiert die Unterwelt - Action concept-Boss Hermann Joha fabriziert brillant abstruse Räuberpistolen. in denen das Motorrad eine immer telegenere Rolle spielt.

Für RTL sind wir eine Rocker-Gang, die auch Filme macht«, wundert sich Hermann Joha. In den Redakteursstuben des Privatsenders kämpft besseres Wissen gegen beknackte Klischees an. Denn mit dem Stoff, den Joha und seine Bande liefern, klatschen die Programmgewaltigen ihre lukrativsten Sendeplätze zu. »Filmkunst ist was anderes«, lacht Joha, »meine Firma action concept produziert Mainstream-Unterhaltung.« Da kracht’s, explodiert’s, schießt’s, crashen Autos, schliddern Motorräder, wüten üble Bösewichte, kämpfen edle Helden für gebeutelte Witwen und Waisen. Eben Typen wie »Der Clown«, den Joha höchstpersönlich kreiert und in die Umlaufbahn der schönen bunten Fernseh-Welt katapultiert hat. Der fährt nicht nur prima Motorrad, sondern wagt eine arg heroische Doppelexistenz, gibt nach Feierabend den Rächer der Enterbten. Und damit der Zuschauer nach dem Bierholen checkt, in welcher Funktion der Held mal wieder die Russen-Mafia dezimiert, setzt er bei nicht ganz legalen Aktionen einfach die Maske auf. Deutsche Action will Joha produzieren. Was ihm gnadenlos konsequent gelingt. Also agiert der Clown in Köln, wo auch Johas action concept residiert, mit der Mimikry eines wohl bestallten Beamten. So liebt’s der auf Sicherheiten bedachte Teutone. Dagegen geistert Batman, noch so’n Maskierter, durch die USA und zivilisiert sich, so mögen’s die Amis, als fescher Millionär. Weil die Unterwelt sich bekanntermaßen über Recht und Ordnung lustig macht, ihre Verfolger aber dienstvorschriftlich gefesselt sind, haben letztere immer das dummbrave Nachsehen. Muss nicht sein, beweist der Clown, der alttestamentarisch Auge um Auge, Zahn für Zahn vergilt und sich stets als genial-rabiater Geselle entpuppt. Natürlich als einer mit Scherz und Herz: Die Kohle, die er den Gangstern abluchst, schiebt er – der Robin-Hood-Touch macht sich immer gut - wohltätigen Organisationen rüber. »Wir erzählen Märchen«, sagt Joha. Gerade fabrizieren er und seine Gang ein neues: die Saga von den »Motorrad-Cops«, die - never change an winning dream -, etwas Clown-esk gerät. »Wo die Möglichkeiten eines klassischen Kommissars enden, beginnt die Arbeit unserer Helden. Statt des normalen Dienstweges nehmen sie direkt die Überholspur. Wo Kollegen in der Sackgasse stehen, fahren sie einfach durch die Wand.« Aber hallo. Sei’s drum: Joha kriegt das hin. Weil er selbst oft genug gegen die Wand rannte. 1990 war`s, da pennte der Typ, der heute über 250 Angestellte beschäftigt und jedes Jahr 100 Millionen Mark allein von RTL kassiert, im Leihwagen, hatte, gerade mal 30 Jahre alt, 3,5 Millionen Mark Schulden auf dem Buckel. »Ich wusste nicht, was ich machen sollte, hab’ schließlich nur noch telefoniert, um die Gläubiger ruhig zu stellen.« Ursache dieser Malaise: ein brillanter Plan, der nicht klappte. Als die Mauer fiel, organisierte Joha eine gigantische Stunt-Show - Nachholbedarf dünkte ihm - und platschte mit seinem Millionenprojekt mitten in die Invasion der Währung-West. »Danach hat keiner mehr eine müde Mark ausgegeben.« Zumindest nicht für Jux und Dollerei. Die Rolling Stones open-airten vor schlappen 15 000 Fans, Steffi Graf lockte 300 Voyeure, und Joha crashte vor leeren Rängen. Alles perdü. Auch das Geld vom Werner-Rennen anno 1988, als 200 000 Menschen ansehen mussten, wie Comicer Brösel beim Vesuch, mit der Monster-Horex einen Porsch zu versägen, schmachvoll sich im Gang vertat. Joha hat dieses an Bölkstoff reiche Fest - das größte Biker-Treffen Deutschlands - organisiert. Und zuvor die großen Motorrad-Festivals am Nürburgring und auf der Lorelei. »Es gab damals, als fast nur die Öffentlich-Rechtlichen produzierten, wenig zu tun für Stunt-Leute in Deutschland, und so kam ich auf die Idee, Parties zu veranstalten. Speziell für Motorradfahrer, denn die sind am besten drauf.« Kaufmann hat Joha gelernt. Seine Profession. Und sich - acht Stunden sind kein Tag – nach Büroschluss auf Herkules, 250er Kawa und bei Moto Cross-Rennen auf KTM im artistischen Motorrad-Wesen geübt. Seine Passion. Dann zappte er rüber, von den Bilanzen zu den Hell Drivers - britisches Stunt-Team der Extraklasse. Wo Joha seine Lehr- und Wanderjahre verbrachte. Von denen zehrte er, retour in Deutschland, bis ihn sein Stunt-Show-Fiasko im Osten zur Meisterprüfung drängte. Die machte er, als er auf den Dreh kam, nicht seine Arbeitskraft, sondern ihr Produkt zu verkaufen: komplette Stunts gegen Cash. Für »Tatort«, die »Rudi Carell Show«, das DSF und den wild expandierenden RTL. Als der Deal für die Verschrottungsorgien von »Cobra 11 - die Autobahnpolizei« unter Dach und Fach war, legte Joha zu. An Personal, Ausstattung, Know-how. Und Ideen. »Wir machen den Action-Film des Jahrhunderts«, rückte Joha dem damaligen RTL-Intendanten Thoma auf die Pelle. »Ich brauch’ drei Millionen. Die Chance kriegt ihr nie wieder.« Thoma nutzte sie, Joha drehte den »Clown«, und fast neun Millionen guckten zu.Weil Joha seine Märchen auf technisch höchstem Niveau erzählt. Air-ramps, die er aus Hollywood importiert hat, schleudern Stuntmen an die 20 Meter weit. »Wir haben diese Drucklufttechnik weiter entwickelt, sind mittlerweile besser als die Amis«, freut sich Joha. Im Kamera-Department sucht Attila Eordogh, »Terminator«-erprobter Ungar aus L.A., stets nach dem besten Schuss. Seine neueste Entwicklung: eine im Eisenring rotierende Kamera. Optimal für Hubschrauberabstürze und andere rollierende Katastrophen. Geschützt in selbst gebauten Crash-boxes überleben fragile Objektive selbst brutalste Zusammenstöße. Und Achter-BMW, zum Pick-up kupiert, machen Aufnahme-Teams respektable 260 km/h schnell. 80 Stuntmen hat Joha fest unter Vertrag. »Da sind wir die einzigen weltweit. Die andern heuern und feuern, wie’s ihnen passt. Aber ich kann mir doch nicht für jeden Dreh neue Leute holen. Wäre ja auch Schwachsinn: Du bildest sie aus, lässt sie gehen, und sie arbeiten für die Konkurrenz.«Schwerlich. Denn die gibt’s nicht. In Sachen Stunt-Technik hat Joha Standards gesetzt, die keiner außer ihm selbst toppen kann. »Wir sind quasi Monopolist«, gibt Joha zu. Was ihn freilich überhaupt nicht beruhigt. »In dem Geschäft hat keiner ein Erfolgsrezept. Nach einem Scoop kommt der Flopp.« »Es gibt filmische und motorradtechnische Möglichkeiten«, doziert Joha. Klar, was für ihn wichtiger ist. Also lässt er eine Gummikuh schon mal locker flockig durch ein heftig abfallendes Wasserbassin hoppeln, um bei dreifacher Abspielgeschwindigkeit eine verdammt realistische Action-Szene daraus zu schneiden. Risiko-Minimierung halt.Jetzt fiebern Aktionator Joha und sein Team der Premiere der »Motorrad-Cops« am 31. März entgegen. An dem Stoff waren zuvor zwei Produktionsfirmen gescheitert. Auch die Ufa in Berlin. Die hatte sechs Folgen runtergekurbelt. Für den Abfalleimer. »Selbst wir sind an dem Thema fast verzweifelt. Es ist irre schwierig, Motorräder dynamisch rüberzukriegen. Wir mussten neue Kamerahalterungen entwickeln, und du brauchst, im Vergleich zu den Autos, das Dreifache an Zeit. Alles Geld, das wir mit anderen Projekten verdient haben, ist in die Cops geflossen.«

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