Report Elefantentreffen im Bayerischen Wald (Archivversion)

WAS DICH EIS MACHT

...lässt andere völlig kalt. Trotzdem nehmen sich viele Biker vor, einmal im Leben zum Elefantentreffen in den Bayerischen Wald zu fahren. 4500 waren diesmal dabei.

Wahre Helden, hier gibt es sie noch: Mit roten Augen hockt Martin am Lagerfeuer auf einem Strohballen. Seine Aus-Dritter-Hand-Suzuki GS 400 steht daneben im Schnee und leuchtet mit all ihren Rostblüten. Es ist Samstagmorgen, es schneit, und der Biker aus Greding in Franken pumpt sich mit einer ersten Dose Löwenbräu die Lebensgeister ins Hirn zurück. Sein Schlitten sei letzte Nacht kaputtgegangen, erzählt Martin und sieht dabei gefrustet drein: »Gerade, als es am schönsten war.« Die nächtliche Schussfahrt über die steile, vereiste Wiese, zwischen den Zelten runter, hielt das alte Winterspielzeug einfach nicht mehr aus. Unter seiner und der Last dreier Kumpels war der Schlitten in der Mitte auseinander gebrochen. Da mussten sich Martin und die drei Jungs eine andere Sportart suchen: Eiskunst-Saufen.Es sind Heldendramen wie dieses, die Thurmansbang/Solla zum Mythos gemacht haben: Der Blinker und dein Kumpel bricht, aber dieses Treffen nicht. Und überhaupt: Frieren sollen die anderen. Zum 13. Mal hatte der Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) das Elefantentreffen im Bayerischen Wald organisiert, das 45. überhaupt. Und schon Tage vor dem traditionellen Termin, dem ersten Februar-Wochenende, rollten Hunderte von Bikes auf den steilen Waldwiesen bei Solla ein, hoch droben über der A 3, zwischen Deggendorf und Passau. Rund 200 Teilnehmer zählten die Veranstalter bereits am Mittwoch. »Ich war Nummer 167«, erzählt BMW-Fahrer Hubert aus Neumarkt in der Oberpfalz. »Dafür hau ich am Samstag schon wieder ab«, sagt er – »weil da wird’s hier Zirkus, zu viele Autofahrer.«Ganz so viele waren’s dann doch nicht, die mit Lodenmantel und Kinderwagen zum Zoobesuch kamen. Denn stundenlanger Schneeregen hatte die Zufahrtsstraßen rings um das Treffen teilweise unpassierbar gemacht. Biker, die nach Hause wollten, schafften es nicht bis zur Autobahn runter, die zum Treffen wollten, schafften es nicht hoch. Teilweise ging für Solomaschinen nichts mehr. Wie schon zuvor auf der A 3: Schneeglätte hatte bei Regensburg eine Massenkarambolage mit einem Dutzend Lkw und knapp 100 Autos verursacht. Motorradfahrer steckten zwar nicht zwischen den zerfetzten Blechkisten. Aber der folgende Stau zerfetzte so manchem Gespannfahrer die Nerven: Von morgens neun Uhr bis abends sechs war die Bahn dicht.Karsten und Henning hatten davon gar nichts mitgekriegt. Die Autobahn – für sie sowieso kein Thema: Am Donnerstagmorgen um fünf waren die beiden auf zwei Simson Schwalbe in Karlsruhe gestartet. Nach 200 Kilometern und vier Notoperationen verreckte eines der beiden DDR-Mopeds dann in Donauwörth endgültig: Pleuellager verglüht. Die restlichen 200 Kilometer legten sie auf der Holzsitzbank der übrig gebliebenen Schwalbe zu zweit zurück, plus Gepäck. Wahre Helden, hier gibt es sie eben noch.M
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Elefantentreffen 2001 im Bayerischen Wald (Archivversion) - Die Historie

»Wir wollen sehen, wie viele es noch sind!« Mit diesem Satz im Kleinanzeigenteil von »Das MOTORRAD« fing im Dezember 1955 alles an. Gemeint war, wie viele Fahrer eines Grünen Elefanten, so der Kosename der Zündapp KS 601, Anfang Januar ans Stuttgarter Glemseck kommen würden. Es kamen 20, und das Elefantentreffen war geboren. Bis 1960 organisierte es sein Gründer, der Motorrad-Journalist Ernst »Klacks« Leverkus (1923 – 1998). 1961 nahm der Bundesverband der Motorradfahrer das Treffen unter seine Fittiche und verlegte es an den Nürburgring, wo es 1977 mit schweren Krawallen endete. Ab 1978 fand das Elefantentreffen am Salzburgring statt, seit 1989 im Bayerischen Wald.

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